Kulturausschuss der Stadt Bonn

Wieder Disput um die Beethovenhalle

Zauberhaft im Abendlicht, marode bei näherem Hinsehen: Die Bonner Beethovenhalle vom Rhein her aufgenommen.

BONN. Beethovens 250. Geburtstag rückt immer näher. Ob das Jubiläum 2020 in einem neuen Festspielhaus gefeiert werden kann, ist derzeit indes völlig unklar.

Die Ratspolitiker drängen deshalb auf die schnelle Sanierung und den Umbau der Beethovenhalle in eine Multifunktionshalle, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Mit Ausnahme der SPD. Sie forderte am Donnerstagabend im Kulturausschuss vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltssperre erneut, die bisher gefassten Beschlüsse zum Umbau der Halle auszusetzen.

Und zog sich damit den Unmut aller anderen Fraktionen auf sich. Die Linksfraktion, eine der SPD ansonsten sehr zugewandte Partnerin auf der Oppositionsbank, warf ihr gar "Verantwortungslosigkeit" vor. Die SPD spekuliere nur auf das Festspielhaus, kritisierte der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jürgen Repschläger.

Dabei brauche die Stadt einen "Plan B", damit die Bonner Bürger im Jubiläumsjahr nicht einen Sonderzug nach Wien buchen müssten, um dort den Geburtstag Beethovens feiern zu können. "Dann steht Bonn ziemlich blamiert da", sagte Repschläger.

SPD-Ratsherr Helmut Redeker blieb jedoch dabei: "Niemand glaubt doch ernsthaft, dass wir 30 Millionen Euro für die Beethovenhalle ausgeben können, ohne woanders substanziell eingreifen zu müssen." Abgesehen davon, dass auch niemand glauben könne, dass diese Summe für die Beethovenhalle reichen werde.

Doch der SPD-Antrag, die Verwaltung solle in der Halle lediglich notwendige Sanierungsmaßnahmen ausführen und darlegen, ob das Beethovenfest auch unter diesen Bedingungen dort durchgeführt werden könne, lehnten alle anderen Fraktionen ab. "Ihr Antrag bedeutet Stillstand, die SPD gibt keine Antwort, wo denn das Beethovenfest 2020 stattfinden kann", kritisierte Markus Schuck (CDU)

Heftige Schelte musste auch Kulturdezernent Martin Schumacher einstecken. Denn der Zeitplan, den er dem Ausschuss für Planung und Umsetzung der Sanierung und des Umbaus vorlegte, stieß auf viel Unmut beim Gros der Kulturpolitiker. "Sie rechnen drei Jahre für die Planungsphase, das ist Schlafwagenstil", so Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt.

Zwei Jahre reichten dafür, betonte er. Wichtiger sei, einen Zeitpuffer in der Bauphase einzuräumen, damit die Beethovenhalle 2018 wieder eröffnet werden könne, um genügend Vorlauf zu haben. Johannes Schott (Bürgerbund Bonn) sparte ebenfalls nicht mit Kritik: "Die Stadtspitze macht einfach ihre Hausaufgaben nicht". Den Ball spielte SPD-Fraktionschefin Bärbel Richter zurück: "Wo ist denn der gemeinsame Wille geblieben, dass wir eigentlich dringend ein Hallenkonzept brauchen?"