Traditionen in der Festzeit

Weihnachtsbräuche im Rheinland und im Rest der Welt

Rentiere sind für den Weihnachtsmann unverzichtbare Helfer.

Der Weihnachtsmann liefert die Geschenke an Weihnachten aus.

Bonn. Baum schmücken, Lieder singen, Krippen gucken - in der Weihnachtszeit gibt es zahlreiche Bräuche, die sich teilweise seit dem Mittelalter entwickelt haben. Wo welche Bräuche ihren Ursprung haben, erklären wir hier.

Die Vorweihnachtszeit ist kurz in diesem Jahr. Der vierte Advent ist gleichzeitig Heiligabend. Viele hetzen sich ab in der Vorweihnachtszeit und in all dem Trubel gehen die alten Bräuche immer mehr verloren.

Doch das Rheinland ist reich an Bräuchen und weltweit geben Traditionen zum Weihnachtsfest ebenfalls für lokale Eigenheiten. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt oftmals auch die Vorbereitung auf das Fest. Sei es das erste Dekorieren der Wohnung, Aussuchen eines Tannenbaums oder natürlich die Suche nach passenden Geschenke.

Das Wort Advent kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet Ankunft, zugleich ist er der Beginn des Kirchenjahres. Neben all dem Konsum, Vorbereiten und Planen des Festmahls lohnt aber auch ein Blick auf die religiöse Bedeutung und Bräuche. Das Wort "Weihnachten" wurde erstmalig um 1170 bei dem bayerischen Spruchdichter Spervogel literarisch belegt.

Seit dem Mittelalter entwickelte sich das kirchliche Weihnachtsfest mit Krippe, Christbaum, Weihnachtsliedern und Bescherung, wie wir es auch heute noch kennen. Doch als Familienfest, wie es heute gefeiert wird, bildeten sich Bräuche laut Kulturwissenschaftlerin Ingeborg Weber-Kellermann seit dem 19. Jahrhundert. 

Strohhalmlegen

Alter Brauch: Volkskundler Alois Döring hat Interesse am "Strohhalmlegen" entdeckt. Die Krippe mit dem Jesuskind ist kaum größer als eine Streichholzschachtel.

Alter Brauch: Volkskundler Alois Döring hat Interesse am "Strohhalmlegen" entdeckt. Die Krippe mit dem Jesuskind ist kaum größer als eine Streichholzschachtel.

Ein bekannter rheinischer Brauch ist das Strohhalmlegen. Praktiziert wurde er von Kindern, die in der Adventszeit jeden Tag ein Gebet sprechen oder eine gute Tat vollbringen sollten. War dies erledigt, gab es als Belohnung einen Strohhalm, eine Feder, Stoff oder Watte die vom Kind in eine kleine Krippe gelegt wurde. Schließlich wurde aus den Materialien eine Krippe für das Jesuskind.

Krippen gucken

Ein beliebter Weihnachtsbrauch ist besonders in ländlichen Gebieten der nachbarschaftliche Besuch zur Weihnachtszeit, um sich die unterschiedlichen Krippen anzuschauen. Doch mittlerweile gibt es auch immer mehr öffentliche Krippen in den Städten, die einen begleiteten Gang zu den Krippen mit Erklärungen und Geschichten anbieten.

Sankt Martin

Die Umzüge erinnern an den Rheinischen Heiligen Sankt Martin.

Sankt Martin soll Weltkulturerbe werden. Eine Initiative vom Niederrhein hat einen entsprechenden Antrag eingereicht, die Rheinische Tradition der Martinszüge als immaterielles Weltkulturerbe auszuzeichnen. Zahlreiche Umzüge sind jedes Jahr in Bonn und der Region unterwegs und erinnern an die Geschichte des Heiligen, der seinen Mantel für einen Bettler teilt und Licht in die Dunkelheit bringt.

Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind?

Wer bringt denn nun die Geschenke - Christkind oder Weihnachtsmann?

Die Bescherung an Heiligabend verknüpfen Kinder oftmals mit der Geburt von Jesus, da diese besonders gern am Weihnachtsgottesdienst in Form eines Krippenspiels dargestellt wird. Doch wer bringt nun eigentlich die Geschenke und wie kam es zu den vielen Figuren.

Im 16 Jahrhundert wurde das Christkind vielmehr mit dem Nikolaustag in Verbindung gebracht. Bereits zu dieser Zeit scheint es, dass beide Gabenbringer parallel aufgetreten sind. Das Christkind galt erst in protestantischen Gebieten als Gabenbringer und verdrängte mit Ausbreitung der Reformation den Nikolaus. Im Rheinland war der Brauch des Christkindumgangs weit verbreitet.