Nach dem Bürgerentscheid

Wie geht es in der Bonner Bäderlandschaft weiter?

Bonn. Die Bonner Ratskoalition aus CDU, FDP und Grünen stellt das Frankenbad in der Nordstadt möglicherweise zur Disposition. Im Raum steht eine Umnutzung des Gebäudes. Auch das Kurfürstenbad könnte weiterhin geschlossen bleiben.

Der Bürgerentscheid gegen den Badneubau im Sportpark Wasserland nährt in Bad Godesberg und in der Nordstadt die Hoffnungen auf den Erhalt des Frankenbads und eine mögliche Wiedereröffnung des Kurfürstenbads. Doch sind diese Hoffnungen berechtigt? Aktuelle Stimmen aus der Ratskoalition sprechen nicht dafür.

Kurfürstenbad: Noch etwas knapper als beim Bürgerentscheid gegen das Wasserlandbad hatten sich die Bonner im vergangenen Jahr gegen den Erhalt des Kurfürstenbads entschieden. Diese Entscheidung ist bis April 2019 bindend, könnte also – rein theoretisch – in einem Dreivierteljahr erneut auf die politische Agenda gelangen. Die Koalition aus CDU, FDP und Grünen und damit die aktuelle Mehrheit im Stadtrat wird dies allerdings nach Lage der Dinge nicht betreiben. Nach der Abstimmung hatten die drei Fraktionen per gemeinsamer Pressemitteilung erklärt: „Wir akzeptieren selbstverständlich die Ergebnisse der beiden Bürgerentscheide.“

Unbrauchbare Badtechnik

Eine Haltung, die CDU-Fraktionsgeschäftsführer Horst Gehrmann auf Anfrage des General-Anzeigers noch einmal konkretisiert: „Wir wissen, dass es diese Hoffnungen in Bad Godesberg gibt. Aber es ist in der Tat unsere Position, dass wir das Kurfürstenbad nicht erhalten wollen“, sagt er. Und doch mehren sich etwa in Leserbriefen und bei Facebook die Fragen, ob sich dieser Kurs durchhalten lässt. In zwei Jahren stehen Kommunalwahlen an. Eine bis dahin anhaltende Fortsetzung des Bäderstreits könnte die heutigen Mehrheitsverhältnisse durcheinanderwirbeln. Lakonisch bemerkt Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn: „Wenn die CDU in Bad Godesberg politischen Selbstmord begehen will, soll sie das tun.“

Beim Kurfürstenbad allerdings ist es offenbar nicht mehr politischer Wille allein, der für eine Wiedereröffnung fehlt, woran Hartwig Lohmeyer, Fraktionssprecher der Grünen, erinnert, die ebenfalls an dem Aus festhalten wollen. Denn selbst wenn man die Öffnung wollte, seien bereits ein Teil der Technik und des Inventars entfernt worden und fände in anderen Bädern Verwendung. „Von der Badtechnik ist nichts mehr brauchbar“, hieß es am Montag seitens der Stadtverwaltung. Lohmeyer unterstreicht aber, dass es bei den Grünen weder zum Kurfürsten- noch zum Frankenbad bislang eine Entscheidung gebe.

Die Wiederbelebung des Kurfürstenbades käme die Stadt somit mutmaßlich noch teurer zu stehen als mit rund 13 Millionen Euro ohnehin veranschlagt, und da ist die rasante Baupreisentwicklung der jüngeren Zeit noch gar nicht eingerechnet. Doch das ist aus Gehrmanns Sicht nicht das einzige Argument: „Hinzu kommt der Anspruch“, sagt er, „am Standort eine städtebauliche Verbesserung zu erreichen. Ein Bad ist da nicht ideal.“ Mit beiden Argumenten begründet er auch die Haltung seiner Fraktion zum anderen Bad, in dessen Umfeld klar gegen den Bau in Dottendorf votiert wurde.

Umnutzung des Frankenbads?

Frankenbad: Wer seit Samstag meint, das Bad sei mit dem Bürgerentscheid nun gerettet, könnte sich getäuscht haben. Schon vor Jahren habe man festgestellt, dass das Bad marode ist, sagt CDU-Mann Gehrmann. Und auch hier gelte, dass eine städtebauliche Aufwertung dem Stadtteil gut tun werde. Doch auch hier dürfte den Koalitionären noch Gegenwind drohen – nicht nur von der SPD, die sich am Wochenende für das Frankenbad stark machte. Der Ruf nach einer Sanierung aus den Reihen des Sports erscheint nach dem Aus für das Wasserland programmiert, zumal der Sportpark Nord noch bis 2027 vertraglich den SSF Bonn zugesichert ist.

Auch für das Schulschwimmen ist das Frankenbad bislang ein festes Element, während im Konrad-Adenauer-Gymnasium das Schwimmen für zehn Godesberger Schulen wegen einer defekten Filteranlage für weitere zwei Jahre ausfällt. Und nicht zuletzt bildete die Initiative „Frankenland bleibt Schwimmbad“ einen wichtigen Motor des nunmehr erfolgreichen Bürgerentscheids. Man müsse hier „über alternative Lösungen nachdenken“, sagt Gehrmann. „Unter dem Bürgerentscheid sollten nicht unsere Kinder leiden“, sagt derweil Florian Bräuer, schulpolitischer Sprecher der FDP. Für ihn ist vor allem der finanzielle Aufwand der Sanierung entscheidend. Entsprechend äußert er sich etwas vorsichtiger als seine Koalitionspartner: Die Schließung des Frankenbads, sagt er, sei „eine Option“. Die Kosten einer Grundsanierung waren zuletzt auf etwas mehr als 20 Millionen Euro veranschlagt worden.

Alles steht auf Null

Im Juli hatte der Stadtrat eine Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Frankenbades beschlossen. Die Verwaltung hat ihrerseits seitdem keine Maßnahmen ergriffen, die abhängig vom Ausgang des Bürgerentscheids nicht reversibel wären, wie sie auf Anfrage mitteilt: „Der Beschluss zur Nachnutzung des Frankenbads und die Durchführung der Bürgerwerkstatt stand unter dem Vorbehalt, dass das neue Bad gebaut und das Frankenbad vor diesem Hintergrund geschlossen wird“, so ihre Aussage. OB Ashok Sridharan behält bis auf weiteres recht mit seiner Feststellung: Alles steht auf Null.