WCCB

Zeugnis eines Provisoriums

BONN. Sie sind beinahe fix- und fertiggestellt und warten jetzt auf die Übergabe an ihren künftigen Betreiber, die Bonn Conference Center Management GmbH (BonnCC): Die ehemaligen, 1964 errichteten Abgeordnetenhäuser an der Heussallee Nummer 7 bis 11.

Zahlreiche Abgeordnete haben in den schlichten einstöckigen Gebäuden ihr zweites Zuhause gehabt, als Bonn noch Bundeshauptstadt war. Seit 2000 stehen sie als "Zeugnis für den Ausbau der provisorischen Hauptstadt Bonn in den Nachkriegsjahren Deutschlands" unter Denkmalschutz.

Ursprünglich sollten sie dem WCCB-Erweiterungsbau geopfert werden, doch das verhinderte der damalige Landeskonservator Udo Mainzer. Immerhin stammen die Planungen für die Abgeordnetenhäuser mit insgesamt 46 Appartements aus der Feder des Architekten Egon Eiermann, dem Vater des Langen Eugen. Jetzt präsentieren sie sich außen wie innen wie neu und doch ist der Charme der alten Zeit nicht verflogen.

Denn bei der Sanierung hatte natürlich der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden. Er achtete penibel darauf, so berichtet Margit Ventulett vom städtischen Gebäudemanagement (SGB), dass die Architektur Eiermanns weiterhin sichtbar bleibt. Dass die Bemühungen gefruchtet haben, kann man etwa am am Beispiel der alten, hölzernen Briefkastenanlagen sehen, die komplett überholt wurden. Lediglich die digitale Klingelanlage zeugt von der neuen Zeit. Oder der großzügige Eingangsbereich, in dem immer noch wie damals der alte, aber neu gestrichene Rippenheizkörper als architektonisches Element ein Stück weit von der Wand abgerückt steht und wie eine Sitzgelegenheit wirkt.

Erhalten werden musste auch der Sichtbeton auf den Balkonen. Auch durften aus Gründen des Denkmalschutzes an den Fenstern keine Jalousien angebracht werden. Wer es dunkel liebt, muss mit Vorhängen klar kommen.

Die Auflagen des Denkmalschutzes, der barrierefreie Umbau von drei Appartements, die obligatorische energetische Sanierung, aber auch deutlich mehr Schadstofffunde als erwartet sorgten schließlich dafür, dass die Kosten für die Sanierung regelrecht explodierten und das ursprünglich angesetzte Budget in Höhe von 4,4 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden musste. "Dazu muss man wissen, dass die ersten Kostenannahmen auf eine Grobschätzung basierte", erklärte SGB-Chefin Marion Duisberg gestern außerdem.

Ob diese Kosten über Mieteinnahmen jemals wieder hereinzuholen sind, bleibt fraglich. Vermietet werden sollen die recht ansprechend und modern ausgestatteten Appartements mit jeweils einem Bad und einer Küchenzeile vor allem an Kongressteilnehmer. Marc Hoffmann vom Presseamt legt Wert auf die Feststellung: "Es handelt sich hier nicht um eine Luxusausstattung".

Summa summarum 560.000 Euro hätten ausgereicht, um alle Zimmer mit Möbeln sowie Küchenzeilen, aber auch Bettwäsche, Handtücher und Geschirr auszustatten. Eine Idee ist, dass die Appartements als sogenannte Boardinghäuser später einmal eventuell vom künftigen Betreiber des WCCB-Hotels bewirtschaftet werden.