Tödlicher Unfall in Polen

Wie sicher sind die Escape Rooms in der Region?

Bonn. Nach dem Tod von fünf Jugendlichen in Polen beruhigen Betreiber hierzulande die Kunden: Aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen in deutschen Escape Rooms könne sich so ein Fall hierzulande nicht ereignen, sagen auch Betreiber in Bonn und der Region.

Nach dem tödlichen Unglück in einem Escape Room in Polen wird in NRW verstärkt über die Sicherheit solcher Räume diskutiert. Am Freitag waren in der polnischen Stadt Koszalin fünf 15-jährige Mädchen ums Leben gekommen. Sie waren in einem Escape Room eingeschlossen, als im Nebenraum ein Brand ausbrach. Die Jugendlichen starben an Kohlenmonoxid-Vergiftungen.

Bei Escape Games lassen sich Spieler in einen Raum einschließen. Dort müssen sie Aufgaben und Rätsel lösen, um wieder hinaus zu kommen. Dabei überwacht ein Spielleiter in der Nähe auf einem Monitor das Spielgeschehen und kann bei Bedarf Hinweise zu Rätseln geben.

"Könnte sich hier nicht wiederholen"

"Dieses Unglück könnte sich bei uns nicht wiederholen", sagt Jochen Richarz, Geschäftsführer des Escape Rooms "Fluchtgefahr" in Bonn-Endenich auf Anfrage des GA. "Zu keinem Zeitpunkt werden die Spieler in den Räumen eingesperrt." Die Türen würden zwar von außen verschlossen, unmittelbar daneben befinde sich allerdings ein Not-Knopf, der bei Betätigung den Stromkreis unterbricht und umgehend die Türen öffnet. Grundsätzlich habe es sich in Deutschland durchgesetzt, dass die Spieler nicht in den Räumen eingesperrt würden.

Zudem würden die Spieler durchgehend von einem zuvor geschulten Mitarbeiter beobachtet, der das Spiel überwache und im Notfall einschreiten könne. Obwohl in den verschiedenen Räumen in Endenich alle Steckdosen gesichert sind, die Spieler weder klettern noch schwer heben müssen, könnten Unfälle dennoch immer passieren. "Wichtig ist, dass dann schnell reagiert werden kann", so Richarz. Dazu würden die Spieler grundsätzlich vor Betreten des Raumes eine Einweisung bekommen. Demonstriert werde, wie die Tür entriegelt werden kann und wo sich die Fluchtwege befinden. Obwohl das Haus, in dem sich der Escape Room befindet, denkmalgeschützt ist, gebe es neben den Fenstern und einem Technikraum, der als Fluchtweg dient, auch ein Fluchtweg über das Dach.

Seit dem Vorfall in Polen haben laut Richarz bereits einige Kunden vor Betreten des Raumes Bedenken geäußert und konkrete Fragen zum Thema Sicherheit gestellt. "Die Kunden wurden für das Thema sensibilisiert, wirkliche Angst haben sie aber nicht", so Richarz. Der Escape Room "Fluchtgefahr" wurde 2015 eröffnet und in den vergangen drei Jahren habe sich kein Unfall ereignet. "Bis auf einen Kunden, der sich den Kopf gestoßen hat, gab es keinen Zwischenfall", fasst der Geschäftsführer zusammen.

Auf Wunsch bleiben die Türen offen

Wolfgang Jebing betreibt mit „Maasterminds“ den einzigen Escape Room in Siegburg und ärgert sich darüber, dass nach dem Vorfall nun auch die Sicherheit von Escape Rooms in Deutschland infrage gestellt wird: In den zehn Jahren, seit es diese Spielbetriebe gebe, sei so etwas nicht passiert. Außerdem seien die Brandschutzbestimmungen in Deutschland viel strenger.

Vor dem Spiel werde jeder Spieler eingewiesen. Klettern auf Möbeln etwa ist untersagt. Jeder darf sein Handy mitnehmen und auch benutzen. Auf Wunsch wird das Licht heller gestellt, offenes Feuer in Form von Kerzen gibt es nicht. Niemand wird in Handschellen gelegt oder angekettet, wie es in anderen Escape Rooms üblich sei. Es gehe allein darum, gemeinsam das Rätsel zu lösen. Die Räume im „Maasterminds“ sind großzügig. Laut Jebing ist bisher nicht eine Person rausgegangen, weil sie sich unwohl gefühlt hat. Anders als bei dem Vorfall in Polen, wo die einzige Fluchtmöglichkeit durch das Feuer versperrt wurde, können Besucher in Siegburg durch offene Türen direkt ins Freie gelangen. Auch die Fenster bieten bei Gefahr die Möglichkeit zur schnellen Flucht, denn die Räume befinden sich im Erdgeschoss.

„Von jedem Raum aus kann man innerhalb von drei bis vier Metern raus“, erklärt Jebing. „Die Fluchttüren sind immer offen. Dann steht man direkt auf dem Parkplatz. Ich habe sogar mehr Feuerlöscher als ich haben muss“. Auch im Siegburger Betrieb ist daher niemand wirklich eingeschlossen. Die Glastüren der Spielraums können auf Wunsch sogar offen stehen. Der Spielleiter sitzt während des Escape-Games im Raum nebenan, beobachtet die Spieler über eine Kamera und gibt Tipps. Auch Eltern oder Lehrer können sich auf Wunsch dazu setzen und das Spiel ebenfalls über den Bildschirm verfolgen. Bei Kindern von acht bis zwölf Jahren muss sogar ein Erwachsener dabei sein. Der Vorfall in Polen habe im Siegburger Escape Room aber bisher für wenig Verunsicherung gesorgt. Laut Jebing wurde von den bestehenden Terminen keiner abgesagt.

Leck an Gasflasche war wohl Brandursache

Die Brandursache in Polen war der Staatsanwaltschaft zufolge wahrscheinlich ein Leck an einer Gasflasche in einer Heizung. Nach Feuerwehr-Angaben wurden zahlreiche Mängel festgestellt: Heizgeräte hätten zu nahe an brennbaren Materialien gestanden, es seien Kerzen gefunden worden und die Elektroinstallation sei provisorisch gewesen. Zudem sollen die Mädchen aufgrund der verschlossenen Tür nicht in der Lage gewesen zu sein, sich selbstständig aus dem Raum zu befreien. Kein Einzelfall in Polen: Aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen wurden nach der Tragödie mehrere Escape Rooms geschlossen.

„Die Brandschutzbestimmungen in Deutschland sind deutlich strenger als in Polen“, sagt Dirk Podubrin von Live Escape Deutschland, dem nach eigenen Angaben größten Online-Verzeichnis für Escape Rooms. „Es ist notwendig, einen Bauantrag einzureichen sowie ein Brandschutz-Gutachten durchzuführen und dem jeweiligen Bauamt vorzulegen.“ Grundsätzlich sei jede Escape-Game-Betriebsstätte in Deutschland genehmigungspflichtig, teilt der Fachverband „Live Escape & Adventure Games“ (LEAG) mit. Bundesweit gibt es laut Live Escape Deutschland fast 600 Escape Rooms – davon 139 in NRW. Die tatsächliche Anzahl liegt sogar noch darüber, denn nicht alle Anbieter sind bei Live Escape gelistet.