WCCB-Prozess

Zeuge reist vergebens aus Südkorea an

WCCB-Spatenstich, 3. November 2006: Man-Ki Kim und Chong-Hong Cho (r.)

BONN. 9000 Kilometer ist Chong-Hong Cho aus Südkorea angereist, um am Freitagmorgen im WCCB-Prozess in den Zeugenstand zu treten. Der 69-Jährige wird als wichtiger Zeuge gehandelt, denn der Kooperation mit seinem Unternehmen verdankt die Firma des Angeklagten Man-Ki Kim nach GA-Informationen, dass sie den fürs Image so wichtigen Zusatz "Hyundai" im Namen führen durfte.

Ein Zusatz, der in Bonn schließlich zu der irrigen Annahme führte, hinter Kims Firma SMI Hyundai Corporation stehe der mächtige und potente Autokonzern Hyundai.

Doch die Vernehmung von Cho wird zum Desaster: Die Koreanisch-Dolmetscherin wird von Kim und seinem Mitangeklagten Ha-S. C. immer wieder auf falsche Übersetzungen hingewiesen, die sie auf Nachfragen auch zugeben muss. Dabei kommt es bei der Aussage des Zeugen auf jedes Wort an.

Denn als Mitgesellschafter von Kims SMI Hyundai Corporation soll Cho eine Reihe von entscheidenden Fragen beantworten, unter anderem auch nach der damaligen Finanzlage der Firma, die laut Anklage von Anfang an nicht das nötige Kapital für das Projekt WCCB hatte.

Doch immer wieder unterlaufen der Übersetzerin Fehler. Die Verteidiger beantragen, sie zu entlassen, doch die Kammer lehnt ab. Sie braucht den Zeugen und will es weiter versuchen. Am Nachmittag aber ist klar: Auf diese Übersetzung kann man sich nicht verlassen. Und die Wirtschaftsstrafkammer fragt den Zeugen, ob er bereit sei, im Januar noch einmal anzureisen.

Auch Cho hat längst erkannt, dass es immer wieder Probleme mit der Übersetzung gibt, da seine Antworten ständig überprüft werden. Und nachdem Kims Verteidiger ihm klargemacht hat, wie wichtig seine Aussage für den früheren Partner ist, willigt Cho ein, die Reise nach Bonn noch einmal zu machen.