Führung durch Auerberg

Wohnungen statt Weinbau und Windmühlen

Constanze Falke (rechts) von der Werkstatt Baukultur erläutert den Teilnehmern der Führung in Auerbergs neuer Mitte die Entwicklung des Ortsteils. FOTO: STEFAN KNOPP

Constanze Falke (rechts) von der Werkstatt Baukultur erläutert den Teilnehmern der Führung in Auerbergs neuer Mitte die Entwicklung des Ortsteils.

AUERBERG. Bei einer Führung der Werkstatt Baukultur lernen die Teilnehmer Architektur und Geschichte Auerbergs kennen.

Constanze Falke stellte fest: "Alle 30 Meter gibt es hier unterschiedliche Baustile." Sie gehört der "Werkstatt Baukultur" an, einer Kulturgruppe am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn, die Führungen anbietet. Dass sich eine solche auch in Auerberg lohnt, zeigte sie am Samstag.

Die Teilnehmer des Rundgangs erhielten zunächst einen groben Abriss zur Geschichte des Auerbergs. Der Name leite sich ab von den Gemarkungsbezeichnungen "Op de Berch" und "Auf de Aue", sagte Falke. Die Besiedelung der Fläche im Bonner Norden begann mit der Entstehung eines Siechenhauses und einer Lazaruskapelle, laut der Führerin im 14. Jahrhundert.

Heute stehen an diesen Stellen das Collegium Josephinum und die Kirche des Redemptoristenklosters. Im 18. Jahrhundert entstand auch der heutige Bonner Nordfriedhof, etwa an der Stelle, wo bis 1777 die Hinrichtungsstelle Bonns war - der Galgenpfad erinnert heute noch daran.

Erst Felder, dann Weinbau, jetzt die Autobahn

"Der Auerberg war immer von Bonn getrennt", sagte Falke. Erst seien Felder dazwischen gewesen, bis ins 19. Jahrhundert auch Weinanbau, dann kam die Autobahn. Auch viele Windmühlen hätten dort gestanden, der "Müllestumpe" ist das letzte Überbleibsel. Baulich spannend wurde es in den 1960er Jahren. "1966 wurde der Auerberg ein Bonner Stadtteil." Zwischen 1962 und 1967 tat sich einiges: Der Sportpark Nord und die A 565 wurden gebaut.

"1963 gab es bei der Stadt Bonn die Planung, durchgehend 18-geschossig zu bauen", sagte Falke. "Das ist aber am Protest der Bonner Bürger gescheitert, die hier damals lebten." Stattdessen entstanden unterschiedliche Mehrfamilienhäuser und Wohnblöcke. Man benannte die Straßen nach europäischen Städten. Gleichzeitig wurde von Westen und Süden aus gebaut, eine Entwicklung, die laut Falke mit dem Bau der "Auerberger Mitte" jetzt erst abgeschlossen ist.

So kamen sehr unterschiedliche Baustile zusammen. Die ungewöhnlichsten Bauen stammen von Architekt Uwe Schröder: Die "Prager Höfe" - so genannt, weil sie an der Prager Straße liegen - sind Passivhäuser in einem Komplex mit Innenhöfen und verschiebbaren Holzlamellen vor den Fenstern. Auch die würfelartigen "Single-Häuser" hat Schröder entworfen. Gegenüber dem Sportpark Nord befinden sich die "Bonner Sieben", sieben mehrgeschossige weiße Wohnhäuser, die seit einigen Monaten fertiggestellt sind, aber noch nicht komplett belegt sind.

Und neben der Auerberger Mitte entsteht derzeit der jüngste Wohnkomplex mit Geschäften im Erdgeschoss. Dort soll auch die Stadtteilbibliothek unterkommen. In der Auerberger Mitte soll außerdem eine Einrichtung des Jugendamtes unterkommen, Da die derzeitige Wohnentwicklung viele Familien nach Auerberg ziehen werde, meinte Falke, sei eine Stadtteilbibliothek wünschenswert.