Panne bei der Deutschen Post

Weitere Pakete aus ganz Bonn werden vermisst

Pakete und Päckchen werden auf Transportwagen durch die Halle eines DHL-Paketzentrums gefahren.

Pakete und Päckchen werden auf Transportwagen durch die Halle eines DHL-Paketzentrums gefahren.

BONN. Die Anzahl der bei DHL verschollenen Pakete von Bonner Kunden ist größer als zunächst vermutet. Weitere Betroffene haben sich beim GA gemeldet. Der Konzern hofft nach dem Fund eines verschwundenen Containers, dass alle Sendungen geliefert werden.

Der Paketdienst der Deutschen Post DHL hat eine ganze Reihe von Paketen aus dem Raum Bonn noch nicht zugestellt, die bereits am 27. beziehungsweise am 28. November in verschiedenen Filialen im Stadtgebiet abgegeben wurden. Zunächst schien es so, dass nur Annahmen einer Außenstelle in der Wurzerstraße in Bad Godesberg betroffen seien, über die der General-Anzeiger zwei Mal berichtete. Mittlerweile haben sich allerdings weitere Bürger gemeldet, die seit mehr als drei Wochen nichts vom Verbleib ihrer Sendungen gehört haben.

Zu ihnen gehört auch Claudia Okken. Die Unternehmerin führt das Geschäft „Bacatus – Die Perlerie“ in Oberkassel an der Königswinterer Straße und verschickt über DHL Perlen und Edelsteine, die zum selbst gebastelten Weihnachtsgeschenk geeignet sind. „Wir haben acht Pakete am 28. November abgegeben, die bislang nicht bei den Empfängern angekommen sind”, berichtete Okken. Sie habe einen Nachforschungsantrag gestellt, aber wisse immer noch nicht, wo die Päckchen geblieben seien. Vier weitere verschollene Pakete hätten mittlerweile ihr Ziel erreicht.

Für Okken keine einfache Situation: Sie wollte ihre Kunden nicht enttäuschen und hat einen zweiten Versand in die Wege geleitet, um ihren Ruf als Unternehmerin nicht zu gefährden. „Das ist für uns ein erheblicher Mehraufwand.“ DHL habe sich bei ihr weder entschuldigt noch eine Entschädigung in Aussicht gestellt.

Container in Paketzentrum wohl übersehen

DHL-Sprecher Dieter Pietruck erklärte, dass die verschwundenen Sendungen nach bisherigen Erkenntnissen seines Unternehmens allesamt auf einer großer Containerladung im Troisdorfer Paketzentrum vergessen beziehungsweise übersehen worden seien. Dort lagerten also nicht nur Päckchen aus dem Stadtbezirk Bad Godesberg, sondern auch aus weiteren Stadtteilen. Um wie viele es sich letztlich handelte, vermochte der Unternehmenssprecher nicht zu sagen. „Wir gehen davon aus, dass nichts verloren gegangen ist, und tun unser Möglichstes, um alles noch vor Weihnachten zuzustellen”, erklärte Pietruck, der sich für die Panne entschuldigte. Er wies darauf hin, dass DHL vor Weihnachten täglich elf Millionen Pakete deutschlandweit zuzustellen habe. Fehler seien da nicht ausgeschlossen.

Pietruck erklärte auf Nachfrage, es gebe „keine Garantie bei Zustellungsverzögerungen”. Die Versicherung greife erst, wenn die Päckchen tatsächlich verschwunden seien. Aus dem Ortsteil Röttgen berichtete Petra Mellinghoff: Sie habe ein Paket aufgeben, der Sendungsverfolgung zufolge habe es die Postfiliale nicht verlassen, der Empfänger warte immer noch auf die Zustellung. Die Verfolgung lässt sich im Internet nachvollziehen, wenn Kunden dort die Sendungsnummer auf der Homepage von DHL eingeben. Von einem ähnlichen Erlebnis berichtet Ursula Schmitz, die ihr Paket am 28. November in Friesdorf auf die Reise geschickt hat.

Beim GA riefen weitere Kunden von DHL an, um über andere Unregelmäßigkeiten zu berichten. Dominik Klöß beispielsweise hatte ein Notebook online gekauft, das er am 26. Oktober über eine Filiale in Pützchen an den ursprünglichen Verkäufer zurücksandte. „Das Paket ist dort immer noch nicht angekommen.“ Eine Sendungsverfolgung ist ihm selbst nicht möglich, weil nicht er, sondern der Verkäufer offiziell als Absender gilt.

Ute Schriefers-Jung ärgert sich darüber, dass ein „Priority-Versand“, also die Blitzsendung einer Freundin aus Wien Bonn erst nach sechs Tagen erreichte, obwohl DHL einen Versand innerhalb von drei Tagen verspricht. 16 Euro habe das Päckchen mit ihrer bei einem Besuch in Österreich vergessenen Brille gekostet, die die Freundin ihr schnell zukommen lassen wollte. Die Kekse zum Dank waren dagegen in fünf Tagen in Wien angekommen – auf gewöhnlichem Versandweg.

Betroffene beklagen unpersönlichen Service

Viele Betroffene zeigen Verständnis für menschliches Versagen, beklagen allerdings einen unpersönlichen Service bei Nachfragen. In einem Fall habe die Mehlemer Filiale keine Nachforschungsformulare vorrätig gehabt und eine ältere Dame an eine Geschäftsstelle in Bad Godesberg Mitte verwiesen. Die Formulare seien zwar auch im Internet zugänglich, das Ausfüllen erfordere aber viel Zeit. Mellinghoff wurde gesagt, sie solle eine Beschwerde per Post nach Hamburg schicken. „Unpraktisch und kundenunfreundlich“, findet sie. Immerhin hat sich mittlerweile eine Kundin gemeldet, deren im November verschwundenes Paket nach den ersten Berichten erfolgreich in Würzburg der Tochter zugestellt wurde. DHL sprach letzten Freitag noch von einem Einzelfall und räumte im Laufe der Woche ein, es seien weitere Nachforschungsanträge gestellt worden.