Bauarbeiten im Tunnel in Bad Godesberg

Wie kann das Verkehrschaos verhindert werden?

Röhre gesperrt: Stoßstange an Stoßstange stehen die Autofahrer vor dem Bad Godesberger Straßentunnel. Ein Bild, das sich 2018 wiederholen wird.

Röhre gesperrt: Stoßstange an Stoßstange stehen die Autofahrer vor dem Bad Godesberger Straßentunnel. Ein Bild, das sich 2018 wiederholen wird.

Bonn. 2018 wird der Straßentunnel in Bad Godesberg teilgesperrt. Massive Verkehrsbeeinträchtigungen sind unausweichlich. So soll die Situation für Autofahrer möglichst erträglich gestaltet werden.

Die Bonner Stadtverwaltung beschönigt nichts. „Die Zustände waren chaotisch“, sagt Tiefbauamtschef Peter Esch über die Verkehrssituation rund um den Godesberger Tunnel. Der war am Wochenende gesperrt, was auf den Umleitungsstrecken für kilometerlange Staus sorgte. „Das Problem ist, dass wir keine andere Alternative für diesen massiven Einschnitt hatten.“ War die Sperrung also das, was bei der langfristigen Sanierung in einem Jahr auf die Autofahrer zukommen wird? Und wie will die Stadt ein langfristiges Verkehrschaos vermeiden?

Für die Antworten holt Esch weit aus. Er beginnt mit nüchternen Zahlen. Etwa 40.000 Fahrzeuge passieren an Werktagen den Godesberger Tunnel. Am Wochenende sind es 30.000. „Das zeigt uns, wie wichtig diese Durchfahrt ist.“ Und die Zahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Vor 15 Jahren waren es noch 10.000 Autos weniger pro Tag. Damit es sich nicht staut, wird die Strecke „planfrei“ gehalten. Was heißt, dass der Verkehr im Tunnel fließen kann, ohne durch Ampeln und Kreuzungen gestoppt zu werden.

„Wenn wir diese Mengen an Fahrzeugen jetzt in die Stadt leiten, kommt es zwangsläufig zu Staus“, erklärt Esch. Denn zum einen verengt sich die Straße von zwei Spuren auf eine. Zum anderen gibt es auf der Umleitung aus Richtung Norden durch die Godesberger Innenstadt, als auch auf der aus Richtung Süden über die Mittelstraße viele Ampeln. „Doch auch wenn wir – wie am Wochenende – die Ampelschaltungen anpassen, halten die Umleitungen dem Verkehrsaufkommen einfach nicht stand. Die Strecken sind am Limit.“ Während Esch diesen Satz sagt, zuckt er mit den Schultern. Er wirkt hilflos, denn es ist unvermeidbar, dass der Tunnel aufwendig saniert werden muss.

Die anfällige Lüftungsanlage, die im Ernstfall giftigen Brandrauch aus den Röhren absaugt, entspricht nicht mehr den Sicherheitsanforderungen. Knapp fünf Millionen Euro sind dafür veranschlagt, es könnten aber auch mehr werden. Je nachdem, ob sich demnächst bei Prüfungen herausstellt, dass leistungsfähigere und teurere Lüfter verbaut werden müssen. Dass die Baustelle um ein Jahr verschoben wird, ist der internationalen Klimakonferenz geschuldet, zu der 20 000 Gäste erwartet werden.

Tiefbauamt prüft Modelle

Genauso unvermeidbar ist es, dass der Verkehr anders fließen muss. Wie, das prüft das Tiefbauamt derzeit. Es gibt zwei Modelle, bei denen jeweils eine Tunnelröhre gesperrt wird. Entweder wird eine Fahrtrichtung komplett gesperrt und umgeleitet, während die andere weiter benutzt werden kann. Dann gibt es nur in der einen Richtung massive Staus. Oder der Verkehr wird auf jeweils einer Spur pro Fahrtrichtung durch eine in der Mitte durch eine Wand getrennte Röhre geführt, was für Staus auf beiden Seiten sorgt. „Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt Esch.

Die einzige Möglichkeit, die Folgen abzuschwächen, sieht er in den Verkehrsteilnehmern selbst. Sie müssten auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad umsteigen. Oder sich rechtzeitig über die Straßenlage informieren und so ihre Fahrten planen. Um das zu erleichtern, wird die Stadt ihren Echtzeit-Stauwarner, der per Bluetooth das Verkehrsaufkommen misst, auf die Strecken um den Godesberger Tunnel ausweiten.

Zudem soll am Trajektkreisel eine neue dynamische Beschilderung angebracht werden, die vor der Sperrung des Tunnels warnt und Umleitungen empfiehlt. So, wie es schon aus der Südrichtung am Erdbeerfeld passiert. „Wir müssen uns Gedanken machen, ob die jetzigen Umleitungshinweise ausreichen“, sagt Esch. Denn viele Pkw-Fahrer hatten am Wochenende kritisiert, dass es zu wenige davon gab. Das eigentliche Pro-blem, die vielen Autos, werden aber auch zusätzliche Schilder nicht lösen können. Da ist sich Esch sicher.