Halloween in Bonn

Wie vorgezogener Karneval

Ein Skelett mit glühenden Augen zieht im Karnevalsgeschäft Deiters die Blicke auf sich. Filialleiterin Stephanie Malzkorn hat für Halloween den Laden umgebaut.

BONN. Rheinländer sind besonders empfänglich für Halloween: Nach dem 31. Oktober müssen die Kostüme nicht im Schrank hängen bleiben. "Viele kann man untereinander kombinieren und auch an Karneval anziehen", sagt ein Verkäufer.

Schwarzer Umhang mit Totenkopfmaske? Verweste Mumie? Oder doch die mörderische Krankenschwester? "Zu Halloween kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen, Hauptsache das Kostüm sieht blutig und untot aus", sagt Stephanie Malzkorn. Als Filialleiterin beim Kostümgeschäft Deiters in Beuel geistert sie dieser Tage zwischen Plastikzähnen und Aufklebe-Narben hin und her. Für Halloween hat sie den kompletten Laden umgebaut, denn eigentlich sind Karnevalsutensilien das Kerngeschäft.

Lukas Dahm freute das: "Ich möchte als Sensenmann auf Seelen- und Süßigkeitenjagd gehen." Mit seiner Mutter Ulrike durchstöberte er die Regale, nach einer halben Stunde war er fündig geworden. Den Umhang samt Maske brachte er auch direkt seinem Freund mit, gemeinsam wollen sie um die Häuser ziehen. Dann könnten sie Yannic Sabelus begegnen, der in der Nacht Leute erschrecken möchte. "Zur schlichten weißen Maske einen Kapuzenpulli und jede Menge Kunstblut, dass sieht dann richtig gruselig aus", erzählte der 17-Jährige.

"Wir merken, dass in den vergangenen Jahren Halloween immer mehr im Kommen ist", sagt Unternehmenssprecher Lukas Wachten. Neben Karneval und dem Oktoberfest sei es die dritte Zeit für Verkleidungen. Deshalb veranstalte man dieses Jahr in der Kölner Lanxess-Arena auch die größte Halloweenparty Deutschlands. Dass die schaurigen Bräuche vor allem im Rheinland beliebt sind, hängt laut Wachten mit der elften Jahreszeit zusammen. "Das ist wie vorgezogener Karneval."

Auch in der Galeria Kaufhof in der Bonner Innenstadt hat man diesen Trend erkannt. "Seit etwa zehn Jahren schwappt die Halloween-Welle nach Deutschland über, solange machen wir auch mit", sagt Hubert Mertens, der die Spielwarenabteilung leitet. Während man früher nur Schminke und Kleinigkeiten im Angebot hatte, wurden Fläche und Sortiment sukzessive vergrößert. Mittlerweile gibt es mehrere Kleiderständer mit Kostümen und jede Menge Dekoration. "Das Sortiment umfasst etwa 500 Artikel", so Mertens. Der Kostüm-Klassiker für Männer ist Dracula, bei den Frauen sind es Hexen in allen Variationen. "Der Renner ist dieses Jahr ein Pailletten-Totenkopf-Kleid", sagt Mertens. Grundsätzlich kleideten sich die Damen aufwendiger, egal welchen Alters. Richtig viel Gedränge herrsche an den drei Tagen vor dem 31. Oktober.

Nach Halloween müssen die Kostüme nicht im Schrank hängen bleiben. "Viele kann man untereinander kombinieren und auch an Karneval anziehen", sagt Mertens.

Anders sieht das bei der Dekoration für die Halloweenparty aus. "Spinnenweben und Totenköpfe landen neben dem Weihnachtsschmuck und bleiben da auch ein Jahr liegen", erzählte Jana Stöcker, die auf der Suche nach Papptellern mit Kürbismotiven war. Sie feiert nicht auf einer der vielen Partys in Bonn und Umgebung, sondern im eigenen Wohnzimmer. "Das ist wohl auch der größte Unterschied, an Halloween gibt es mehr private Feiern, an Karneval geht man eher weg", sagt sie.