Freifläche am Stadtrand

Was passiert mit dem Meßdorfer Feld?

Eine neue Klimaanalyse hat die Bedeutung des Meßdorfer Feldes als Frischluftlieferant für die umliegenden Stadtteile hervorgehoben.

Eine neue Klimaanalyse hat die Bedeutung des Meßdorfer Feldes als Frischluftlieferant für die umliegenden Stadtteile hervorgehoben.

Duisdorf/Endenich. Immer wieder wird über eine Randbebauung des Meßdorfer Felds nachgedacht. Bisher scheiterte dies an den Grünen, nach der Kommunalwahl könnte sich das ändern.

Spannend war es immer, wenn es in der Vergangenheit um das Meßdorfer Feld ging. Kaum war eine mögliche Bebauung scheinbar in der Schublade verschwunden, tauchten woanders neue Gedankenspiele darüber auf, ob nicht wenigstens ein Teil des riesigen Areals zur Wohn- oder Gewerbenutzung abgezwackt werden könnte. Überregionale Schlagzeilen, wie sie in Berlin die Debatte um eine Bebauung des Tempelhofer Feldes machte, erzeugte die Fläche in Bonn zwar nicht; mit hohem Engagement wird gleichwohl auch hier stets gekämpft, wenn es um das Areal geht, auf dessen Mitte sich gleich vier Bonner Stadtteile berühren: Duisdorf, Lessenich/Messdorf, Dransdorf und Endenich.

Zuletzt war es ein Gutachten der städtischen Wirtschaftsförderung gewesen, das im vergangenen Jahr die Wellen hoch schlagen ließ: Eine Fläche von 15 Hektar am Hermann-Wandersleb-Ring, so hieß es darin, könne noch bebaut werden. Anlass für das Papier war die Suche nach möglichen Gewerbe- und Industrieflächen in Bonn gewesen, die bekanntlich dringend benötigt werden. Vor wenigen Wochen aber zeigte der Planungsausschuss des Stadtrates den Überlegungen abermals die Grenzen auf. Vor allem die Grünen hatten sich unter Verweis auf die Festsetzung der Fläche als Landschaftsschutzgebiet vehement gegen die Bebauung gewehrt. Ihr wiederkehrendes Kernargument: Diese würde zulasten von Luft- und Lebensqualität – auch für die Innenstadt – gehen und den Zielen einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung widersprechen, der sich Bonn verschrieben hat.

Politik ist sich nicht einig

Eines aber hatte das Gutachten bewirkt: Einmal mehr klingelten die Alarmglocken bei jenen, die das Meßdorfer Feld schützen und erhalten wollen. So recht trauen sie offenbar einem bestehenden Ratsbeschluss nicht über den Weg, mit dem die Kommunalpolitik das Meßdorfer Feld grundsätzlich von Bebauung unangetastet lassen will. Doch die neuerliche Suche nach „Potenzialflächen“ reanimierte alte Sorgen vor einer „industriellen Zone“ auf dem Meßdorfer Feld. Mit einiger Verwunderung nahmen sie dabei zur Kenntnis, dass die in Rede stehende Fläche mit ihren 15 Hektar sogar um ein Drittel größer gewesen wäre als das gesamte Gebiet „Am Bruch“ am südlichen, an Duisdorf (zwischen Lessenicher Straße und Bahngleisen) angrenzenden Teil der Freifläche. Im Volksmund ist dieser Abschnitt auch als „Lorthzipfel“ bekannt.

Der ehemalige Hardtberger Bezirksvorsteher Gerhard Lorth hatte die Planung maßgeblich forciert. Doch auch hier besteht der Dissens weiter und spiegelt sich in den unterschiedlichen Haltungen innerhalb der Ratskoalition wider: Während sich CDU und FDP für eine Wohnbebauung „Am Bruch“ stark gemacht haben, lehnen die Grünen diese ab – und haben sich mit ihrer Verweigerung vorerst durchgesetzt: „Das Vorhaben 'Zweiter Bauabschnitt' wird daher auch in dieser Wahlperiode nicht weiter verfolgt“, heißt es wörtlich im Koalitionsvertrag der Jamaika-Partner. Nach der Kommunalwahl 2020 könnte das Thema allerdings neu diskutiert werden – je nachdem, welche Koalition regiert. Das Presseamt teilt mit, es gebe „verwaltungsseitig seit 2016 keinen neuen Sachstand“.

Die Bürgerinitiative wird das beruhigen: „Eine solche gewerbliche Nutzung wäre für das Meßdorfer Feld eine Katastrophe, von der ansteigenden Lärm- und Verkehrsbelastung ganz zu schweigen“, hatte sich Rudolf Schmitz von der Bürgerinitiative für den Erhalt des Feldes seinerzeit festgelegt.

Es fehlen Alternativen

Doch auch ihm und den vielen Spaziergängern auf dem Meßdorfer Feld sprang jetzt ein Gutachten zur Seite. Eine neue Klimaanalyse, die von der Stadt vor einigen Wochen vorgestellt worden war, hob die Bedeutung des Meßdorfer Feldes als Frischluftlieferant auch für die umliegenden Stadtteile ausdrücklich hervor. Sie ist Teil des Forschungsprojekts Zures, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird und Grundlagen erarbeiten soll, wie Städte und Gemeinden sich auf den fortschreitenden globalen Klimawandel einstellen können. Laut Stadtverwaltung soll die Analyse künftig als Planungsgrundlage zur Vermeidung von Hitzestress dienen.

Unbeantwortet lässt all das gleichwohl die Frage nach möglichen Alternativen. Denn der Bedarf an Wohn- und Gewerbeflächen ist in den angrenzenden Stadtteilen nicht weniger ausgeprägt als andernorts. Signifikante Entlastung verspricht man sich im Stadtbezirk Hardtberg von den 500 neuen Wohnungen, die auf dem Gelände der ehemaligen Gallwitz-Kaserne in Duisdorf entstehen. Mit rund 360 Einheiten werden die Eigentumswohnungen gegenüber den etwa 140 öffentlich geförderten Wohnungen ein klares Übergewicht bilden. Mit 20 Hektar nahezu drei Mal so groß wie die zwölf Fußballfelder umfassende Gallwitzkaserne wäre hingegen das Baugebiet Lengsdorf-Süd zwischen Konrad-Adenauer-Damm und Ückesdorf gewesen. Die Planungen sind fertig und liegen bei der Stadt in der Schublade. Bislang hat sie die Politik dort nicht hervorgeholt.