Kommentar zu defekten Aufzügen

Zu viele Barrieren

Rollstuhlfahrerin Helle Deertz und ihr Begleiter Christian stehen mal wieder vor einem defekten Aufzug im Bonner U-Bahnhof. Die einzige Alternative sind lange Umwege.

Rollstuhlfahrerin Helle Deertz und ihr Begleiter Christian stehen mal wieder vor einem defekten Aufzug im Bonner U-Bahnhof. Die einzige Alternative sind lange Umwege.

Bonn. Wer das Areal rund um den Bonner Hauptbahnhof kennt, weiß, dass es für alle Menschen mit Handicaps nicht erst seit der Einrichtung der beiden Großbaustellen als ungünstig zu bezeichnen ist. Die Aufzüge der Deutschen Bahn streiken seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit.

Das ist kein Wunder, denn sie werden ziemlich strapaziert. Die Lage dürfte sich dort deshalb auch in der nächsten Zeit kaum entspannen. Entspannen wird sich die Situation am Bahnhof wohl erst, wenn die beiden Neubauprojekte stehen und dann genügend moderne Aufzugsanlagen zur Verfügung stehen.

Doch Menschen wie Helle Deertz, die für ihren Weg von A nach B soviel Kraft und Energie aufbringen müssen, mag das zurzeit wenig trösten. Sie müssen sich rund um den Hauptbahnhof fühlen, als habe man ihnen im wahrsten Sinne des Wortes zusätzlich Steine in den Weg gelegt.

Das gilt leider auch für andere Stellen in der Stadt, wo es mit der Barrierefreiheit – trotz der vielen Sonntagsreden zur Inklusion – noch gewaltig hapert. Menschen mit Behinderungen erleben im Alltag in Bonn immer noch zu viele Hürden wie Treppen oder hohe Bordsteinkanten, schwergängige Türen und fehlende Blindenleitsysteme. Beispiel Friedensplatz: Wer dort etwa als Rollstuhlfahrer zur Sparkasse will, hat Riesenprobleme, die Straße zu überwinden, die Busse und Autos oftmals im rasanten Tempo befahren.

Sicher, einiges hat sich in Bonn zugunsten der Menschen mit Behinderungen inzwischen getan. Aber: Es ist ein langwieriger Prozess, denn Barrierefreiheit ist nicht zuletzt auch eine Kostenfrage.