Imkerei in Bonn

Wie der Hobby-Imker die Arbeit seiner Honigbienen vorbereitet

Hobbyimker Rainer Seifert bei der Arbeit. Er zeigt eine Bienenwabe.

BONN. Rainer Seifert gehört zu den mutigen Imkern. Ohne Handschuhe und Imkerschleier wagt er sich an seine Honigbienen. Er hat Vertrauen zu den Tieren, er atmet ruhig und verhindert hektische Bewegungen.

Zwischen seinen Vorderzähnen hält der 45-jährige eine Imkerpfeife. Immer wieder pustet er kräftig hinein, dabei entsteht weißer Rauch, der die Bienen beruhigen soll. "Die Bienen zwingen mich ruhig zu werden, jeder Stress überträgt sich sofort auf die Tiere und beunruhigt sie", erklärt Seifert.

Vorsichtig öffnet der Hobbyimker einen der sechs Bienenstöcke, die er in seiner Parzelle des Kleingärtnervereins Bonn-Poppelsdorf stehen hat. Aktuell kümmert er sich um vier Bienenvölker. Mit einem gekonnten Griff zieht er eine der Honigwaben heraus und betrachtet sie.

Seifert, der hauptberuflich als selbstständiger EDV-Dienstleister arbeitet, hatte schon Sorgen, dass die Nahrungsvorräte seiner Bienen knapp werden könnten. "Der Winter war ungewöhnlich schlecht. Die Bienen überwintern in ihren Bienenstöcken und verlassen ihn eigentlich nicht. Im Dezember, der auch sehr warme Tage hatte, flogen einige Bienen", berichtet der Imker, der sich seit 15 Jahren mit Bienen beschäftigt.

Damit die Tiere auch in schlechteren Zeiten überleben können, sammeln sie sich im Vorjahr einen Überschuss an Honig an. Wird er weniger, füttert der Imker mit flüssigem Zucker nach. Denn im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme, nimmt der Imker den Bienen nicht den kompletten Honigvorrat, sondern immer nur einen Teil. In diesem Jahr ist alles gut gegangen - der Vorrat reichte aus.

Plötzlich legt Seifert die Wabe ruckartig auf den Bienenstock ab und wendet sich von ihm ab. Mit seiner rechten Hand wischt er sich schnell unter der Nase hin und her.

"Jetzt ist es passiert - ich wurde gestochen", gibt der Imker etwas erschrocken zu, "aber wer oft gestochen wird, lindert das Risiko an Gicht oder Rheuma zu erkranken". Von einer Biene gestochen zu werden, gehört zum Imker-Alltag, daher stört ihn die anschwellende Stelle unter der Nase auch nicht weiter.

Bienen zu halten sei derzeit sehr beliebt, wie Seifert berichtet. "Nachwuchsprobleme gibt es seit 2008 in kaum einem Landesverband. Der Run auf die Imkerei war schon lange nicht mehr so hoch - die Anfängerkurse sind ausgebucht, teils überbucht. Besonders das Interesse von Frauen nimmt zu", teilt Petra Friedrich, Pressesprecherin des Deutschen Imkerbundes, auf Anfrage mit.

Da der Frühling in diesem Jahr erst spät begonnen hat, schätzt Seifert, dass die Bienen in diesem Jahr rund drei Wochen im Verzug sind. Im April sammeln die Tiere eigentlich schon längst Honig, Ende Mai und Ende Juli wird Honig geerntet - die Früh- und Sommertracht. Wenn das Bienenjahr im Juli aufhört, muss der Imker mit der Behandlung gegen die Varroamilbe, dem weltweit schlimmsten Bienenschädling, beginnen.

Neben der Zufütterung gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Imkers auch das Erweitern der Bruträume. Die Bienenkönigin legt täglich fast 2000 Eier, so dass viel Platz für den Nachwuchs nötig ist. Im Mai, wenn ein Bienenvolk über den größten Bestand verfügt, kommen die Tiere leicht in Schwarmlaune. "Da die Bienen aber nicht ausschwärmen sollen, erzeuge ich einen künstlichen Schwarm", erklärt Seifert.

Ein Kunstschwarm ist ein neues Bienenvolk, welches der Imker mit der Entnahme von Honig und Waben sowie einer jungen Königin gründet. Würde ein Volk ausschwärmen, müsste der Imker es wieder einfangen, da die Überlebenschancen der Tiere in freier Wildbahn durch die Varroamilbe nicht allzu hoch sind.

Den hohen Aufwand, den Rainer Seifert für seine Bienen betreibt, macht er gerne. Ihm liegt der Schutz der Tiere am Herzen - mit dem geernteten Honig ließe sich kein Geschäft machen, dies sei ihm auch gar nicht so wichtig, denn "die Bestäubung ist der höchste Nutzen der Bienen".

Imkerei
Wer sich für die Imkerei interessiert und mit dem Gedanken spielt, vielleicht auch einmal Bienen zu halten, kann sich beim Deutschen Imkerbund mit Sitz in Wachtberg informieren. Im Internet auf www.deutscherimkerbund.de finden Interessierte unter der Rubrik "D.I.B. Nachwuchsförderung" alle nötigen Informationen.