Zentralkomitee der deutschen Katholiken

ZdK-Spitze für Umzug von Bonn nach Berlin

Bonn. Das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken schlägt auf der Vollversammlung den Umzug des Generalsekretariats nach Berlin vor. Dadurch will man näher an der Politik sein.

Das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) mit Sitz in Friesdorf empfiehlt den Umzug seines Generalsekretariats nach Berlin. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die Vollversammlung am kommenden Wochenende in der Bad Godesberger Stadthalle hervor, die dem GA vorliegt. Von einem Umzug betroffen wären rund 30 Mitarbeiter. Doch den Spitzen der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD), der rund 125 katholische Verbände, Institutionen und Initiativen angehören, geht das Ganze offensichtlich zu schnell. Sie fordern in einem Schreiben an das ZdK-Präsidium, den Beratungsprozess „ergebnisoffen“ zu beginnen und erst im nächsten Jahr einen Beschluss zu fassen.

Seit dem Beschluss von 1991 für den Umzug von Parlament und Teilen der Regierung an die Spree wird auch in dem katholischen Laiengremium immer wieder über einen Wechsel in die Hauptstadt nachgedacht. Erst 2017 hatte die Vollversammlung des ZdK festgestellt, „eine Stärkung der Präsenz des ZdK in Berlin“ sei notwendig. Jetzt sollen anscheinend Nägel mit Köpfen gemacht werden. Ausschlaggebend sei nicht zuletzt das vorzeitige Ausscheiden von Generalsekretär Stefan Vesper (62) im nächsten Jahr sowie die starke Renovierungsbedürftigkeit der ZdK-Liegenschaften an der Hochkreuzallee, heißt es in dem Papier.

„Die Nähe zum politischen Geschehen und Gestalten ist für eine Organisation mit vorwiegend politisch-gesellschaftlichen Aufgaben von zentraler Bedeutung“, so das ZdK-Präsidium. Inzwischen seien nicht nur Parlament und Regierung nach Berlin gezogen, sondern auch der Bundesrat und die Entscheidungsstellen aller Ministerien. Auch für das ZdK wichtige gesellschaftliche und vor allem katholische Verbände und Organisationen hätten ihren Sitz an die Spree verlegt oder seien dort zumindest mit Kontaktstellen vertreten. Zwar hatte auch das ZdK einige Jahre lang eine Außenstelle in Berlin. Die wurde jedoch aus Kostengründen 2004 wieder geschlossen. Mit einem Umzug verspricht sich das Präsidium auch eine größere mediale Öffentlichkeit. Auch ergäben sich in Berlin „leichter Gelegenheiten für Anschlusstermine als im inzwischen abgelegenen Bonn“. Berlin sei zudem nach Köln und München die drittgrößte „katholische Stadt“ Deutschlands mit mehr als 300.000 Katholiken.

Für die Beibehaltung des Sitzes in Bonn sprächen die Konzentration der internationalen Organisationen des sogenannten Eine-Welt-Bereichs, der UN-Sitz und die katholisch stark geprägte Region. Unterm Strich sei man aber zur Überzeugung gekommen, dass der Umzug der richtige Schritt sei. Mit Blick auf die Mitarbeiter keine leichte Entscheidung, aber sie sollen im Falle eines Umzugs attraktive Umzugs- und oder Wechselmöglichkeiten im Bonner Raum erhalten. Nähere Details nennt das Papier nicht.

Auf GA-Nachfrage beim Präsidium des ZdK gibt man sich verhalten. „Es handelt sich um eine hochdifferenzierte Angelegenheit“, sagte ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius. Zum Papier wollte er sich mit Verweis auf die Versammlung nicht öffentlich äußern. „Wir warten die Beratung der Vollversammlung ab.“ Die Frage, ob es bereits konkrete Überlegungen für den Standort in Berlin und eine Kostenschätzung gebe, konnte er nicht beantworten.

Die Vorlage für die Versammlung ist da konkreter: Die Rede ist von einer Möglichkeit, in Berlin-Mitte ein Haus des ZdK und der Verbände zu errichten. Dazu biete sich ein Grundstück nahe der Friedrichstraße an, das einer katholischen Organisation gehört. Die Mietkosten könnten durch Erbpachteinnahmen aus der Abgabe der Bonner Liegenschaft aufgebracht werden. Das Bauprojekt in Berlin könne bis Ende 2021/Anfang 2022 verwirklicht werden.

Mitglied des sechsköpfigen Präsidiums ist neben Präsident Thomas Sternberg (Münster) auch die ehemalige Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel. Als Bonner MdB habe sie sich stets gegen einen Umzug ausgesprochen, sagte sie dem GA am Wochenende. Sie könne nachvollziehen, dass das ZdK eine stärkere Präsenz in Berlin zeigen müsse. „Ich frage mich aber, ob man nicht eine andere Regelung finden könnte als einen Komplettumzug.“

In Bonn an der Kaiserstraße befindet sich das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Auf Nachfrage, ob man sich ebenfalls mit einem Umzug nach Berlin befasse, hieß es von der Pressestelle: „Das Thema steht für die Deutsche Bischofskonferenz nicht an.“