Bonner Wissenschaftsnacht

Wasser von allen Seiten

Bonn. Eigentlich könnte man ja nach den Regenfällen der vergangenen Tage vom Wasser erst einmal genug haben. Doch dafür ist das lebensspendende Nass trotz allem einfach zu faszinierend, wie die diesjährige Bonner Wissenschaftsnacht beweist.

Manchmal kann zu viel Wasser schlimm sein. Aber unter den richtigen Umständen auch äußerst faszinierend. Bei der 10. Bonner Wissenschaftsnacht, die am Freitagabend ihren Höhepunkt erreicht, ist genau dies gegeben: Wissenschaftler aus allen möglichen Fachbereichen präsentieren ihre Ergebnisse rund um das nasse Element, das ebenso lebensnotwendig wie zerstörerisch sein kann, so kostbar, so einfach und so komplex.

Schon seit gestern hat das Wissenschaftszelt auf dem Münsterplatz seine Pforten geöffnet und lädt auch heute ab 9 Uhr Interessierte ein, die Geheimnisse des Wassers zu entdecken. So kann man in einer Simulation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Forschungszentrums Jülich etwa zu einem virtuellen Korallenriff hinabtauchen und dabei etwas über die Entstehung von Inselgruppen wie den Bahamas und den Malediven erfahren, aber auch über die Bedrohungen, der die Riffe derzeit vermehrt ausgesetzt sind. Parallel dazu informiert ein Multimedia-Bildschirm über das Forschungsschiff „Sonne“, das seit 2014 auf den Weltmeeren unterwegs ist. Nur ein paar Stände weiter geht es hoch hinaus: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschäftigt sich unter anderem mit organischen Filteranlagen, mit denen Wasser und auch Abfälle etwa auf Weltraummissionen effizient recycelt werden können.

Besonders großen Andrang gab es an den Stationen im Wissenschaftszelt, in denen die Besucher selbst Hand anlegen konnten. Dabei brauchte es noch nicht einmal spektakuläre Aufbauten – ein bisschen Küchentisch-Chemie oder Hausphysik reichten völlig aus. So zeigte etwa das Deutsche Museum, wie Rotkohlsaft durch Zugabe von Säuren (Essig) oder Basen (Abflussreiniger) seine Farbe änderte. Ein ganz einfaches Experiment, das aber großen Anklang fand. Immer wieder setzten sich vor allem Schüler an die Tische, immer wieder griffen sie zu Pipetten und Gläschen – und immer wieder musste auf einen altbekannten Merksatz hingewiesen werden. „Erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das Ungeheure.“ Was dahinter steckt, erklärten die Mitarbeiter des Museums auf gewohnt informative und verständliche Art. Zugleich nutzte das Haus, das sich seit einiger Zeit gegen die drohende Schließung wehrt, die Gelegenheit und wies auf die kommende Ausstellung über den Erfinder Leonardo da Vinci hin, dessen Wasserschraube bis heute Verwendung findet.

Ebenfalls beliebt war der Stand der Physikwerkstatt Rheinland. Ob es um die Reichweite eines Wasserstrahls ging, um den Auftrieb von Coladosen (Light schwimmt besser!) oder um die schnellste Methode, eine Flüssigkeit von einer Flasche in eine andere zu bekommen – derartige Alltagsfragen kamen bei den Besuchern besonders gut an.

So richtig los geht die Wissenschaftsnacht aber erst am Freitag. Ab 18 Uhr locken das Hauptgebäude der Universität und die angegliederten Museen (Arithmeum, Akademisches Kunstmuseum, Ägyptisches Museum) mit einem umfangreichen Programm, bei dem neben den verschiedenen akademischen Instituten auch weitere externe Einrichtungen vom Fischereimuseum bis hin zum Gymnasium Tannenbusch vor Ort sein werden. Vorträge treffen auf filmische Impressionen, Kunstinstallationen auf ein buntes Musikprogramm, das bis Mitternacht die Hochschule mit Leben füllen wird. Ein Höhepunkt des Abends dürfte übrigens eine Geo-Show sein, die erklärt, was man genau in Bohrkernen und Gesteinsproben zu finden erhofft. Dabei soll es auch eine Live-Schaltung in das Bohrkernlager am Marum in Bremen geben.

Weitere Infos und das ganze Programm gibt es unter www.bonner-wissenschaftsnacht.de.