Kommentar zur Kinderbetreuung in Bonn

Zu lange abgewartet

In Elternteilzeit kümmern sich Julia und Jonathan Koch derzeit um ihren Sohn Frederick. Ab April brauchen sie einen Kita-Platz.

In Elternteilzeit kümmern sich Julia und Jonathan Koch derzeit um ihren Sohn Frederick. Ab April brauchen sie einen Kita-Platz.

Viele Eltern suchen lange nach einem Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs. Das Ziel muss lauten, allen Eltern so schnell wie möglich den Spießrutenlauf um einen Kitaplatz endlich zu ersparen, kommentiert GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Fälle wie den von Familie Koch gibt es zuhauf. Und das nicht erst seit Kurzem. Die Suche nach einem Kindergartenplatz ist für viele Eltern leider seit Jahren purer Stress, der reinste Nervenkrieg. Denn die Zahl der Kita-Plätze ist nicht mit dem Bedarf gewachsen. Zu lange haben die Verantwortlichen in Politik und Verwaltungen damit gewartet, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Das ist in Bonn nicht anders als in den meisten Kommunen bundesweit.

Inzwischen wird in der Stadt Bonn zwar ein Kindergarten nach dem anderen gebaut, doch nun kommt ein weiteres Problem dazu: der Fachkräftemangel. Dafür können die Kommunen nichts, aber Bund und Länder. Wie kurzsichtig ist das denn, eine Betreuungsplatzinitiative zu starten, aber parallel nicht für genügend Personal zu sorgen? Nach einer Prognos-Studie, die das Bundesfamilienministerium im vorigen Jahr in Auftrag gegeben hat, fehlen bis zum Jahr 2025 in deutschen Kitas 191 000 Fachkräfte, bis zum Jahr 2030 seien es 199 000. Da sind übrigens die offenen Ganztagsschulen nicht mit eingerechnet, die ja ebenfalls unter dem Fachkräftemangel leiden und somit in unmittelbarer Konkurrenz zu den Kitas stehen. Auf diese Entwicklung hat die Bertelsmann-Stiftung die Länder bereits vor Jahren hingewiesen, doch geschehen ist kaum etwas. Der Haken: Es fehlt auch an Lehrern für die Erzieherausbildung, weil es für sie nicht genügend Seminare gibt.

Hinzu kommt: Weil die Ausbildung der Erziehungskräfte in den ersten Jahren nicht vergütet wird, ist der Beruf für viele Schulabgänger unattraktiv. Zwar will der Bund dieses Manko jetzt über die zugesagten 5,5 Milliarden Euro aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz hinaus durch die Bereitstellung von zusätzlichen 300 Millionen Euro ändern, aber diese Initiative kommt reichlich spät und wird kurz- und mittelfristig an dem Dilemma nichts ändern. Zu kurzsichtig war sicherlich auch die Entscheidung, dass in den Kitas künftig nur noch Fachkräfte arbeiten sollen. Heißt: Kinderpflegerinnen, die eine deutlich kürzere Ausbildung benötigen, sind nicht mehr erwünscht. Dabei könnten sie durchaus in den Kleinstkindgruppen die Arbeit der Fachkräfte gut ergänzen. Das Ziel muss lauten, allen Eltern so schnell wie möglich den Spießrutenlauf um einen Kitaplatz endlich zu ersparen.