Einsparungen bei städtischen Grünflächen

Weniger Blumen in Bonn

Bilder vom Beethovendenkmal werden in die ganze Welt geschickt. Das hübsche Beet gehört dazu. Daher kontrollieren es die Stadtgärtner regelmäßig.

Bilder vom Beethovendenkmal werden in die ganze Welt geschickt. Das hübsche Beet gehört dazu. Daher kontrollieren es die Stadtgärtner regelmäßig.

Bonn. Der Zwang zum Sparen trifft in Bonn auch die städtischen Grünflächen. Glücklich sind die Gärtner damit nicht. Immerhin werden die touristischen Attraktionen weiterhin üppig bepflanzt.

Die natürlichen Feinde der städtischen Gärtner sind Beeträuber, Buchsbaumzünsler und das Wetter. Doch das Amt für Stadtgrün hat auch den Kampf gegen die Kosten aufgenommen. Seit Einführung des Grünflächenkonzepts vor zwei Jahren haben sich die Ausgaben halbiert. Über die unberechenbare Natur, die Kreativität im Beet und die Tücken eines Leistungskatalogs sprach mit Peter Kießling, Abteilungsleiter im Grünflächenamt, und dem Stadtgärtnermeister Alexander Ringhandt.

Waren früher mehr Blumen?

Peter Kießling: Ja. In allen Stadtbezirken hatten wir viel mehr Beete mit wechselnder Bepflanzung im Frühjahr, Sommer und Herbst. Das Ergebnis von Einsparungen. Jetzt werden nur noch markante, öffentlichkeitswirksame Plätze verschönert. Die meisten Beete haben wir in Bonn. In Godesberg und Hardtberg bestücken wir zwei, drei, in Beuel keins.

Wie viele Frühlingsblumen haben Sie gesetzt?

Alexander Ringhandt: In diesem Jahr etwa 11 000. Die Klassiker Bellis, Lavendel, Vergissmeinnicht, Narzissen, Primeln und Hornveilchen. Allerdings gab es wegen der Fröste Lieferschwierigkeiten, sodass wir mit der Bepflanzung nicht wie geplant fertig wurden. Wir gestalten die Beete jedes Jahr anders in den Farbkombinationen und Mustern. Schließlich sollen sie Blickfänger sein.

Was kosten Blickfänger?

Kießling: In diesem Frühjahr geben wir 6100 Euro aus. Wir hatten einmal doppelt so viel Geld zur Verfügung. Da wurden auch Ehrenmale bepflanzt. In der Innenstadt hingen große Blumenampeln, in der Fußgängerzone standen Kübel. Alles eingespart. Für die Sommerbepflanzung stehen 43 000 Euro zur Verfügung.

Wie bewährt sich das neue städtische Pflegekonzept für Grünflächen?

Kießling: Wir sind noch in der Findungsphase. Problem ist, dass die entsprechende Software für das Monitoring fehlt. Dann könnten die geleisteten Arbeiten per Tablet vor Ort eingegeben werden. Die Dokumentation wäre immer aktuell und stünde jederzeit zur Verfügung. Bei Bürgerbeschwerden könnten wir nachweisen, an welchem Tag die Kolonne vor Ort war und was sie getan hat. Aber das dauert wohl noch. Die Pflegeklassifizierungen sind überdies nicht in Stein gemeißelt. Die nächsten Jahre sollen zeigen, ob diese Einteilung auch funktioniert.

Ringhandt: Grünflächen sind zwar mathematisch zu berechnen, aber die Natur ist unberechenbar. In Jahren mit vielen Niederschlägen und viel Sonne muss häufiger gemäht werden. Dann kommt die Ausgabenkalkulation nicht hin. Es bringt nichts, aus Spargründen die Intervalle zu verlängern. Die Kolonnen haben dann mehr Arbeit mit dem Mähen und brauchen länger. Unkalkulierbar sind auch Schäden durch Vandalismus. Oder Sturmschäden. Oder wir erhalten Beschwerden von Bürgern und müssen rausfahren. Das bindet Zeit und Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen. Nicht im Pflegekonzept berücksichtigt sind politische Ereignisse wie die Klimakonferenz. Dann machen wir zusätzliche Gänge, damit alles besonders schön ist.

Haben Sie genug Leute?

Ringhandt: Ich würde sagen nein. Konsens ist, wir wollen Qualität, aber die liegt eben je nach der Zahl der Arbeitskräfte zwischen sehr gut bis ausreichend.

Welche Qualität ergibt die aktuelle Mitarbeiterzahl?

Kießling: Ich würde sagen befriedigend. Doch der Mittelwert hilft nicht unbedingt. Das Lennéparterre muss in sehr guter Qualität gepflegt sein, oder das Beethovendenkmal. Da investieren wir sogar mehr Arbeit, als die Pflegeklasse A eigentlich vorschreibt. Aber genau wegen der Differenzierung in der Pflegequalität gibt es die Einteilung in Pflegeklassen.

Ringhandt: Am Ende ist es eine politische Entscheidung, wie viel Geld für Grünanlagen zur Verfügung steht. Einsparung hat immer Know-how-Verlust zur Folge und eine gewollte Herabstufung der Grünpflege. Französische Städte verdoppeln ihre Ausgaben fürs Grün. Nach dem Urlaub erzählen viele Reisende dann von dem tollen Blumenschmuck und den schönen Parks und sind begeistert, wie attraktiv die Städte sind. Eine wertig gepflegte Anlage hat Ausstrahlung und ästhetische Wirkung. Aber das muss man finanzieren wollen.

