Kessenich

Wichernhaus wird nach 101 Jahren abgerissen

Im Wichernhaus sind derzeit der Kindergarten und weitere Mieter untergebracht. Sie müssen bis spätestens Ende Juli nächsten Jahres ausgezogen sein.

KESSENICH. Seit 100 Jahren steht das Wichernhaus in Kessenich nun an der Karl-Barth-Straße 2. Und viel älter wird es auch nicht. Kurz nachdem im Gemeindebrief der evangelischen Friedenskirchengemeinde ein Rückblick zur Geschichte des Hauses abgedruckt wurde, gab das Presbyterium nun bekannt, dass es 2014 abgerissen werden soll.

Der Kindergarten und andere Mieter, die darin untergebracht sind, müssen bis spätestens Ende Juli nächsten Jahres ausgezogen sein. Der Kindergarten zog 1947 nach Reparaturen von Kriegsschäden ein und blieb auch, als sich in den 90er Jahren das Gemeindeleben endgültig in den Anbau an der Friedenskirche verlagerte.

Er machte auch die aufwendige Renovierung 1997 mit, aber auch die konnte den Abriss nur hinauszögern. Das Haus, das nicht unter Denkmalschutz steht, müsste grundlegend in Schuss gebracht werden, stellte eine unabhängige Fachfirma fest, die zuletzt alle kirchlichen Gebäude im Kirchenkreis Bonn auf ihren Zustand hin überprüft hatte.

Die Kosten dafür wären viel zu hoch und letztlich nicht kalkulierbar, befand das Presbyterium. Also soll das alte Wichernhaus, in dem auch Musikinstrumente gelagert werden, weg und dafür ein neues entstehen. Dieses solle aber in jedem Fall zur Kirchengemeinde passen und den christlich-diakonischen Auftrag im Sinne des Namensgebers Johann Hinrich Wichern (siehe Infokasten) erfüllen, heißt es in der Mitteilung des Presbyteriums.

"Aus diesem Grund werden wir garantiert kein hochpreisiges Renditeobjekt errichten." Genauere Pläne habe man noch nicht. Das Konzept für das neue Wichernhaus wird sich wohl danach richten, wer oder was künftig im Haus untergebracht sein wird. Dazu führe man demnächst Gespräche mit dem Diakonischen Werk und anderen gemeinnützigen Trägern. Die Zukunft des Kindergartens werde mit der Stadt Bonn besprochen.

Johann Hinrich Wichern

Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern lebte von 1808 bis 1881. Er stammte aus Hamburg und starb auch dort. Er gründete mit 25 Jahren das sogenannte "Rauhe Haus", ein Rettungsheim für gefährdete Jugendliche.

Er fühlte sich der "Erweckungsbewegung" verbunden, die die individuelle Bekehrung der allgemeingültigen Dogmatik vorzog. Johann Hinrich Wichern setzte sich für die im Industriezeitalter verarmte Arbeiterschaft ein und gründete dafür die Innere Mission. Er reformierte das preußische Gefängniswesen und bildete Diakone für die preußische Armee aus.