Glosse zum Bonn-Center

Was sprengen wir noch?

Dieses Foto vom Bonn-Center machte Christopher Jelen vom Turm der Elisabethkirche aus.

Dieses Foto vom Bonn-Center machte Christopher Jelen vom Turm der Elisabethkirche aus.

Bonn. Seit Sonntag ist das Bonn-Center Geschichte. 14 Jahre zuvor gab es die letzte Sprengung in Bonn, damals fiel das Konrad-Adenauer-Haus. Doch was kommt jetzt? Unsere Autorin hat sich ein paar Gedanken gemacht.

Da liegt es, säuberlich in der Baugrube zusammengefaltet. Ein Rumms, und zumindest ein städtebauliches Problem in Bonn war gelöst. Nach der ebenso erfolgreichen wie publikums- und medienwirksamen Sprengung des Bonn-Centers könnte man fragen: Warum wieder 14 Jahre warten? Was sprengen wir als nächstes?

Manchen fällt da sofort das Stadthaus ein. Der Sanierungsstau ist nicht zu übersehen, doch die Türme inklusive 70er-Jahre-Interieur werden immerhin noch auf allen Etagen genutzt. Außerdem gibt es auch manches jüngere Bauwerk, das nicht nur Schokoladenseiten hat: Man fahre nur mal durch die Straßenschlucht an der düsteren Rückseite des WCCB-Neubaus.

Einen von Tag zu Tag jämmerlicheren Eindruck macht das verwaiste Schlachthofgelände an der Immenburgstraße. Dort haben Unbekannte bereits mit dem "Rückbau" begonnen und fast alle Fensterscheiben zerschlagen. Von den Duftmarken der regionalen Sprayerszene ganz zu schweigen. Egal was aus dem Gelände wird - den großen Rumms wird es dort wohl nicht geben. Die Ruinen machen eher den Eindruck, als würden sie sich beim ersten Sprengstoff-Bohrloch selbst pulverisieren.

Trutzig wie zu seinen besten Zeiten steht das Landesbehördenhaus an der B 9. Der Altbautrakt aus Sichtbeton ist leer, seit 2006 das Polizeipräsidium ausgezogen ist. Weil es nicht besonders nachhaltig ist, solide Bauwerke schon nach 40 bis 50 Jahren in Schutt zu verwandeln, hat der lokale Bund deutscher Architekten bereits Nachnutzungsideen entwickelt. Doch bislang ist Fehlanzeige für hängende Gärten und Studenten-WGs. Zukunft weiter ungewiss.

 

Die ehemalige Pädagogische Hochschule an der Römerstraße wäre vielleicht eine Kandidatin für ein explosives Ende. Seit 2010 ist das schadstoffbelastete Hochhaus in Rheinnähe verwaist. Zukunft ebenfalls ungewiss. Neue Nutzungen werden zurzeit für den Windeckbunker oberhalb der barocken Bonner Stadtmauer gesucht. Er scheint zu massiv für einen Abriss.

Es sieht also so aus, als müsste die Firma AWR Abbruch ihr VIP-Zelt künftig in anderen Städten aufschlagen. Die Sprengung des Bonn-Centers war tatsächlich ein gesellschaftliches Ereignis - und die Plätze in der ersten Reihe begehrt. Kein Wunder: Wer bekommt schon so viel Applaus, wenn er so viel kaputt macht?