Kosten von 800.000 Euro

Wlan im WCCB muss nachgerüstet werden

Bonn. Die Technik im WCCB wird zum Klimagipfel im November nachgerüstet. Die Kosten belaufen sich auf rund 800.000 Euro. An der Begründung der Stadt, die Anforderungen hätten sich erst aus dem Betrieb ergeben, gibt es Zweifel.

Nur zwei Jahre nach der Eröffnung muss die Technik im World Conference Center Bonn auf Vordermann gebracht werden. Das Wlan hält den Anforderungen nicht stand. Somit steht laut Stadtsprecherin Monika Hörig nun die erforderliche Investition in Höhe von immerhin rund 800.000 Euro an. Das Netz soll rechtzeitig zum Beginn des Weltklimagipfels COP 23 im November angepasst sein. Weil der Stadtrat erst Ende September wieder zusammenkommt, musste die Auftragsvergabe per Dringlichkeitsentscheidung genehmigt werden.

Die gesamtem Anforderungen an ein leistungsfähiges Wlan-Netz hätten sich seit Einbau des bestehenden Netzes im WCCB-Bereich wesentlich erhöht, heißt es in der nichtöffentlichen Stellungnahme der Verwaltung, die dem General-Anzeiger vorliegt.

Dazu gehörten die Änderung der technischen Standards bei der Frequenz sowie der Datendurchsatz und die Menge der Geräte der Teilnehmer, wie Smartphones, Tablets und Laptops. Heißt: Das bisher vorhandene 2,4-GHz-Frequenzband soll um das schnellere 5-GHz-Band ergänzt werden.

IT-Unternehmen kommt aus Berlin

„Für diese rasante technische Entwicklung und die gestellten Anforderungen der WCCB-Kunden, wie zum Beispiel der UN, ist die vorhandene Wlan-Infrastruktur im WCCB nicht mehr leistungsfähig genug und muss ertüchtigt werden“, heißt es in der städtischen Vorlage weiter.

Vergeben werden soll der Auftrag an die Firma, die auch das ursprüngliche Netz eingebaut hat und mit der die Stadt einen IT-Servicevertrag abgeschlossen hat. Dabei handelt es sich um das Berliner IT-Unternehmen „globits“.

Mit diesen 800.000 Euro werde der in der Fördervereinbarung festgeschriebene Rahmen von insgesamt 15,7 Millionen Euro überschritten, weshalb eine 90-prozentige Förderung des Bundes nicht mehr möglich sei.

Der übernehme nur noch 527.761 Euro für das Wlan, den Rest von rund 260 000 muss die Stadt übernehmen. Die Finanzierung des Eigenanteils erfolgt laut Hörig aus den im städtischen Haushalt veranschlagten Bauunterhaltungsmitteln für die WCCB-Bestandsbauten sowie aus den Fertigstellungsmitteln für den neuen Kongresssaal.

Immer wieder Probleme mit dem Netz

Eigentlich war schon vor der Eröffnung des neuen Kongressaals deutlich geworden, dass das Wlan-Netz nur unzureichend funktioniert. Hunderte von städtischen Mitarbeitern hatten damals im WCCB bei einem Stresstest einen Kongress simuliert. Und auch während der vergangenen Kongresse, wie etwa beim G-20-Gipfel der Außenminister im Februar, kam es diesbezüglich immer wieder zu Problemen.

„Ja, das Problem ist nicht neu“, bestätigte denn auch Michael Kleine-Hartlage, Geschäftsführer der Bonn CC-Management GmbH. Auf die Frage, warum das schnellere Frequenzband nicht schon von Anfang an eingebaut worden sei – diese Technik ist seit Jahren auf dem Markt – musste er passen. Das sei Sache des Bauherrn, also der Stadt Bonn.

„Es ist auf jeden Fall sinnvoll, dass jetzt nachgerüstet wird, und ich hoffe, dass es ausreicht.“ Bei der Stadt hieß es auf diese Frage lediglich: „Diese notwendigen Anpassungen haben sich erst aus dem Betrieb insbesondere bei durchgeführten Großkonferenzen im WCCB seit Eröffnung des Erweiterungsbaus im Juni 2015 ergeben.“

Mehr Leistungsfähigkeit zum Klimagipfel

In der Politik ist man sich zwar ebenfalls einig, dass das Wlan unbedingt bis zum Klimagipfel auf den leistungsfähigsten Stand gebracht werden muss, der möglich ist. Unverständnis herrscht indes bei vielen über die Dringlichkeit und auch über die Tatsache, dass damals offensichtlich bereits vorhandene Technik nicht berücksichtigt worden ist.

Reinhard Limbach hat neben Stadtdirektor Wolfgang Fuchs die Dringlichkeitsentscheidung unterzeichnet. „Ich hatte schon meine Bauchschmerzen damit, aber wir haben ja keine andere Wahl, wenn wir mit dem Kongresszentrum nicht ins Hintertreffen geraten wollen“, sagte der CDU-Ratsherr.

Drastischere Worte finden die Vertreter der kleineren Fraktionen im Stadtrat. „Mich überzeugen die Ausführungen der Verwaltung ganz und gar nicht“, sagte Anatol Koch (Linke) auf GA-Nachfrage. „Es sieht ja so aus, als hätte man sehendes Auges einen Knebelvertrag mit der Firma geschlossen.“

Zudem sei die Behauptung, die Anforderungen an das Wlan hätten sich seit dem Einbau „wesentlich erhöht“ nicht stichhaltig. Ins gleiche Horn bläst Marcel Schmitt vom Bürger Bund: „Man muss wohl davon ausgehen, dass der Stadt seinerzeit veraltetes Material angedreht wurde.“ Tom Schmidt (Grüne) will dagegen erfahren haben, dass bereits 2015 eine Anlage eingebaut worden sei, die von Anfang an sowohl im 2,4-GHz- als auch im 5-GHz Spektrum gearbeitet habe.

„Beide Spektren sind auch in Zukunft laut UN-Anforderung erforderlich“, weiß Schmitt. Trotzdem sei schnell deutlich geworden, dass die Wlan-Ausstattung quantitativ nicht ausreiche. „Die Nachrüstung ist zeitlich eigentlich schon eher im Verzug.“