WCCB-Prozess

Wenn Naujoks zahlt, bleibt er unbestraft

Friedhelm Naujoks soll nicht vor Gericht. FOTO: LANNERT

Friedhelm Naujoks soll nicht vor Gericht.

BONN. Sechs Jahre nach Beginn der Ermittlungen im Bauskandal um das World Conference Center Bonn (WCCB) soll am 19. November der dritte und letzte Strafprozess stattfinden. Und wenn es nach dem Willen der 7. Bonner Wirtschaftsstrafkammer geht, wird nur der frühere WCCB-Bauchef Young-Ho Hong auf der Anklagebank sitzen.

Der ebenfalls angeklagte städtische Gebäudemanager Friedhelm Naujoks und zwei seiner früheren Mitarbeiter sollen ungestraft davonkommen. Denn das Gericht hat vorgeschlagen, diese Verfahren, wie schon im Fall der beiden städtischen WCCB-Beauftragten Arno Hübner und Eva-Maria Zwiebler, gegen Zahlung von Geldauflagen einzustellen. Das teilte am Montagabend der Pressesprecher des Bonner Landgerichts, Bastian Sczech, mit.

Wie er erklärte, habe die Wirtschaftsstrafkammer das Hauptverfahren eröffnet und auf 28 Verhandlungstage terminiert. Es richtet sich gegen den ehemaligen Geschäftsführer der SMI Hyundai Europe GmbH, Young-Ho Hong, sowie gegen den Ex-Chef und zwei damalige Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements (SGB) und "hat mögliche strafrechtliche Verfehlungen, insbesondere Betrug und Untreue, im Zusammenhang mit der Finanzierung und Errichtung des World Conference Center Bonn zum Gegenstand".

Hong: Anklage wegen 14 Taten

Die Kammer habe die Anklage vom 22. August 2012 bezüglich 14 angeklagter Taten zugelassen und die Eröffnung des Hauptverfahrens bezüglich drei weiterer angeklagter Taten abgelehnt. Hong werden Anstiftung zu Untreue und Parteiverrat, drei Fälle des Betrugs im besonders schweren Fall und zehn Fälle der Untreue im besonders schweren Fall, davon in drei Fällen gemeinschaftlich mit den übrigen Angeklagten, vorgeworfen.

So soll Hong unter anderem - kurz gesagt - die Baukasse geplündert und um Millionen geschädigt haben, indem er zum Beispiel die Zahlung einer Rechnung in Höhe von 677.797,88 Euro veranlasste, obwohl er später dieselben Architektenleistungen noch einmal mit rund einer Million Euro abrechnete und offiziell als Kosten des Bauvorhabens deklarierte.

Naujoks und seine Ex-Mitarbeiter wollen sich äußern

Im Zusammenhang mit den doppelten Abrechnungen sind Naujoks und seine Ex-Mitarbeiter wegen Untreue angeklagt. Denn ihre Aufgabe war es, alle Rechnungen zu prüfen. Ihnen wird vorgeworfen, Hongs unberechtigte Rechnungen "wider besseren Wissens bzw. ohne Prüfung zur Anweisung freigegeben zu haben", so Sczech. Nicht zugelassen hat das Gericht die Anklage gegen Naujoks bezüglich der Betrugs- und Untreuevorwürfe im Hinblick auf den durch die Bezirksregierung Köln gewährten Landeszuschuss, da eine Verurteilung nicht wahrscheinlich sei.

Ob die Verfahren gegen Naujoks und seine Ex-Mitarbeiter eingestellt werden, hängt nun davon ab, ob sie und die Staatsanwaltschaft zustimmen. Dem Sprecher zufolge wollen sich alle bald äußern. Sollte tatsächlich nur Hong vor Gericht landen, hätte der Verteidiger des verurteilten Ex-Investors Man-Ki Kim Recht behalten, als er prophezeite: Am Ende würden alle städtischen Mitarbeiter ungestraft davonkommen.