Vortrag in Bonn

Wilde Katzen im Kottenforst

Wildkatzen halten sich am liebsten im Wald auf. Mit der Hauskatze sind sie nicht direkt verwandt.

Wildkatzen halten sich am liebsten im Wald auf. Mit der Hauskatze sind sie nicht direkt verwandt.

RÖTTGEN. Katzenbesitzer wissen, dass viele ihrer Haustiere ganz wild auf Baldrian sind. Das gilt auch für Wildkatzen, von denen im Kottenforst zuletzt immerhin elf gezählt wurden. Herausgefunden hat man das, indem "Lockstöcke" aufgestellt wurden, die mit Baldriantinktur besprüht waren.

Das Holz wird ein wenig angeraut, so dass Haare der Tiere, die sich anlocken lassen, hängen bleiben. Außerdem wird eine Kamera mit Infrarot-Blitz in der Nähe aufgehängt.

Christine Thiel-Bender macht das für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und erläuterte das Verfahren im Rahmen der Reihe "Eine Ville - viele Wege" des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) vor. Die Teilnehmer lernten bei der Exkursion in den Wald beim Röttgener Forsthaus Kottenforst auch, wie man mit einer Handantenne Wildkatzen über Sender an Halsbändern orten kann, die man ihnen umgelegt hat.

Zuvor stellte sie im Forsthaus die Wildkatze vor. "Das ist keine verwilderte Hauskatze", sagte die promovierte Biologin, "sondern Teil einer ganzen Artengruppe." Die heutige Hauskatze stamme auch nicht von der europäischen Wildkatze ab, sondern von der afrikanischen, die schon vor 10.000 Jahren domestiziert worden sei.

Die Römer hätten sie nach Europa gebracht. Dennoch seien sie nur durch den dickeren Schwanz, den fleischfarbenen Nasenspiegel und eine bestimmte Musterung voneinander zu unterscheiden.

7000 Wildkatzen streifen durch Deutschland

Beim Vortrag erfuhren die Zuhörer, dass es in Deutschland derzeit rund 7000 Wildkatzen gibt, dass die Männchen Koder genannt werden und die Jungkoder mitunter wandern. Diese Wanderung wolle man unterstützen, um das Verbreitungsgebiet zu vergrößern: Wildkatzen entfernen sich nicht weit von Wäldern, und deshalb müssen in regelmäßigen Abständen kleine Wäldchen entstehen.

Dafür habe man begonnen, Landwirten Äcker abzukaufen und zu bewalden. In NRW mache das jedoch wenig Sinn, weil die Wildkatzen hauptsächlich im zusammenhängenden Waldgebiet der Eifel lebten.

Thiel-Bender stellte die vielen Gefahren vor, denen diese Tiere ausgesetzt sind. Straßen seien Todesfallen, weil die Katzen die von Autos ausgehende Bedrohung nicht einschätzen könnten. Teilung von Lebensräumen durch Straßenbau und Maßnahmen durch die Forstwirtschaft gehörten ebenfalls dazu. Und nicht zuletzt sei der Kontakt mit Hauskatzen nicht ohne Risiko: "Die Krankheiten sind ein Problem."

Ihren Vortrag "Die wilden Katzen des Kottenforsts" wiederholt Christine Thiel-Bender am Freitag, 4. September, ab 17 Uhr im Forstamtsgebäude Flerzheimer Allee 15 in Röttgen. Die Teilnahme ist kostenlos. Für die Exkursion sollte man festes Schuhwerk mitbringen.