Kriminalstatistik

Zahl der Straftaten in Bonn und der Region auf Rekordtief

Bonn/RHEIN-SIEG-KREIS. Die Zahl der Straftaten in Bonn und der Region ist gesunken. Das ist das Ergebnis der aktuellen Kriminalstatistik. Zwar sank die Zahl der Wohnungseinbrüche. Die Zahl der Sexualdelikte nahm aber zu. Immer mehr Polizisten werden zudem Opfer von Gewalt.

Die Bonner Polizei kann im Kampf gegen Kriminalität weitere Erfolge vorweisen. So sank in ihrem Verantwortungsbereich im vergangenen Jahr sowohl die Gesamtzahl der registrierten Straftaten als auch die Zahl der Delikte, die von der Bevölkerung als besonders bedrohlich wahrgenommen werden. Beispielsweise ging die Zahl der Wohnungseinbrüche von 2016 auf 2017 um 414 Fälle oder 22,8 Prozent zurück und lag im vergangenen Jahr bei 1401 Einbrüchen. In der Gesamttendenz entspricht die Kriminalitätsentwicklung dem Trend auf Landesebene.

Wie für NRW wurde am Mittwoch auch für Bonn und die Region die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2017 veröffentlicht. „Bonn und die Region sind erneut sicherer geworden“, konstatierte denn auch Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa. Der Aufgabenbereich der von ihr geleiteten Behörde umfasst neben dem Bonner Stadtgebiet auch einen Großteil des Rhein-Sieg-Kreises. Bestätigt sieht sich die Polizei nicht nur von den statistischen Werten. Als erfolgreich bewertet sie weiterhin ihre Strategie der Präsenz und Intervention in Brennpunkten wie Tannenbusch und Bad Godesberg. Gerade im südlichen Stadtbezirk Bonns kann die Polizei auf deutlich sinkende Fallzahlen verweisen. Die wesentlichen Aspekte im Einzelnen:

Straftaten: 40.839 Delikte verzeichnete die Polizei 2016 in Bonn, Bad Honnef, Königswinter und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Das sind 5431 Fälle oder 11,7 Prozent weniger als 2016 – und bedeutet den niedrigsten Stand seit 21 Jahren. Starke Rückgänge gab es neben den Wohnungseinbrüchen bei Diebstählen, Leistungserschleichung und Leistungsbetrug. Die Aufklärungsquote liegt bezogen auf sämtliche erfassten Straftaten bei 47,6 Prozent und damit leicht oberhalb des Mittelwerts der vergangenen zehn Jahre (46 Prozent). Im Umkehrschluss bedeutet das: Mehr als die Hälfte aller Kriminalfälle bleibt weiterhin unaufgeklärt.

Tatverdächtige: Im Jahr 2017 wurden mit 14 305 Tatverdächtigen 904 (5,9 Prozent) weniger erfasst als im Vorjahr. Ein Fünftel der Verdächtigen ist minderjährig. Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen – also Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit – fiel im Jahr 2017 von 5239 auf 4740, ihr Anteil sank damit leicht von 34,3 Prozent auf nahezu ein Drittel (33,1 Prozent) aller Tatverdächtigen. Besonders stark repräsentiert waren ausländische Tatverdächtige laut Polizei etwa beim Wohnungseinbruch (51,4 Prozent der Verdächtigen) sowie beim Ladendiebstahl (46,3 Prozent) und bei den Raubdelikten mit 39,4 Prozent. Asylbewerber waren als Verdächtige ebenfalls beim Ladendiebstahl (23,7 Prozent) und bei Raubdelikten (12,4 Prozent) auffällig häufig vertreten.

Einbrüche: 414 Einbrüche weniger als 2016 bedeute, „dass in den vergangenen vier Jahren die Fallzahlen nahezu halbiert wurden“, unterstrich Ursula Brohl-Sowa bei der Präsentation der Zahlen. Zuletzt registrierte die Behörde 1401 Fälle. „Diese Entwicklung ist eine Bestätigung unserer Strategie“, ist die Polizeipräsidentin überzeugt. Neben Präsenz, Kontrollen, qualifizierter Spurensicherung und zentralen Ermittlungen trage auch die Präventionsarbeit dazu bei, dass die Einbrecher in jedem zweiten Fall an gut gesicherten Fenstern oder Türen sowie wachsamen Nachbarn scheiterten. Denn: Mit einem Wert von 53,2 Prozent erreichte der Anteil der Versuche einen neuen Höchststand. Das bedeutet: Jeder zweite Einbruch ist 2016 gescheitert. Allerdings fiel auch die Aufklärungsquote – und zwar auf 9,9 Prozent. Demnach konnte im vergangenen Jahr nur jeder zehnte Einbruch aufgeklärt werden. Die Polizeipräsidentin ist jedoch zuversichtlich, diesen unterdurchschnittlichen Wert in einem Jahr korrigieren zu können. Einen Grund liefert etwa jener 34-jährige Mann, der am 16. Januar in Beuel festgenommen wurde. Offenbar können ihm 205 Wohnungseinbrüche zugeordnet werden. Monatelang war ihm die „Ermittlungsgruppe Scheibe“ auf den Fersen. Brohl-Sowa: „Schon jetzt steht fest, dass die geklärten Taten, die vorwiegend 2017 begangen wurden, die Aufklärungsquote für 2018 stark positiv beeinflussen werden.“

Kapitalverbrechen: Fünf Menschen kamen 2017 in Bonn durch Straftaten zu Tode, in fünf anderen Fällen blieb die Tötung im Versuch stecken. Hinzu kommt laut Polizei ein unerlaubter Schwangerschaftsabbruch. Die Aufklärungsquote liegt bei 100 Prozent.

Sexualdelikte: Hier bewirkt unter anderem der neue Straftatbestand des „sexuellen Übergriffs“ eine Steigerung. Insgesamt wurden im vorigen Jahr 419 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst, davon 98 Fälle der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung (2016: 79 Fälle). Die Aufklärungsquote liegt, bezogen auf alle Sexualdelikte, bei 70,6 Prozent.