Bahnnetz soll erweitert werden

Wie sich der Nahverkehr im Bonner Norden entwickelt

Die Linie 61 hat fast durchgehend eine eigene Trasse und fährt deshalb oft am Stau vorbei – noch bedient sie Buschdorf aber nicht.

Die Linie 61 hat fast durchgehend eine eigene Trasse und fährt deshalb oft am Stau vorbei – noch bedient sie Buschdorf aber nicht.

Bonn. Die Erweiterung des Bahnnetzes bis Buschdorf steht im Bedarfsplan, könnte aber noch Jahre dauern. Und auch der Rest der Infrastruktur könnte für ein Zusammenwachsen der Orte im Bonner Norden besser sein.

Beim GA-Dialog im Haus Müllestumpe vergangene Woche sprach Klaus Kraus mit Inbrunst: „Die Ortsverbände müssen stärker zusammenarbeiten und nicht nur an sich selbst denken.“ Der frühere Vorsitzende des Ortsfestausschusses Buschdorf erntete Applaus. Den richtigen Ort hatte er auch gefunden, denn die Vertreter der Vereine führten ja das Wort als geladene Gäste auf dem Podium. Doch wer mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß die Ortschaften Graurheindorf, Auerberg und Buschdorf erkundet, dem kommt der Gedanke, dass die Infrastruktur für ein Zusammenwachsen dieser Orte im Bonner Norden noch nicht die besten Voraussetzungen erfüllt.

Eine Verbindung zwischen den am Rhein wohnenden Graurheindorfern und den Auerbergern ist sicher da, auch weil die Nahversorgung Auerberger Mitte gemeinsam genutzt wird. „Durch die im Integrierten Entwicklungskonzept Auerberg vorgesehene Verbesserung der Wegebeziehung zum Rhein wird sich auch die Anbindung Graurheindorfs an die neue Auerberger Mitte noch verstärken“, heißt es aus dem Bonner Planungsamt. Aber Buschdorf liegt schon weit weg vom Schuss am Ende der Kölnstraße, kurz vor Bornheim-Hersel. Die Anbindung ohne Auto könnte besser sein.

Stadtwerke-Sprecherin Veronika John teilte auf Anfrage mit, dass die vielen Staus im Bonner Norden die Buslinien 601, 604 und 605 auf der Kölnstraße und die Linien 601 und 604 auf der Josefshöhe zu den Hauptverkehrszeiten erheblich tangierten und zu Unpünktlichkeiten führten. Immerhin: Die Straßenbahnlinie 61 habe fast durchgehend eine eigene Trasse und fahre am Stau vorbei.

Können Kreisverkehre die Nadelöhre an der Kölnstraße auflösen?

Doch sie fährt nicht bis nach Buschdorf. Das könnte sich möglicherweise in ferner Zukunft ändern. Eine Verlängerung der Trasse ist im ÖPNV-Bedarfsplan des Landes als eine Variante von zweien für besseren Nahverkehr im Bonner Norden angemeldet. NRW hat derzeit mit höchster Priorität die Seilbahn auf den Venusberg, eine Straßenbahn über die Weststadt, den Uni-Campus Poppelsdorf und Endenich bis zum Brüser Berg und eben die Verlängerung entweder der Stadtbahnlinie 16 oder der Straßenbahnlinie 61 in die Buschdorfer Ortsmitte angemeldet. Die mögliche Umsetzung wird aber wohl noch Jahre dauern.

Dadurch wäre ein Zusammenrücken der genannten Orte durch eine Erweiterung des Netzes möglich. Das könnte entweder die Ausweitung der recht langsamen, weil mit vielen Stationen ausgestatteten Linie 61 erreichen oder die wesentlich zügigere Verlängerung der Stadtbahn nach Buschdorf, die bis in die Ortsmitte und darüber hinaus bis zum Nordfriedhof an der Kölnstraße erfolgen könnte.

Um Nadelöhre im Autoverkehr an der Kölnstraße aufzulösen, hat die Ratskoalition beschlossen, die Verwaltung möge den Umbau an der Ecke Kölnstraße/An der Josefshöhe, Am Josephinum zu einem Kreisel prüfen und – auf Antrag der SPD – auch der Ecke Kölnstraße/Kopenhagener Straße.

Die Bevölkerung in Auerberg ist seit Mitte der 90er Jahre gewachsen: von 7823 Einwohner auf 9786 (Dezember 2018). In Graurheindorf ist die Zahl der Einwohner in einem ähnlichen Zeitraum von 3149 auf 3478 Einwohner gestiegen. Die Buschdorfer haben eine Einwohnerzahl von 4517, die sich in den vergangenen Jahren kaum geändert hat.

Für die städtebauliche Entwicklung zwischen Pariser, Kopenhagener und Osloer Straße will die Verwaltung ein Werkstattverfahren anstrengen und auch eine Erweiterung des Studentenwohnheims im Gespräch mit der Vereinigten Bonner Wohnbaugesellschaft (Vebowag) und dem Studierendenwerk prüfen. Doch gerade in Buschdorf hat die Stadtverwaltung vor einigen Wochen die EU-weite Ausschreibung für das Baugebiet Rosenfeld mit knapp 300 Wohnungen begonnen, also für Hunderte Neubürger. Im Zuge des Ausbaus ist zugleich eine sechsgruppige Kindertagesstätte geplant.

Planungsausschuss tagt am Mittwoch zu Vollsortimenter

Beim GA-Dialog betonten die Stadtverordneten Georg Schäfer, Jürgen Wehlus (beide CDU) und Alois Saß (SPD), dass eine beschlossene, eigenständige Grundschule mit drei Zügen, die heutige Dependance der Katholischen Paulus-Grundschule in der Peter-Klein-Straße, beschlossen sei und „als Schule für den gesamten Bonner Norden“ 2019/2020 an den Start gehen solle. Der Entwicklungsplan für Buschdorf, der für den Auerberg bereits vorliege, sei auf den Weg gebracht, so Schäfer.

Nach Auffassung von Wirtschaftsförderung und Planungsamt „sind die nördlichen Stadtteile spätestens nach Fertigstellung der Einzelhandelsansiedlung vor Ort sehr gut versorgt“. An der Ecke Kölnstraße/Otto-Hahn-Straße plane das Bauunternehmen Terrana zudem neben Wohnungen die Ansiedlung eines Vollsortimenters und eines Drogeriemarktes. Zu Letzterem tagt der Planungsausschuss an diesem Mittwoch.