Jede fünfte Frau leidet an postpartaler Depression

Wenn die Mutter sich über ihr Kind nicht freuen kann

BONN. Allgemein gilt: Die Geburt eines Kindes ist etwas Schönes. Mit dem Baby werden Freude, Glück und ein neuer, spannender Lebensabschnitt verbunden. Doch jede fünfte Frau, die gerade ein Kind geboren hat, kann das offenbar nicht bestätigen - sie erkrankt an einer postpartalen Depression.

Die Krankheitsform ist allerdings nicht mit dem bekannten Babyblues zu vergleichen, sagt Sylvia Nogens, Gründerin der Selbsthilfegruppe "Postpartale Depressionen in Bonn/Rhein-Sieg".

Nach einer Geburt hätten manche Mütter nah am Wasser gebaut, sorgen sich um ihr Baby oder sich selbst, seien angespannt, müde oder auch gereizt. Besonders belastend für die meisten Mütter sei es, wenn die Familien von ihnen das Mutterglück geradezu abverlangten.

Verantwortlich für den Babyblues ist oft der Hormonspiegel, der während der Geburt ordentlich schwankt. Ein Babyblues verschwindet nach ein bis zwei Tagen wieder von selbst. Die postpartale Depression aber nicht: Betroffene Frauen brauchen dringend Hilfe. Nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2009 erlitt auch Nogens eine solche Depression. "Bei mir war es vor allem ein Symptom: Panik. Ich war in ständiger Sorge um mein Baby."

Wenn Krankenschwestern ihr ihre Tochter für Untersuchungen wegnahmen, "war ich in ständiger Sorge. Ich konnte, als ich dann zu Hause war, noch nicht einmal zur Waschmaschine gehen. Lag meine Tochter im Nebenzimmer und ich wollte gerade die Wäsche machen, musste ich direkt wieder zu ihr - nachsehen, ob alles noch in Ordnung ist", berichtet Nogens. "Es war sehr belastend."

Dass irgendetwas nicht mit ihr stimmte, merkte sie schon relativ schnell nach der Geburt. "Einige Ärzte meinten, es sei der Babyblues. Aber meine Sorgen waren so groß, dass es mir keine Ruhe mehr ließ. Es ging soweit, dass ich nachts nicht mehr schlafen konnte", erinnerte sich Nogens. Sie habe sogar den Notarzt gerufen, weil sie einfach nicht mehr konnte.

Als Grund für die Depression nennt sie die veränderte Hormonlage und dass dadurch bedingt, längst Vergangenes wieder aufkeimte: "Es kam Vieles zusammen." Schließlich fand sie nach längerer Zeit Hilfe, die sie wieder mental aufbaute und die Depression so verschwinden ließ. "Zurückblickend muss ich zugeben, dass ich mich ein wenig betrogen fühle um die schöne erste Baby-Zeit mit meiner Tochter. Aber dafür haben wir es jetzt umso schöner", freut sich Sylvia Nogens. Ein zweites Kind soll es aber nicht geben, zu sehr hat die Depression ihre Spuren hinterlassen.

Veranlasst durch ihre eigenen Erfahrungen hat Nogens die Selbsthilfegruppe "Postpartale Depressionen in Bonn/Rhein-Sieg" ins Leben gerufen. Sie berät Mütter und organisiert jeden zweiten Dienstag im Monat ein Treffen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat von 15 bis 16.30 Uhr im Gesundheitszentrum Kessenich, Mechenstraße 57. Kontakt: Tel. 0 22 47/ 74 57 00, Mail an info@shg-ppd-bonn.de und auf www.shg-ppd-bonn.de