Untersuchungen laufen

Weitere Gebäude der Uni Bonn mit Quecksilber belastet?

Die Universität Bonn musste mehrere Institutsräume wegen hoher Quecksilberbelastung schließen.

Die Universität Bonn musste mehrere Institutsräume wegen hoher Quecksilberbelastung schließen.

Bonn. Vermutlich besteht die Belastung schon seit Jahrzehnten. Die Bonner Universität rätselt noch über die erhöhten Quecksilber-Werte und hält sich bedeckt. Weitere Gebäude werden untersucht.

Es ist Detektivarbeit, was derzeit im ehemaligen Chemischen Institut an der Uni Bonn passiert. Die Diagnose ist klar: Quecksilberdampf liegt in der Luft vieler Räume, Grenzwerte werden vielerorts überschritten. Doch woher die Giftstoffe kommen, darüber rätseln Gutachter und Universitätsleitung seit mehreren Monaten. Nun sollen "stark reflektierende Kügelchen" in Abwasserleitungen gefunden worden sein. "Es ist noch nicht geklärt, ob es sich dabei um Quecksilber handelt", sagt Uni-Sprecher Andreas Archut. Zudem will man nun auch andere Institutsgebäude untersuchen. Was die Uni bisher verschwieg: Offenbar wurde im ehemaligen chemischen Institut jahrelang schwerpunktmäßig mit Quecksilber geforscht – mit Folgen für das Gebäude und Mitarbeiter.

Alles begann mit einem Unfall. Ende Februar ging im Keller des Instituts, das seit Jahrzehnten von Mikrobiologen und Geografen genutzt wird, ein Gerät kaputt, das Quecksilber freisetzte. Nachdem der Giftstoff beseitigt worden war, waren die Werte aber nach wie vor zu hoch. Mitte März folgten auch in benachbarten Räumen weitere Messungen, deren Ergebnisse Mitte April vorlagen. Zwei Wochen später rückten erneut Gutachter an, die die hohen Werte wieder bestätigten. Dasselbe passierte dann noch einmal Mitte Juni. "Dabei wurden Quecksilberreste gefunden und die Möglichkeit diskutiert, dass Quecksilber durch die Nutzer in weitere Arbeitsräume verschleppt worden ist", sagt Archut.

Die Theorie bestätigte sich durch wiederholte Messungen, die einen Monat dauerten, allerdings nicht. Seit Ende August wurde dann der gesamte Gebäudekomplex untersucht, Mitte September lagen die Ergebnisse vor: In 47 Räumen waren Konzentrationen oberhalb des Gefahrenwertes von 350 Nanogramm Quecksilber pro Kubikmeter Luft gemessen worden, weshalb einige Räume und Flure gesperrt wurden. Ende Oktober veröffentlichte die Uni schließlich alle Messwerte.

Schwerpunktforschung mit Quecksilber

Neue Erkenntnisse gibt es nun durch kleine Kameras, mit denen die Abwasserleitungen von innen untersucht wurden. Schon vorher hatten die Gutachter die Vermutung geäußert, dass die Quecksilberdämpfe aus den Rohren austreten könnten. "Die Kamera zeigte stark reflektierende Kugeln, die möglicherweise aus Quecksilber bestehen", so Archut. Die genauen Ergebnisse würden in der nächsten Woche erwartet.

Die Quecksilberbelastung besteht vermutlich schon seit Jahrzehnten, wie ehemalige Institutsangehörige dem GA berichten. So sollen Quecksilberreste damals einfach ein den Abfluss gekippt worden sein. Da das flüssige Metall viel schwerer als Wasser ist, setzt es sich an den tiefsten Punkten des Abwassersystems ab - beispielsweise in Siphons. Genau dort hatten die Gutachter besonders hohe Werte gemessen. Mit der Zeit verdampft Quecksilber und breitet sich so weiter aus.

Dieter Jungbluth, der Anfang der 1970er Jahre Chemie in Bonn studierte, kann sich an die frühere Forschung noch genau erinnern. "Im betroffenen Gebäude gab es Schwerpunktforschung mit Quecksilber", erzählt er. Im Hochparterre des heute Geografischen Instituts, in etwa dort wo jetzt die Bibliothek ist, gab es viele Labore. Der Boden war damals mit Dielen verkleidet, darunter war ein Gewölbe. "Dort holten sie einmal rund 60 Kilogramm elementares Quecksilber heraus", sagt Jungbluth. Mengen, die über Jahre heruntergetropft waren und sich im Boden gesammelt hatten.

Weitere Gebäude werden überprüft

Die Bausubstanz, also Böden und Mauerwerk, hat die Universität bislang noch nicht genauer untersuchen lassen. Stattdessen ist von der Verwaltung beschlossen worden, "vorsorglich auch weitere Institutsgebäude, in denen in der Vergangenheit mit Quecksilber gearbeitet worden sein könnte", zu überprüfen. Welche Gebäude das sind, möchte Sprecher Archut noch nicht sagen – zuerst wolle man Institutsangehörige informieren.

Ebenfalls bedeckt hält sich die Universität bei den Betroffenen, die sich aufgrund der Quecksilber-Thematik bei den Betriebsärzten gemeldet haben. Generell sei "nicht mit körperlichen Beschwerden" bei Mitarbeitern und Studenten zu rechnen. Aus Datenschutzgründen wolle man nicht die Anzahl der Patienten nennen. Ehemalige Institutsangehörige, die den Dämpfen möglicherweise über Jahre ausgesetzt gewesen seien, würden nicht informiert, weil meist Kontaktdaten fehlten.