Schulzentrum für 1600 Schüler

Wie "Bonns Fünfte" zur größten Schule der Stadt wird

Der Blick aus der früheren Gottfried-Kinkel-Realschule: Man sieht die mächtige Dreifachturnhalle noch mit Gerüsten, dahinter die anderen Neubauten und ganz hinten die Nikolauskirche.

Der Blick aus der früheren Gottfried-Kinkel-Realschule: Man sieht die mächtige Dreifachturnhalle noch mit Gerüsten, dahinter die anderen Neubauten und ganz hinten die Nikolauskirche.

Kessenich. In Kessenich entsteht für 40 Millionen Euro ein riesiger Schulkomplex mit Platz für bis zu 1600 Schüler. Nach der Beethovenhalle ist es derzeit die größte Baustelle der Stadt Bonn.

Generationen von Kindern gingen hier nicht nur zur Schule, sondern bolzten und kickten auf dem „schwarzen Platz“ vor der Gottfried-Kinkel-Realschule und der Theodor-Litt-Hauptschule. Wo dieser Sportplatz war, stehen jetzt Neubauten, Realschule und Hauptschule tragen auch nicht mehr ihre alten Namen. Willkommen bei „Bonns Fünfter“, wie die jüngste Gesamtschule Bonns in Kessenich sich nennt.

Die aktuell 702 Schüler in 27 Klassen, die derzeit noch in den beiden alten Schulgebäuden unterrichtet werden, haben es nicht leicht. Seit Sommer 2015 müssen sie Baulärm ertragen und Staub schlucken und sich mit stark verkleinerte Schulhöfen begnügen. Besonders der Kinkel-Schulhof ist nicht mehr als ein lehmiges Eckchen zwischen Sandhaufen und Neubauten. „Es ist hier alles sehr beengt für die Schüler während der Bauzeit“, sagen die Projektleiter Julia Gerlach und Axel Westerhoff, die wegen der Größe des Komplexes zu zweit den Bau überwachen.

Deshalb hapert es auch mit der Bewegung. Beide Turnhallen auf dem Areal wurden abgerissen, ebenso wie das grüne Fachgebäude an der Hausdorffstraße. Die Theodor-Litt-Turnhalle war allerdings schon viele Jahre zuvor außer Betrieb gewesen. Der Sportunterricht muss seitdem in andere Hallen im Stadtgebiet verlegt werden oder findet schon mal im Freien im Reuterpark statt.

Sechs Parallelklassen in einem Jahrgang

Doch Besserung naht in großen Schritten: Die neue Dreifachturnhalle ist fast fertig, die Turnseile hängen schon von der Decke, die Anzeigetafel läuft auch, die Basketballkörbe sind zum Aufhängen vorbereitet. Es kann bald losgehen, und das gilt auch für die neuen Schulgebäude. „Sie werden voraussichtlich nach den Sommerferien in Betrieb genommen, wie auch die Dreifachhalle“, sagen Gerlach und Westerhoff.

Danach beginnt die Sanierung der Altgebäude. „Bonns Fünfte“ wird baulich zur größten Schule der Stadt werden, mit Platz für bis zu 1600 Schüler – höchstens vergleichbar mit der Gesamtschule Beuel und der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule mit jeweils rund 1250 bis 1350 Schülern.

Derzeit aber hat sie erst eine Größenordnung erreicht wie die Marie-Kahle-Gesamtschule in Bonn-Castell, die über alle Jahrgänge (5-13) aktuell insgesamt 36 Klassen und rund 920 Schüler hat. Doch „Bonns Fünfte“ soll nicht nur vier Züge haben wie derzeit, sondern bis zu sechs Parallelklassen in einem Jahrgang.

Versteckte Tücken

Fast überflüssig zu sagen: „Bonns Fünfte“ ist nach der Beethovenhalle die größte Baustelle der Stadt Bonn. Die Stadt lässt sich den Ausbau rund 40 Millionen Euro kosten. Und der Bau hatte seine Tücken: Weil unter dem Gelände Bauschutt gefunden wurde, und dort ganz früher ein alter Rheinarm („Gumme“) war, mussten die Neubauten gegründet und 250 Pfähle in den Boden gerammt werden.

Auch sonst gab es Überraschungen. Unter dem „schwarzen Platz“ wurden Reste einer Bewässerungsanlage gefunden, und Alt-Kessenicher erinnern sich: In den 60er Jahren, als die Winter noch kalt und frostig waren, versprühte die Stadt dort Wasser, damit die Kinder dort Eislaufen konnten.

Die neuen Schulgebäude, geplant von Fischer & Fischer Architekten und 3Pass-Architektinnen (beide Büros aus Köln) vereinen viele Vorteile in sich. Die Neubauten sind behindertengerecht ausgestattet, und zwar in allen Disziplinen, wie die Projektleiter erklären.

Ausgefeilte Architektur

Die Räume sind nicht nur für Rollstuhlfahrer geeignet, und es gibt nicht nur Aufzüge, sondern man achtete auch auf die Akustik für Hörbehinderte und auf Kontraste der Farben für Sehgeschädigte. In der Dreifachturnhalle wurden Induktionsschleifen verlegt, damit Träger von Hörgeräten kein Quietschen in ihren Ohren vernehmen.

Auch das Lernkonzept ist anders als früher. Die Korridore der Neubauten sind nicht mehr nur lang und gerade, sondern weiten sich auf zu Lernzonen außerhalb der Klassenräume. Und sie sind hell. Es gibt viele Oberlichter, durch die das Licht in die neuen Gebäude fällt und schon jetzt eine angenehme Atmosphäre verbreitet.