Prüfung im Botanischen Garten

Zehn Floristinnen erhalten ihr Abschlusszeugnis

Das macht Appetit. Mit diesem Büffet-Schmuck für ein mediterranes Essen legte Jungfloristin Nina Vogler ihre Prüfung "Kalten Gewächshaus" im Botanischen Garten ab.

BONN. "Es klingt doof, aber es war wirklich ein Kindheitstraum von mir", sagt Nina Vogler und lacht. "Ich wollte immer Floristin werden - und jetzt bin ich es." Mit neun weiteren Auszubildenden aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis erhielt sie im "Kalten Gewächshaus" des Botanischen Gartens ihr IHK-Zeugnis.

Zuvor hatten die jungen Frauen den Prüfern stundenlang ihr praktisches Können bewiesen. Es wurde geschnitten, umwickelt, gesteckt und bepflanzt, bis jede ihre drei vorgeschriebenen Schaustücke fertig hatte. Nina Vogler war erleichtert, dass ihr die Prüfungsaufgabe so gut von der Hand ging: "Mein Auftrag hieß, einen Büffetschmuck für ein mediterranes Sommernachts-Essen herzustellen. Vier Wochen lang durfte ich mir dazu Gedanken machen und Material organisieren - das hier ist das Ergebnis." Artischocken, Lavendel, Rosmarin, Kornblumen und Rittersporn aus dem Mittelmeerraum zieren ihr Gesteck, das filigrane Zäunchen aus Ästen erinnert an eine Strand-Begrenzung.

Wer Florist werden will, sollte unbedingt kreativ sein und Spaß daran haben, sich mit Farben und Formen auseinanderzusetzen. Aber er muss auch gut schreiben und rechnen können - um Aufträge zu notieren und die Kosten für einen Strauß zusammenzubringen", fasste IHK-Prüferin Beate Buchner die Berufsanforderungen zusammen. Verlangt wird außerdem die Bereitschaft, zu Einzelhandelszeiten zu arbeiten und an Feiertagen, am Muttertag oder zur Weihnachtszeit Extraschichten einzulegen.

Das ist ein Grund dafür, dass es in diesem Jahr nur zehn frischgebackene Floristinnen gibt. "Wir haben rückläufige Zahlen, und das ist leider ein bundesweiter Trend", erklärte Clemens Schillmöller von der Bezirksstelle Bonn-Rhein-Sieg des Fachverbands Deutscher Floristen. "Zum einen sind die Bewerber oft ungenügend qualifiziert, zum anderen bilden immer weniger Betriebe aus. Blumengeschäfte haben es schwer, weil inzwischen jeder Supermarkt und jede Tankstelle Sträuße verkauft." "Irgendwie sterben wir langsam aus. Dabei ist der Beruf so wunderbar", ergänzte Andrea Spilles: "Jeder Arbeitstag sieht anders aus, allein schon, weil die Natur uns alle 14 Tage andere Pflanzen bietet. Vom Wechsel der Jahreszeiten ganz zu schweigen." Die Inhaberin eines Meckenheimer Blumenladens hatte ihre Auszubildende Nadine Poremba zur Prüfung begleitet und freute sich über deren gutes Ergebnis. "Zum Glück bleibt sie uns auch in Zukunft als Angestellte erhalten."

Beim Blick auf die ausgestellten Gestecke, Kränze und Sträuße waren die Fantasie, Kreativität und das Fingerspitzengefühl zu erkennen, mit dem die Prüflinge zu Werke gegangen sind. Sogar ein bepflanzter Motor-Roller stand dazwischen: Sein Sattel mit Rinde verkleidet, auf der sich Wandelröschen, Verbenen, Coreopsis und die "Schwarzäugige Susanne" ein sommerliches Stelldichein gaben. Aus der Lenkertasche lugten statt Motorradhandschuhen solche für den Gärtnerbedarf. Wie kommt man bloß auf so etwas? Neu-Floristin Anna Belyakov musste schmunzeln. "Ich weiß auch nicht - der stand bei mir in der Garage und hat mich inspiriert."