Gastspiel in Lesseich

Zirkusfamilie wünscht sich mehr Zuschauer

Lessenich. Die Artisten der Familie Lauenburger leiten das kleine Unternehmen in neunter Generation. Auch wenn sie sich mehr Besucher wünschen - Aufgeben kommt für sie nicht in Frage.

Lächelnd schaut Loren in die leere Manege. Kerzengerade steht die Siebenjährige im gelben Glitzerkostüm auf den Händen ihres Vaters Markus. Als nächstes ist ihre jüngere Schwester Joana mit einem Kopfstand an der Reihe. Auch sie strahlt. Bei der Vorstellung am Nachmittag wird die Manege ähnlich leer sein, wie bei der Probe. Trotzdem werden die Darsteller lächeln. Denn für sie ist der Zirkus ihr Leben. „Wir kennen ja auch nichts anderes“, erzählt die 14-jährige Laura. „Das tollste Gefühl ist für mich, wenn die Kinder uns für die Kunststücke bewundern“, sagt sie und grinst.

Nach dem Training sitzen Joana und Loren im Wohnwagen am Küchentisch und verputzen noch schnell ein Nutella-Brot. Sie müssen fit für den Nachmittag sein. Denn dann heißt es „Manege frei!“ für die beiden und ihre drei Schwestern vom Zirkus Meik. Die fünf Mädchen sollen Hunderte Besucher im Zirkuszelt mit ihren Kunststücken in luftiger Höhe begeistern – eigentlich.

Acht Personen zur ersten Vorstellung

Denn die 1000 Plätze sind nie voll belegt. Ohne Tribüne passen 200 Gäste in das rot-gelbe Zelt. „Wir wären froh, wenn die Manege mal wieder voll ist“, sagt Vanessa Lauenburger, die den Zirkus in neunter Generation führt. „Ach, halb voll würde uns schon reichen“, ergänzt die fünffache Mutter bescheiden. Zur ersten Vorstellung am Donnerstag in Bonn kamen gerade einmal acht Personen. Aufgeben kommt für die Familie aber nicht in Frage.

Trotzdem wird immer wieder über Alternativen nachgedacht. Wichtig ist vor allem die Schule, denn Vanessa Lauenburger möchte ihren Kindern alle Türen offen halten. „Der Zirkus wird einfach nicht mehr als Kultur angesehen“, weiß sie aus Erfahrung. Es kämen immer weniger Besucher, in vielen Städten bekäme die Familie keinen Stellplatz für das Zirkuszelt mehr.

Am Sportplatz in Lessenich hat die katholische Kirche eine Wiese zur Verfügung gestellt. Ein großes Glück, denn in Nordrhein-Westfalen kommt zwei Mal in der Woche die „Zirkusschule“ zu Besuch, eine Initiative der evangelischen Kirche. Die 16-jährige Madelain büffelt zur Zeit für ihren Hauptschulabschluss. „Ich würde nach meinem Abschluss noch gerne weiter im Zirkus bleiben. Ich bin ja noch jung“, sagt Madelain. Ihre Schwester Laura hat einen anderen Plan. „Mein Traumberuf wäre Polizistin. Die Muskeln habe ich ja immerhin schon“, sagt sie und lacht. Aber auch der Zirkus sei eine Option.

Spaß ist das Wichtigste

Das wichtigste an der ganzen Sache sei der Spaß. „Die Kinder müssen Lust und Liebe haben. Sie gehen nur in die Manege, wenn sie möchten“, erklärt Vanessa Lauenburger. Die zweijährige Samantha ist manchmal auch dabei und macht einen Kopfstand. Die 37-jährige Mutter kann erst in ein paar Wochen ihre Trapez-Nummer zeigen. Sie ist vor zwei Wochen zum ersten Mal herunter gefallen und hat dabei acht Zähne verloren.

Dennoch blickt die Familie in die Zukunft. „Man muss einfach immer weitermachen“, sind sich alle einig. Auch, um genug Essen und Kleidung kaufen zu können. „Wenn wir jetzt aufhören und zurück in eine Wohnung ziehen müssten, da würden wir kaputt gehen“, sagt Lauenburger. „Wir sind glücklich, wie es ist. Wenn unser Publikum das Zelt nach zwei Stunden mit einem Grinsen verlässt, ist das das größte Lob für uns.“

Ter­mi­ne

Der Zir­kus Meik ga­stiert noch bis Sonn­tag, 14. Mai, am Sport­platz in Les­se­nich. Die Vor­stel­lun­gen be­gin­nen am Don­ners­tag um 17 Uhr und am Frei­tag und Sams­tag um 16 Uhr. Am 14. Mai be­ginnt die Vor­stel­lung um 14 Uhr. Die Kar­ten kos­ten für Er­wachs­ene 16 und für Kin­der 14 Eu­ro, in der er­sten Rei­he je­weils zwei Eu­ro mehr. Don­ners­tags zahlt man für al­le Plät­ze zehn Eu­ro, sonn­tags zah­len Er­wachs­ene Kin­der­prei­se.