Businessplan Beethoven Festspielhaus

Zehn Millionen im Jahr für das Festspielhaus

BONN. Ein Businessplan sollte als Grundlage des Projektes erstellt werden. Jetzt stellte die beauftragte Firma das Ergebnis vor: Demnach wäre das Festspielhaus nur mit einem Budget von rund zehn Millionen Euro im Jahr ohne Defizit zu betreiben.

Die Sitzung - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Thema - brisant. Die auf die Kulturbranche spezialisierten Berater der Firma actori stellten der Kulturkommission, in der Stadtverwaltung und Rat sitzen, am Donnerstagabend ihre Prüfungsergebnisse zum Festspielhaus-Businessplan vor. Der war als Grundlage des Projektes im Auftrag der Deutschen Post DHL Group von der Firma Metrum erstellt worden. Laut Metrum wäre das Festspielhaus mit einem Budget von rund zehn Millionen Euro im Jahr ohne Defizit zu betreiben.

Das bezweifelt actori jedoch. Die Münchner Berater, auf Ratsbeschluss beauftragt, rechnen mit einem Defizit von rund 2 Millionen Euro im Jahr. Im "Worst-Case"-Szenario könne es im Jahr 2030 sogar bei 5,5 Millionen Euro liegen, erfuhren die Kommissionsmitglieder. Die Prüfer haben zum Vergleich Daten von zehn Festivals und 14 Veranstaltungs- und Konzertsälen ausgewertet. Bei den Festivals bildeten sie anhand von Größe und Budgets drei Gruppen und maßen das Festspielhaus im "Cluster 2" am Bonner Beethovenfest, den Dresdner Musikfestspielen und dem Rheingau Musik Festival. Das Konzept, im neuen Konzerthaus zwei zusätzliche Beethoven-Festivals (Ostern und vor Weihnachten) zu spielen, bewerten sie positiv: das sei gut fürs Profil und die Sponsorensuche. In etlichen Details ist actori aber vorsichtiger als Metrum.

Potenzial: Die von Metrum erwarteten 181.000 Besuche pro Jahr könnten "nicht ausgeschlossen werden", schreiben die Prüfer. "Die Realisierung ist rechnerisch möglich, stellt aber eine Herausforderung dar." Rund 14.500 Besuche müsse man dabei anderen Häusern abspenstig machen, etwa der Kölner Philharmonie.

Erlöse Eintrittskarten: Mit einem Durchschnittspreis von 56 Euro zu optimistisch kalkuliert, so actori. Im "Cluster 2"-Vergleich seien 45 Euro realistischer. Die Einnahmeprognose fällt damit um 710.000 auf 3,28 Millionen Euro jährlich.

Personalkosten: Die Planung mit 27 Vollzeitkräften halten die Gutachter für valide, glauben aber, dass die Personalkosten um rund 180.000 Euro zu niedrig angesetzt sind. Ein Fragezeichen sehen sie außerdem bei den erhofften Synergieeffekten zwischen Festspielhaus und der Internationale Beethovenfeste gGmbH durch gemeinsame Organisationseinheiten. Statt 500.000 Euro erwarten sie nur etwa 148.000 Euro jährlich.

[kein Linktext vorhanden]Abhängigkeit von Sponsoren: Die geplanten Sponsoringeinnahmen von 2,3 Millionen Euro im Jahr sind laut actori zwar "überdurchschnittlich hoch", aber mit "ambitionierter Sponsoringarbeit" erreichbar. Ein Risiko sei, dass der Festspielhausbetrieb zunächst von einem einzigen Großsponsor abhängig sei - der Deutschen Telekom. Die hat von 2020 bis 2024 jährlich 1,5 Millionen Euro zugesagt, allerdings als Gesamtbetrag ihres Beethoven-Engagements in Bonn: bisher sponsort sie das Beethovenfest und die Beethoven-Competition.

Instandhaltungskosten: Die seien in den ersten Jahren zu niedrig kalkuliert. Üblich ist, dafür jährlich 1,5 Prozent der Baukosten anzusetzen. Metrum geht von 70 Millionen Euro aus, die von der Post als reine Baukosten genannt werden (ohne Innenausstattung, die weitere 15 Millionen Euro kosten soll). Davon 1,5 Prozent sind 1,05 Millionen Euro, die Metrum in den ersten fünf Jahren jedoch auf 500 000 Euro reduziert hat. Argument: Da gelte ja noch die Gewährleistung der Firmen. "Nicht nachvollziehbar", kontert actori: Die Prozentregel beziehe sich auf den Mittelwert eines langjährigen Zeitraums. Sprich: Am Anfang geht weniger kaputt, später dafür mehr. Actori rechnet deshalb vom Start weg mit 1,05 Millionen Euro. Eine auskömmliche Instandhaltungsrücklage ist für Bonn wichtig, weil Grundstück und Festspielhaus nach 30 Jahren an die Stadt fallen sollen.

Chronologie des Projektes

Ausdrücklich weist actori darauf hin, dass in der Defizitprognose einige Risiken unberücksichtigt seien: Neben Kannibalisierungseffekten mit anderen Bonner Kulturangeboten nennen die Prüfer höhere Instandhaltungskosten durch eine eventuell steigende Bausumme und das ehrgeizige Renditeziel für das Kapital der Betreiberstiftung. Metrum kalkuliert mit Erträgen von drei Prozent, die derzeit nur risikobereite Anleger erzielen. Stiftungskapital darf aber nicht aufgezehrt werden.