NRW-Pilotprojekt

Werden zwei Bonner Schulen besonders gefördert?

Gesellschaftstanz mit Fünftklässlern: Der New Yorker Tanzlehrer Pierre Dulaine startete an der Karl-Simrock-Schule das deutschlandweite Pilotprojekt „Dancing Classrooms“.

Gesellschaftstanz mit Fünftklässlern: Der New Yorker Tanzlehrer Pierre Dulaine startete an der Karl-Simrock-Schule das deutschlandweite Pilotprojekt „Dancing Classrooms“.

Bonn. Die NRW-Landesregierung entscheidet im Februar, welche 60 Schulen in Nordrhein-Westfalen als Talentschulen besonders gefördert werden. Aus Bonn sind die Karl-Simrock-Hauptschule und das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium im Rennen.

Die Stadt Bonn bewirbt sich, vom Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung bestätigt, mit Nicolaus-Cusanus-Gymnasium sowie mit der Karl-Simrock-Hauptschule um die Teilnahme am Schulversuch Talentschulen des NRW-Ministeriums für Schule und Bildung. Dieses Projekt soll ab dem Schuljahr 2019/2020 neue Wege für mehr Bildungsgerechtigkeit in NRW erproben, und zwar an 45 Schulen mit Sekundarstufe I sowie 15 Berufskollegs, die unter besonderen sozialen Herausforderungen arbeiten. „Es war mir ein Herzensanliegen, dass diese Landesregierung rasch ein Zeichen setzt, um soziale Nachteile im Bildungsbereich zu überwinden und Aufstiegschancen für alle zu ermöglichen“, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer in einer Mitteilung.

Kein Talent dürfe unentdeckt bleiben. Schüler sollten an den Talentschulen durch besondere Konzepte individuell gefördert werden. Die Ministerin will erproben lassen, ob Leistungen und Erfolge an diesen Schulen durch besondere unterrichtliche Konzepte, zusätzliche Ressourcen und Unterstützung bei der Schulentwicklung gesteigert werden können. Für die zusätzliche personelle Ausstattung stelle das Land mehr als 400 Lehrerstellen bereit.

Für Talentschulen bedeute das einen Zuschlag in Höhe von 20 Prozent auf den Grundstellenbedarf, so die Ministerin. Die unbefristeten Stellen dienten zum Ausbau des Fachunterrichts, zur Entlastung der Schulleitung, zur Reduzierung von Unterrichtsausfall, zur Erweiterung des außerunterrichtlichen Angebots sowie zur intensivierten Schülerberatung. Unabhängig von der Schulgröße soll an jeder Talentschule mindestens eine Stelle für Schulsozialarbeit zum Ausbau der Beratungs- und Elternarbeit eingerichtet werden. Talentschulen erhielten außerdem ein Fortbildungsbudget in Höhe von 2500 Euro jährlich.

Soziales Training für die Stufen 5 bis 10

Im Stadtrat machte die Verwaltung die Fördermaßnahmen noch einmal konkret: Die Stundentafel könne von 188 auf 200 Wochenstunden ausgeweitet werden. Auch die „Systemzeiten“ für Kooperation und Koordination würden großzügiger berechnet. Das Schulleitungsteam erhalte bessere personelle Ressourcen für die Kooperation mit externen Partnern. Man werde unterstützend tätiges Verwaltungspersonal einstellen und ein durchgängiges soziales Training der Stufen 5 bis 10 einrichten können. Bessere Voraussetzungen könne es auch für die Schullaufbahnbegleitung, die individuelle Beratung und Vermittlung von Förderangeboten oder etwa auch für Schülerstipendien geben.

Der Schulversuch ist jeweils für sechs Jahre geplant. 2026 soll eine Evaluation erscheinen. Die Entscheidung darüber, wer Talentschule werde, wolle das Ministerium voraussichtlich im Februar 2019 treffen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Wie berichtet, verteidigte Ministerpräsident Armin Laschet das Projekt in der letzten NRW-Haushaltsdebatte gegen Oppositionskritik. Gerade in den „schwierigsten Stadtteilen“ seien die besten Schulen erforderlich. Kinder aus sozial prekären Verhältnissen müssten die stärkste Lehrerversorgung und die modernsten Gebäude bekommen. Mit den Talentschulen wolle seine Regierung ihre „Idee vom Aufstieg durch Bildung“ realisieren.