Das Informationstechnikzentrum Bund

Zentraler Dienstleister der Bundesverwaltung

Hans-Georg Göhring, Leiter des ITZBund, steht vor dem Dienstgebäude der Bundesbehörde Am Probsthof 10.

Hans-Georg Göhring, Leiter des ITZBund, steht vor dem Dienstgebäude der Bundesbehörde Am Probsthof 10.

Bonn. „Auch von Ihnen haben wir sicherlich einige Daten gespeichert“, sagt Hans-Georg Göhring lächelnd dem GA-Reporter. Göhring, ein 64 Jahre alter Informatiker, steht seit Januar dem neu gegründeten Informationstechnikzentrum Bund, kurz ITZBund, vor.

Entstanden aus der Bundesstelle für Informationstechnik (BIT), der Bundesanstalt für IT-Dienstleistungen und dem Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT) haben sich die IT-Dienstleister aus Innen-, Verkehrs- und Finanzministerium zu der neuen Behörde zusammengeschlossen und treten jetzt als Bundesrechenzentrum auf.

Das Ziel ist, ein breites Portfolio von IT-Lösungen aus einer Hand bereitzustellen. „Egal ob Sie ein Auto anmelden oder einkommensteuerpflichtig sind: Die entsprechenden IT-Verfahren dazu werden von uns teilweise selbst entwickelt und anschließend bereitgestellt und gepflegt“, erläutert der Behördenchef, der bis Ende vergangenen Jahres der größten Vorgängerbehörde vorstand – dem ZIVIT, das seinen Sitz ebenfalls in Bonn hatte.

Was sind die Hauptaufgaben des ITZBund?

Es soll als zentraler Dienstleister für die IT der Bundesverwaltung dienen. „Das reicht von der Steuer-Identifikationsnummer bis zum Bafög“, so Göhring. Verkehr, Zoll, Haushalt, Steuer, Personal, Statistik, Asyl, Innere Sicherheit, Integration und vieles mehr: In all diesen Bereichen erbringt die neue Behörde mit ihren 2400 Mitarbeitern an bundesweit zwölf Standorten IT-Dienstleistungen für die Bundesverwaltung, aber auch für die Wirtschaft, die Bundesländer und die Bürger. Das ITZBund gehört damit zu den größten IT-Dienstleistern in Deutschland.

Warum und für wen ist diese Arbeit wichtig?

„Egal, ob Sie im Internet den aktuellen Pegelstand des Rheins recherchieren, in der Kneipe an der Ecke ein Bier bestellen oder Bezieher von Bafög sind: Auf die eine oder andere Weise haben Sie dabei immer indirekt auch mit uns zu tun“, erläutert Göhring die beeindruckende Bandbreite der Arbeit seiner Behörde. Für den Bürger stellen die Bundes-ITler zum Beispiel auch Informationsportale zu den Themen Steuern, Reiseverkehr, Artenschutz oder eben Hochwasserinformationen über das Portal Pegelonline bereit.

Dazu kommt mit der Zollauktion das virtuelle Auktionshaus von Bund, Ländern und Gemeinden. Die Wirtschaft nutzt die zentrale Vergabeplattform des Bundes oder die elektronische Lohnsteuerkarte und der Bund die elektronische Abwicklung des Bundeshaushalts. Außerdem unterstützt man etwa die Zollabfertigung oder die Finanzkontrolle gegen Schwarzarbeit mit IT-Lösungen, und auch die Bezügezahlungen für die rund 330 000 Bundesbediensteten werden von der neuen Behörde abgewickelt. Dabei achtet man nach Angaben Göhrings ganz besonders auf Datenschutz und Informationssicherheit.

Wo liegt der Schwerpunkt der Arbeit im Moment?

„Wir arbeiten derzeit unter anderem am Aufbau einer gemeinsamen elektronischen Akte, an einer Archivierungs- und Kollaborationsplattform, an standardisierten IT-Betriebsdiensten und einer Konsolidierung der Personalverwaltungssysteme“, so der Chefinformatiker. In den nächsten Jahren sollen weitere Rechenzentren von mehr als 100 Behörden in das ITZBund integriert werden. Eine der größten Aufgaben ist der Aufbau und Betrieb einer Bundes-Cloud. „Mit ihr werden wir sichere, standardisierte und skalierbare Lösungen generieren und allen Ressorts zur Verfügung stellen.“ IT müsse transparent sein und reibungslos funktionieren wie Strom aus der Steckdose.

Warum ist das ITZBund in Bonn?

Das ZIVIT als größte der drei Vorgängerbehörden hatte seinen Hauptsitz in Bonn. „Infrastruktur, Personal und Rechenzentren waren somit vorhanden“, so Göhring. Der Standort sei also sicher. Außerdem freue man sich über den großen Pool an qualifizierten Fachkräften. „Allein in der Region Köln/ Bonn ist die Zahl der Beschäftigten in den letzten Jahren um rund 50 Prozent gewachsen.“ Dazu kämen allein in der Region im Schnitt 100 bis 150 Personen von externen Firmen, die das ITZBund insbesondere in der Projektarbeit unterstützen. Mit dem Studiengang Verwaltungsinformatik reagiere das ITZBund auf den Fachkräftemangel und bilde mit der Hochschule des Bundes in Brühl Nachwuchskräfte aus.