Verkehrssituation in Bonn

Wird ein Tunnel unter die Reuterstraße gebaut?

Bonn. Wie kann der Verkehr in Bonn entlastet werden? Die Verwaltung soll nun noch einmal die Möglichkeit eines Reutertunnels prüfen.

Die Idee, die Reuterstraße zu untertunneln, ist nicht neu. Doch die vor einigen Jahrzehnten vieldiskutierten Pläne wurden genauso auf Eis gelegt wie die Tunnelpläne für die Südtangente. Jetzt soll die Verwaltung doch noch einmal über die Möglichkeit eines Reutertunnels nachdenken. Zumindest soll sie diese Idee in ihre Überlegungen einbeziehen, wie die stark befahrene Reuterstraße, wo die zulässigen Höchstwerte des Schadstoffs Stickstoffdioxid wie in der Bornheimer Straße nach wie vor deutlich überschritten werden, in Zukunft entlastet werden kann.

Wieder zur Diskussion gestellt hatte die Idee eines Reutertunnels Hans-Friedrich Rosendahl von der Ratsfraktion der Allianz für Bonn. Er hatte vorgeschlagen, die Verwaltung solle eine schlichte Tunnelröhre mit jeweils nur einer Spur pro Fahrtrichtung vom Botanischen Garten bis zum nördlichen Fuß der Reuterbrücke prüfen. Über den Antrag diskutierte der Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung.

„Die Verkehrsstaus auf der Reuterstraße sind – wenn demnächst die Viktoriabrücke fertiggestellt und die Bornheimer Straße entlastet sind – zweifellos das größte Verkehrsproblem der Stadt mit hoher Umweltbelastung“, sagte Rosendahl. Das Problem werde sich in Zukunft zuspitzen, warnte er und verwies auf das geplante neue Stadtquartier „Neuer Kanzlerplatz“, das auf dem Gelände des gesprengten Bonn Centers entstehen soll. Die Postbank will, wie berichtet, dort Hunderte Arbeitsplätze unter einem Dach vereinen.

Rosendahl begründete seinen Antrag auch damit, dass sich der gesamte Bereich Gronau samt der angrenzenden Gebiete nicht zuletzt auch dank der UN-Ansiedlungen zu Bonns „Neuer Mitte“ entwickelt habe, in dem das wirtschaftliche Herz der Stadt schlage. Zum Erhalt der dort angesiedelten neuen und hochwertigen Arbeitsplätze müsse auch eine angemessene Verkehrsanbindung angeboten werden. Zugleich müssten die angrenzenden Wohngebiete von Staus und Umweltbelastung entlastet werden.

Laut Berechnungen sei ein solcher Tunnel für etwa 80 Millionen Euro machbar

Das könne eine Tunnellösung leisten, so Rosendahl. „Dabei kann man auch auf die kostentreibenden Maximalforderungen, die man früher an einen Reutertunnel gestellt hat, heute getrost verzichten.“ Rosendahl selbst hat sich bereits bei einem externen Projektbüro schlau gemacht. Nach Berechnung dieses Büros sei ein solcher Tunnel für etwa 80 Millionen Euro machbar, berichtete er.

 

Die Ratskoalition habe viel Sympathie für den Antrag der AfB, wie die planungspolitische Sprecherin der CDU, Henriette Reinsberg, sagte. Auch sie blicke mit Sorge auf die Verkehrsentwicklung angesichts des wachsenden Bürostandorts im Bundesviertel. In einem Änderungsantrag forderte die Ratskoalition die Verwaltung deshalb zu einer detaillierten Untersuchung der Verkehrssituation rund um die Reuterstraße auf.

„Wir erwarten, dass uns die Verwaltung Möglichkeiten aufzeigt, wie man die Situation deutlich verbessern kann. Dazu gehört auch eine Aussage darüber, wie viel zusätzlicher Verkehr erwartet wird“, erklärte Reinsberg. Bei ihren Überlegungen solle die Verwaltung eine Tunnellösung nicht außer Acht lassen. Reinsberg: „Wir müssen uns alle Möglichkeiten anschauen. Aber wir müssen auch die Kosten im Blick behalten.“

Einvernehmlich gegen die Linken beschloss der Ausschuss den Änderungsantrag. Helmut Redeker (SPD) hatte zuvor klargestellt: Er erwarte, „dass sich die Verwaltung mit realistischen Lösungen beschäftigt“. Heißt: Eine Tunnellösung ist für ihn obsolet. Auch Hartwig Lohmeyer (Grüne) hält diese Lösung für unrealistisch. Sie sei deshalb auch nicht explizit im Änderungsgantrag enthalten, sondern von der CDU lediglich mündlich vorgetragen worden. „Hätte ich damals aber zwischen Bad Godesberger Tunnel und Reutertunnel entscheiden können, hätte ich mich für den Reutertunnel ausgesprochen“, sagte er.

Die aktuelle Verkehrslage