70 Jahre in Bonn

Wie der Bertha-von-Suttner-Platz zu seinem Namen kam

Bonn. Am Montag vor 70 Jahren erhielt der Bertha-von-Suttner-Platz seinen Namen. Zuvor war ein Streit um den Namen entbrannt. Zur Feier im September soll eine "Bertha-Bahn" an die Namensgeberin erinnern.

Nach dem zweiten Weltkrieg lag das Areal des heutigen Bertha-von-Suttner-Platz in Trümmern. Vor der Bombardierung hatte dort ein Wohngebiet gestanden. Die Bomben der Alliierten richteten westlich der früheren Rheinbrücke die größte Zerstörung im Raum Bonn an. Am 5. August 1949 beschloss der Straßenbenennungs-Ausschuss nach Renovierungarbeiten den neuen Namen des Platzes. Nach einem Taufstreit wurde die österreichische Pazifistin Bertha Sophia Felicita Freifrau von Suttner Namensgeberin. Dies stand erst zur Debatte, weil es zwischen Bonn und von Suttner keinen direkten Bezug gab. Doch der Bonner Stadtrat entschied sich vor 70 Jahren für den Namen der Friedensaktivistin. Der General-Anzeiger berichtete damals über die Benennung. Laut einem Zeitungsbericht im Jahre 1949 waren viele Bonner gegen die Entscheidung des Stadtrates gewesen. Der Vorschlag "Beethoven-Platz" wurde nicht bewilligt.

Bertha von Suttner war die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin. Ausgezeichnet wurde sie im Jahre 1905 für ihr 1889 erschienenes Anti-Kriegsbuch "Die Waffen nieder". Ihr Werk fand in der pazifistischen Bewegung viel Anklang.

Die Benennung des Platzes in der Innenstadt feiert ihren 70. Geburtstag. Der Verein Frauennetzwerk für Frieden (FNF) erstellte im Juni eine Schautafel mit historischen Fotos an der Bahnhaltestelle "Bertha-von-Suttner-Platz". Vorsitzende des FNF, Heide Schütz, will die Bonner mehr über die Friedensaktivistin informieren. "Tausende von Menschen fahren oder laufen jeden Tag über den Bertha – aber nur wenige wissen, wer die Namensgeberin des Platzes war und wie es hier kurz nach dem Krieg aussah. Das wollen wir ändern!" Der 70. Geburtstag des Platzes sei dafür ein schöner Anlass.

Auch im Bonner Stadthaus am Berliner Platz findet von Ende August bis Ende Oktober eine Ausstellung über die Werke und das Leben der Bertha von Suttner statt. Am Freitag, den 30. August wird im Frauenmuseum Bonn "Herz der Welt" gezeigt. Der Spielfim aus dem Jahr 1954 berichtet über das Leben der Nobelpreisträgerin.

Das Frauennetzwerk hat seit Jahrzehnten seinen Platz in Bonn und startet ab dem 21. September das Projekt der "Bertha-Bahn". Die Linie 62 soll bedruckt mit Zitaten und einem Porträt der Bertha von Suttner ein Jahr lang durch Bonn fahren.