Beethoven 2020

Wird die Beethovenhalle vor dem Jubiläum nicht fertig?

Bonn. Der Objektplaner hat für die Sanierung der Beethovenhalle einen neuen Bauzeitenplan vorgelegt. Nun steht zu befürchten, dass die Arbeiten zum Beethovenjubiläum 2020 nicht pünktlich abgeschlossen werden können. Und die Kosten steigen auch wieder.

Die Sanierung der Beethovenhalle ist auf die schiefe Bahn geraten. Der Objektplaner, die Nieto Sobejano Arquitectos GmbH aus Berlin, hat einen neuen Bauzeitenplan vorgelegt, der die bisherigen Zeitpläne komplett sprengen würde. Das wurde kürzlich in einer Sitzung des Betriebsausschusses für das Städtische Gebäudemanagement ruchbar. Auch die bisher auf 75 Millionen Euro taxierten Baukosten steigen offenbar weiter.

Welchen Abschlusstermin die Architekten in ihrem neuen Bauzeitenplan vorsehen, wollte der verantwortliche Stadtdirektor Wolfgang Fuchs im Ausschuss auf Nachfrage des Bürger Bundes Bonn (BBB) nicht verraten. Die Planung werde von der Stadt nicht akzeptiert und müsse nachgebessert werden, begründete Fuchs in der Sitzung. „Offensichtlich entflammt der bekannte Konflikt zwischen der Stadt und den von ihr ausgesuchten Architekten von Neuem“, kommentiert der BBB-Fraktionsvorsitzende Marcel Schmitt. „Es steht zu befürchten, dass die Arbeiten zum Beethovenjubiläum 2020 nicht pünktlich oder nur mit teuren Beschleunigungsprämien wie beim WCCB-Desaster rechtzeitig abgeschlossen werden können.“

Konflikt mit Architekten

Im vorigen Jahr hatte es zwischen der Stadt und den Berliner Architekten schon einmal eine Auseinandersetzung um die Zeitplanung für die Beethovenhalle gegeben. Ursprünglich sollte die Sanierung im Dezember diesen Jahres weitgehend abgeschlossen sein. Zuletzt ging Fuchs von einer Fertigstellung einschließlich des neuen Kammermusiksaals im Frühjahr 2019 aus. Nachdem es auf der Baustelle wie berichtet verschiedene Verzögerungen gegeben hatte, sieht der neue Bauzeitenplan von Nieto Sobejano Arquitectos nun einen noch späteren Termin vor.

„Den werde ich aber nicht akzeptieren“, erklärt Stadtdirektor Fuchs. Der Zeitplan enthalte „zahlreiche Fehler“ und sei zur Überarbeitung an das Planungsbüro zurückgewiesen worden. Binnen vier Wochen solle mit allen beteiligten Planern nach Beschleunigungsmöglichkeiten gesucht werden. Ziel sei eine Fertigstellung der Beethovenhalle im ersten Quartal 2019. In Bonn kursierende Gerüchte, die Projektplaner rechneten erst mit dem Jahr 2020, weist Fuchs entschieden zurück. Vorgesehen sei nach wie vor, das Beethovenfest im September 2019 wieder in der denkmalgeschützten Halle zu veranstalten. „Wir werden das aber nicht um jeden Preis sicherstellen“, unterstreicht Fuchs. Anstatt weitere Millionensummen als Beschleunigungszuschläge zu zahlen, werde man das Beethovenfest notfalls noch einmal im World Conference Center Bonn (WCCB) stattfinden lassen. Das Kongresszentrum sei dafür reserviert worden.

Firma erhält 70 Prozent mehr als vorgesehen

Die Verzögerungen auf der Baustelle werden teuer für die Stadt. Fachfirmen, die nicht plangemäß arbeiten können, weil andere Gewerke nicht fertig sind, zeigen in der Regel einen „gestörten Bauablauf“ an. Das ist Grundlage für finanzielle Nachforderungen. Etliche solcher Meldungen gibt es auf der Baustelle nach GA-Informationen bereits. Bis Mitte nächsten Monats will die Stadt den Ratsfraktionen eine aktualisierte Gesamtkostenprognose mitteilen; am 28. Februar tagt der zuständige Beirat.

Die Stadt begründet den bisherigen Kostenanstieg von 61,5 auf 75 Millionen Euro auch mit dem überhitzten Markt: Fachfirmen können sich ihre Aufträge derzeit aussuchen und hohe Preise durchsetzen. Wie aus einer vertraulichen Vorlage hervorgeht, hat die Stadt gerade wieder per Dringlichkeitsentscheidung einen Auftrag freigegeben. Eine Dortmunder Firma erhält 250.000 Euro für Arbeiten am Sichtmauerwerk – und damit 70 Prozent mehr als vorgesehen war. Die Stadt räumt aber ein, dass der Bieter den durch Denkmalschutz und Urheberrechte bedingten Aufwand höher angesetzt habe als bei der Berechnung des Vergabebudgets berücksichtigt worden sei (das bei 148 000 Euro lag). Das Angebot aus Dortmund sei daher „angemessen“. Andere Unternehmen waren dagegen fast schon dreist: Eine Firma aus Mühlhausen in Thüringen verlangte laut Vorlage 995 868 Euro.