Das Beet am Beethovendenkmal hat Pflegeklasse A, weil …

Kießling: …es das Vorzeigebeet der Stadt ist. Das Beethoven-Denkmal ist der Treffpunkt für Touristen und Bonner. Und eine Attraktion. Nirgendwo in der Stadt werden mehr Fotos gemacht, die in die ganze Welt verschickt werden. Ein üseliges Beet geht gar nicht.Ringhandt: In der Innenstadt sind wir mit 14 Kollegen zum Bepflanzen und zur Grünpflege unterwegs. Das Beethoven-Beet soll immer schön aussehen. Dort kontrollieren wir mindestens einmal pro Woche. Auf abgelegenen Flächen höchstens alle fünf Jahre.

Neben Beethoven ist auch der Gartenarchitekt Peter Josef Lenné ein berühmter Sohn Bonns. Wie wird er gewürdigt?

Kießling: Als Hommage an Lenné haben war das Lennéparterre in der Nähe seines Geburtshauses unterhalb vom Alten Zoll. Es ist schwierig, zu ihm einen Bezug herzustellen, denn er hat in Bonn keine Anlage gebaut. Auf jeden Fall würdigen werden wir den 250. Geburtstag von Ernst Moritz Arndt, indem wir den Garten seines Wohnhauses schön gestalten.

Angesichts der Sparzwänge: Was ist mit Beetpatenschaften?

Kießling: Für Bäume haben wir Patenschaften. Im Stadtgebiet kümmern sich etwa 700 Bürger um Baumbeete.

Ringhandt: Es gibt Interessenten für städtische Beete. Das Problem ist jedoch, dass die Paten nie lange durchhalten. 80 Prozent der Initiativen geben auf. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Berufstätige die Zeit für die Pflege nicht kontinuierlich aufbringen können. Der Arbeitsaufwand ist größer, als sich viele vorstellen.

Also gibt es keine Beetpaten?

Ringhandt: Es gibt immer wieder Ansätze. In der Innenstadt wird eine recht große städtische Fläche von Bewohnern der benachbarten Wohnanlage mit Gräsern, Rosen und Lavendel bepflanzt. Das Projekt hat eine längerfristige Perspektive, was auch daran liegt, dass die meisten Rentner sind und mehr Zeit aufbringen können. Ein schönes Beispiel ist auch der Springbrunnen an der Beethovenhalle. Durch Privatinitiative wurde der Brunnen wieder aktiviert und die Fläche rundherum bepflanzt. Vergangenes Jahr gab es sogar ein Nachbarschaftsfest. Jetzt bleibt abzuwarten, ob das Projekt auch über mehrere Jahre Bestand hat.

Trotzdem, Beetpatenschaften wären doch eine Alternative, damit städtische Sparzwänge weniger offensichtlich sind?

Ringhandt: Auf jeden Fall. Dann bestünde auch eine bessere Verknüpfung vom Amt zum Bürger. Wir könnten einen viel direkteren Kontakt haben. In England gibt es Parkkonzepte, die so funktionieren. Dort haben Ranger die Aufgabe, Initiativen für eine Parkpflege zu betreuen. Das ist ein interessanter Ansatz. Für Bonn müsste man Flächen, auf denen sich ein solches Konzept umsetzen lässt, konkret ausweisen und festlegen, was zu tun ist. Und dann aktiv Beetpaten werben.

Vielleicht wollen die Bürger keine Blumenbeete, sondern Gemüseanbau auf städtische Flächen?

Ringhandt: Urban gardening ist im Trend. Doch so viele Flächen haben wir dafür gar nicht in Bonn. Im Straßenbegleitgrün – sagen wir an der Reuterstraße – da möchte keiner Gemüse anbauen. Die Grünstreifen müssen geschützter liegen und attraktiv sein. Schließlich wollen die Bürger damit auch einen Freizeitwert verbinden.

Gibt es Probleme mit Vandalismus?

Kießling: Vandalismus wird es immer geben. In der Rheinaue haben wir ihn durch das Ordnungsamt und eine regelmäßige Streife in den Griff bekommen. Das heißt, die Ausgaben zur Beseitigung der Schäden sind weniger geworden. Bevor die Streife ging, haben wir 50 000 Euro pro Jahr für Vandalismus in der Rheinaue veranschlagt. Konkrete Zahlen, was uns Zerstörungen kosten, gibt es nicht.

Ringhandt: Nach meiner Beobachtung nimmt Vandalismus zu. Grünflächen werden nicht mehr respektiert. Bänke werden aus der Verankerung gerissen und in den Rhein geworfen. Sie müssen von der Feuerwehr geborgen werden. Pflanzen werden geklaut, Neupflanzungen herausgerissen. Einbetonierte Mülleimer liegen zusammengetreten im Gebüsch. Stark frequentierte Anlagen sind weniger gefährdet. Es ist schwer zu sagen, ob es sich bei den Tätern eher um Jugendliche, Erwachsene oder Betrunkene handelt.

Haben Sie ein Lieblingsbeet?

Kießling: Nur eins? Außer am Beethoven-Denkmal sind es für mich die Beete am Rheinufer und die Rheinaue.

Ringhandt: Ich mag das Lennéparterre unterhalb vom Alten Zoll am Liebsten - wegen seines historischen Charakters. Es ist in klassischer Form mit Buchshecken angelegt, die zum Glück den Zünsler bislang überlebt haben. Dazu mussten wir zweimal mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel anrücken.