Neue App, ÖPNV, Fahrradmietsystem & Co

Zehn Maßnahmen sollen in Bonn für bessere Luft sorgen

Auch die Radwege am Rheinufer sollen in das angestrebte Radwegeschnellnetz eingebunden werden.

Auch die Radwege am Rheinufer sollen in das angestrebte Radwegeschnellnetz eingebunden werden.

Bonn/BERLIN. Die Stadt Bonn hat ihren Vorschlag für einen Maßnahmen-Katalog zur Luftreinhaltung vorgestellt. Im Fokus: ÖPNV, Bahnverkehr und Angebote für Fahrradfahrer.

Derweil zeigte sich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin überzeugt davon, dass Deutschland die Schadstoffbelastungen in den Großstädten bereits in absehbarer Zeit in den Griff bekommen wird.

Bekanntlich ist Bonn von der Bundesregierung als eine von fünf Modellstädten auserkoren worden, in denen – finanziert vom Bund – Maßnahmen zur Verbesserung der Luftreinhaltung geprüft werden sollen. Wie am Montag berichtet, hatte die Stadt zunächst fünf Dutzend Vorschläge vorgelegt. Nun setzt die Stadt erst einmal auf eine Stärkung von Bus, Bahn und Fahrrad.

Zwei Kriterien waren nach Angaben der Verwaltung bei der Priorisierung maßgeblich: Welche Wirkung wird für die Luftqualität erwartet? Und: Wie schnell kann ein Projekt umgesetzt werden? Darüber hinaus verspreche man sich von der Ausrichtung der Liste neben besserer Luft auch weitere positive Effekte auf die innerstädtische Mobilität, so die Verwaltung.

Die Vorschläge, die jetzt oben auf der Liste stehen (siehe Infobox „Diese zehn Maßnahmen favorisiert die Stadt“), umfassen unter anderem innovative Tarifangebote wie kostenlosen ÖPNV für Menschen ab 65 oder für alle am Wochenende. Weiterhin geht es um die Verbesserung des Angebots auf den Schienen und bei zahlreichen Buslinien. Zum Thema Radverkehr stehen Radschnellwege, Bike&Ride-Anlagen und ein erweitertes Fahrradmietsystem zur Diskussion.

Das Bundesumweltministerium hatte alle fünf Modellstädte darum gebeten, aus der Vielzahl der Vorschläge, die Mitte März eingereicht worden waren, maximal zehn auszuwählen, die in erster Linie verfolgt werden sollten. Spannend bleibt nun die Frage, wie die anstehende Auswertung der Bundesregierung auf die verschlankte Vorschlagsliste ausfällt und welchen Umfang die in Aussicht gestellte Finanzierung aus dem Bundeshaushalt haben wird.

Bundeszuschüsse als Investition in die Zukunft

Konkrete Angaben dazu machte zwar auch der Bundesverkehrsminister nicht, als er jetzt in seinem Ministerium mit Journalisten aus ganz Deutschland zusammentraf. Dass man sich von den Modellstädten und den dortigen Innovationen aber eine Test- und idealerweise Vorbildfunktion für viele andere deutsche Städte erhoffe, ließ der Minister außer Zweifel. Entsprechend, so ist aus seinem Haus zu hören, verstehe man die Bundeszuschüsse auch als Investition in die Zukunft.

Ginge es allein nach Andreas Scheuer, so müssten sich die Bonner übrigens wegen drohender Fahrverbote auf Reuter- oder Bornheimer Straße nicht sorgen. Mittelfristig werde sich das Problem der Grenzwertüberschreitungen erledigen. In einer aktuellen Aufstellung der deutschen Städte mit Grenzwertüberschreitungen liegt Bonn (mit 48 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter) im Mittelfeld. Um einige Städte müsse man sich stärker kümmern, sagte Scheuer und nannte Beispiele; Bonn war nicht darunter.

„Bis 2020 werden alle Städte die vorgeschriebenen Werte einhalten“, sagte Scheuer, der Minister, der Fahrverboten und blauen Plaketten abermals eine grundsätzliche Absage erteilte: „Ich will keine Verbote und keine Klebevorgänge an Windschutzscheiben“, so der CSU-Politiker. Positive Wirkungen – auch für Innenstädte, durch die Bundesstraßen führen – erhofft er sich ab 2019 nicht zuletzt von der beschlossenen Befreiung von der Lkw-Maut für Elektrolaster.