Tag der Bundeswehr

Werbung für die Truppe

BONN. Da, wo sonst Obst und Gemüse an den Kunden gebracht werden, stehen Männer in Uniform mit gepanzerten Fahrzeugen. Ein scheinbar verwundeter Soldat liegt auf dem Boden des Rathausplatzes und wird von einem Kameraden versorgt. Die Bundeswehr macht die Show möglich.

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen groß aufgefahren. Für 2,5 Millionen Euro fand am Samstag in 15 Städten deutschlandweit erstmals der Tag der Bundeswehr mit diversen Darbietungen, Informationsständen und Attraktionen statt. Auch in Bonn, wo 1955 der damalige Verteidigungsminister Theodor Blank in der Ermekeilkaserne den ersten Freiwilligen ihre Ernennungsurkunde überreicht hatte. "Die Keimzelle der Bundeswehr ist nur wenige Meter entfernt. Deshalb freuen wir uns, dass wir hier in Bonn, wo die Stadt Geburtspate der Bundeswehr war, diesen Tag begehen können", sagte Vize-Admiral Manfred Nielson, der mit Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Veranstaltung auf dem Rathausplatz eröffnete.

Demonstranten in Kauf genommen

Von der Rüstungskontrolle über das Feldpostamt bis hin zum Radio Andernach, das Truppenbetreuungsradio, präsentierte die Streitkräftebasis den Bonnern die gesamte Bandbreite ihrer Aufgaben. Andere Einheiten wie der Sanitätsdienst oder die Schule für Diensthundewesen veranschaulichten ihre Arbeit im Ernstfall. Die Spitzensportförderung war sogar mit einem eigenen Bobsimulator angereist, in dem Oberbürgermeister Nimptsch einen eher bescheidenen Versuch unternahm. "Ich denke, die Bundeswehr hat den Bärenanteil an meinen Erfolgen", sagte Biathlon-Weltmeister Erik Lesser, der zu einer kurzen Stippvisite nach Bonn beordert worden war. "Seit 2007 bin ich jetzt bei der Bundeswehr. Ganz klar: Ohne die hätte ich kein Profisportler werden können." Seit 1971 fördert die Bundeswehr Sportsoldaten, darunter auch die ehemalige Vizeweltmeisterin am Degen Imke Duplitzer, die ebenfalls in Bonn war.

Im Oktober vergangenen Jahres begann die Planung der Veranstaltung. Damals musste die Entscheidung fallen, ob der Tag der Bundeswehr in der Ermelkeilkaserne oder in der Stadt stattfinden sollte. "Wir haben uns ganz bewusst für die Stadt entschieden", erklärte Oberstleutnant Michael Sauer, der die Veranstaltung mit organisiert hat. "Es ist das Anliegen der Verteidigungsministerin, dass wir die Bundeswehr und die Öffentlichkeit näher zueinander bringen. Das wäre in der Kaserne so nicht möglich gewesen."

Dafür nahm das Organisationsteam auch bereitwillig die Demonstranten in der Innenstadt in Kauf, die sich frühzeitig angemeldet hatten und die Veranstaltung lautstark mit Pfeifen und Tröten sowie Handzetteln und einem kleinen Flashmob begleiteten. Auch Klaus der Geiger ließ sich einen Protestauftritt nicht nehmen. "Ich freue mich, dass der ein oder andere hier die Chance hat zu demonstrieren", sagte Vize-Admiral Nielson.

Zusammenarbeit mit den Schulen

Bereits seit Freitagnachmittag liefen die letzten Vorbereitungen auf dem Rathausplatz. 350 Soldaten und zivile Angestellte der Bundeswehr sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Im Vergleich zu den 2,5 Millionen Euro Gesamtkosten war der Tag der Bundeswehr in Bonn mit 80.000 Euro recht günstig. "Die Veranstaltung ist gut und informativ", sagte ein Familienvater, der mit seinem Sohn extra nach Bonn gekommen war. "So ein Panzer ist ganz schön cool", sagte der 14-jährige Jan aus Duisdorf, der in der Schule von der Aktion erfahren hatte und damit die Kritik der rund 150 Demonstranten nährte.

"Die Rekrutierung der Bundeswehr in Schulen ist aus meiner Sicht perfide", sagte ein Aktivist. "Wir gehen ja nicht von alleine in die Schulen", entgegnete Oberstleutnant Ulrich Fonrobert. "Das passiert in Zusammenarbeit mit den Schulen. Wir bieten an, dass man sich über uns informiert. Ob die Schüler das annehmen, liegt an ihnen selbst." Auch die Kritik, es handle sich um eine reine PR-Strategie, wollte der Pressesprecher der Bundeswehr so nicht stehen lassen. "Ich würde es eher Öffentlichkeitsarbeit nennen. Denn wir zeigen uns und unsere Arbeit der Öffentlichkeit. Gerade durch den Wegfall der Wehrpflicht ist das für uns vollkommen legitim", so Fonrobert, der für das kommende Jahr einen weiteren Tag der Bundeswehr ankündigte. "Sicher dann auch wieder in Bonn, unserer Heimat als Streitkräftebasis", sagte Vize-Admiral Nielson dem GA. Als Termin peile man den 11. Juni 2016 an.

Die Bundeswehr mit der aus Hannover live zugeschalteten Verteidigungsministerin von der Leyen zog ein positives Fazit. Und auch die Polizei hatte wenig zu beanstanden. Es sei ein insgesamt sehr ruhiger Verlauf gewesen, mit den Aktivisten sei man in einen konstruktiven Dialog getreten.

Ab heute gibt es auf dem Rathausplatz dann wieder Markt- statt Infostände und Imbissbude statt Feldküche.

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