OB-Kandidaten beziehen Stellung

Wohnungen für 30.000 Neubürger

Wohngebäude

Die OB-Kandidaten diskutierten am Dienstagabend unter anderem über Wohnraum. (Symbolfoto)

BONN. Bonn wächst und wächst. Bis 2030 prognostizieren Fachleute 30.000 Neubürger. Doch wo sollen sie wohnen? Wie sollen sie bezahlbaren Wohnraum finden? Wie sollen die benötigten 10.000 Wohnungen gebaut werden?

Mehr oder weniger strenge Quoten für den sozialen Wohnungsbau, eine konsequentere Umsetzung der politischen Vorgaben durch die Stadtverwaltung und die Verdichtung der Wohnbebauung waren einige der Antworten, die die drei Oberbürgermeister-Kandidaten Ashok-Alexander Sridharan (CDU), Peter Ruhenstroth-Bauer (SPD) und Tom Schmidt (Grüne) am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion gaben. Eingeladen ins Haus Mondial hatte sie ein Bündnis aus Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, DGB und Mieterbund.

Schmidt: Es gibt heute schon ein Potenzial von 6000 Wohnungen

"Wie haben Sie es als OB 2030 geschafft, die 10.000 benötigten Wohnungen zu bauen?", fragte Moderator und Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher. Tom Schmidt verwies darauf, dass es schon jetzt in Bonn ein Potenzial von 6000 Wohnungen gebe, dieses aber von der Stadtverwaltung nicht konsequent genutzt werde.

"Es wird viel zu oft abgewartet, ob sich ein Investor meldet", so Schmidt, der als OB in seiner Verwaltung aktiv werden würde, auch beispielsweise durch die Zusammenlegung von Umwelt- und Planungsdezernat. "Die Ämter müssen viel mehr als bislang an einem Strang ziehen." Auch müsse die städtische Wohnungsbaugesellschaft Vebowag deutlich stärker als Partner der Stadt gesehen werden, denn sie baue die dringend benötigten Sozialwohnungen.

Einig waren sich die drei OB-Kandidaten vor allem in dem Punkt, dass Bonn über die Stadtgrenze hinweg planen müsse. "Wir brauchen eine regionale Zusammenarbeit auch bei der Wohnungspolitik", forderte Sridharan. Aber auch im Stadtgebiet sei noch vieles möglich.

So will er als OB ungenutzte Flächen für Wohnbebauung freigeben. Dabei sei es wichtig, frühzeitig mit den betroffenen Bürgern zu reden. "Dann erst kann die Stadt die Grundstücke vermarkten" - wobei die Stadtverwaltung Quoten für öffentlich geförderte Wohnungen vorgeben und Investoren gezielt aussuchen müsse.

Sridharan: Investoren gezielt aussuchen

Mehr Transparenz und Offenheit sowie ein reger frühzeitiger Austausch mit den Anwohnern - das hält auch Ruhenstroth-Bauer für den richten Weg. Der erste Schritt seines "Masterplans 10.000 Wohnungen" sei es nämlich, an runden Tischen mit Bürgern und Investoren gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Erst dann könne man die vielfältigen Instrumente der Wohnungsbaupolitik einsetzen.

Dabei kam ein ganzes Bündel an möglichen Maßnahmen zur Sprache: angefangen von der Überwachung und Einhaltung der Zweckentfremdungssatzung, wofür die Verwaltung aber mehr Personal brauche, wie Ruhenstroth-Bauer meinte, bis hin zur 30-Prozent-Quote für Sozialwohnungen, die der Stadtrat beschlossen hat und die in ihrer Vorgabe offensichtlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein scheint, wie sich auf dem Podium andeutete.

Ruhenstroth-Bauer: Bürger und Investoren an einen Tisch

Einigkeit herrschte hingegen bei der Frage eines Zuhörers, ob zu viel sozialer Wohnungsbau den städtischen Haushalt nicht über Gebühr belaste. Denn schließlich wendet die Stadt Bonn für die Kosten der Unterkunft (KdU) für Hartz-IV-Empfänger mittlerweile rund 70 Millionen Euro im Jahr auf. In einer sozialen Stadt müsse man füreinander da sein, brachte es Sridharan klar zum Ausdruck. Klar ist aber auch: Bleibt das Wohnungsangebot knapp, steigen die Mieten und somit auch die KdU.