Hausbesetzung in Bonn

Wohnung im Viktoriakarree nach wie vor besetzt

Bonn. Rund 50 Demonstranten protestieren am Viktoriakarree für die Freigabe des leerstehenden Gebäudes als Wohnraum. Die Polizei hat die Eingänge zu dem Gebäude an der Rathausgasse abgesperrt. Ob geräumt wird, ist zurzeit noch unklar.

Der Streit um das Viktoriakarree hat sich zugespitzt: Seit Dienstagnachmittag halten zwei Aktivisten ein leerstehendes Haus an der Rathausgasse 16 besetzt. Etwa 40 Mitglieder der Kampagne für ein libertäres Zentrum in Bonn (LIZ) demonstrieren immer noch in der Innenstadt gegen den Leerstand von Wohnungen im Viktoriakarree. Vor dem Gebäude stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei, die sowohl den Eingang von der Rathausgasse als auch den Hintereingang von der Franziskanerstraße aus abgesperrt hat.

Ob die Wohnung heute geräumt wird, ist nach wie vor unklar. Die Polizei hält sich dazu bedeckt.

Einer der Sprecher der LIZ-Kampagne, ein 24-jähriger Student, der mit „Peter Zeisig“ angesprochen werden will, erklärte, mit dieser Aktion wolle man gegen die „aggressive Leerstandspolitik“ der Signa-Holding demonstrieren. Teilweise stünden die Wohnungen seit drei Jahren leer, sie sollen umgehend für Studenten, Flüchtlinge und einkommensschwache Familien zur Verfügung gestellt werden, forderte er.

Er kündigte an, LIZ wolle weitere, seit Jahren leerstehende Wohnungen in Bonn besetzen, um auf die Wohnungsnot für diese Klientel aufmerksam zu machen. „Wir wissen, dass das Hausfriedensbruch ist, aber nur so können wir ein sichtbares Zeichen gegen die Verdrängungspolitik von Menschen durch rein profitorientierte Unternehmen setzen“, sagte der Sprecher.

Ein Sprecher von Signa hat auf GA-Nachfrage mitgeteilt, dass Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet worden sein soll.

Zur Rettung des benachbarten Szenelokals „Blow up“, dem Signa zum 30. Juni gekündigt hat, lädt die Initiative „Viva Viktoria“ für heute Abend ab 18 Uhr zu einer Demonstration rund um das Viktoriakarree ein.

Die Signa Holding, ein Unternehmen des österreichischen Karstadt-Eigentümers René Benko, hatte im Viktoriakarree mehrere Gebäude gekauft, um dort ein Einkaufszentrum und eine Bibliothek zu bauen. Den Verkauf der benötigten städtischen Grundstücke stoppte allerdings das Bürgerbegehren von Viva Viktoria, dem sich der Stadtrat anschloss. Mit einem Verfahren vor der Vergabekammer in Köln versucht Signa nun, die Stadt doch noch zum Verkauf zu zwingen.