Wenn in Paris der Aufzug steckenbleibt

Jan Turovski lebte in Paris, wo sein neuer Roman spielt.

Jan Turovski lebte in Paris, wo sein neuer Roman spielt.

Bad Godesberg. Jan Turovskis neues Buch "Madame Bourgin" spielt 1968 in Paris, wo er lebte. Es spiegelt die Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien eines nach Liebe gierenden jungen Mannes.

Godesberger veröffentlicht Roman

Der zweite Satz in Jan Turovskis neuem Roman "Madame Bourgin" setzt schon mal einen markanten Akzent: "Habe mich nie besonders für Geografie interessiert, schon eher für die Geografie des weiblichen Körpers", schreibt der Student Alexandre hier im Paris des Jahres 1968 nieder. Um dann schon ein paar Zeilen weiter in einem Haus im Stadtzentrum mit der "zärtlichen Marie-France" zur Sache zu kommen. Der Aufzug ist im Schacht steckengeblieben. Der Hausmeister und die übrigen Bewohner des Hauses malträtieren die Tür. Und drinnen im Fahrstuhl ergeben sich die beiden Studenten zwei Stunden lang stöhnend ihrem "Liebesschicksal", wie es Alexandre formuliert. Turovski geizt schon auf dieser ersten Seite seines Romans nicht mit Details: Da wippen die "herrlichen, kleinen Brüste". Und Marie-Frances "Po klebte an der Aufzugswand."

Ist es erotische Fantasie, die der Ich-Erzähler hier in einem kleinen Lift im Herzen von Paris beschwört? Ist es einer der Tagträume, denen der junge Student hier in der Stadt der Liebe ständig nachhängt, während er neben seinem Studium der Literatur als Hauslehrer den Lebensunterhalt absichern muss?

Turovski lebt seit 1965 in Bad Godesberg

Alexandre ist bei den Bourgins in der Rue Madame tätig. Die beiden albernen Teenager-Töchter des Hauses rauben ihm den Verstand. Und nebenbei spielt er bei der Dame des Hauses und dazu beim Dienstmädchen auf der Klaviatur der Verführung. Oder spielen das die beiden Pariserinnen mit ihm, dem Jungen aus bürgerlichem Hause? Oder verliert sich der Student wieder mal in seinen Fantasien?

Turovski, Jahrgang 1939, setzte einst auf seine kaufmännische Ausbildung Studienaufenthalte in Cambridge, London und Paris drauf. Wie im Buch Fotos im Studentenzimmer an der Rue-Saint-Jacques zeigen, war er als junger Mann Ende der 1960er Jahre an der Seine. Auch eine Gesangsausbildung für die Oper machte er. Schließlich verschrieb sich Turovski, der seit 1965 in Bad Godesberg lebt, dem Schreiben: Es entstanden auch in englischer und französischer Sprache Lyrik, Kurzgeschichten und dann Romane, zuletzt "Kopanski kehrt zurück".

"Unendlich französisch, literarisch anspruchsvoll, aber sehr gut zu lesen", loben Leser im Netz Turovskis Stil. Seine Paris-Romane seien vor allem eines: "Keine Bonboniere, aber flirrend mit dem Geruch der Stadt, mit Liebe und Kenntnis. Und das von einem deutschen Autor, der lange in Paris gelebt hat." Der neuste Roman ist auf jeden Fall nicht aus der Sicht der Titelgeberin, der Pariser Madame Bourgin, also nicht aus Sicht einer Frau geschrieben. Es spiegelt die Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien eines nach Liebe gierenden jungen Mannes im Paris der auch politischen Umbruchjahre.

Jan Turovski, Madame Bourgin, Edition Andiamo 2018, 12 Euro