Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln

Was geschah beim Kranunfall am Bonner Hauptbahnhof?

Bonn. Bei Abrissarbeiten an der Bonner Südüberbauung ist am Samstagmittag ein Kran auf den Hauptbahnhof gestürzt. Bonner Polizei und Staatsanwaltschaft untersuchen nun, wie es zu dem Unfall kommen konnte.

Nach dem Kranunfall am Samstagnachmittag ist der Abriss der Südüberbauung am Hauptbahnhof vorerst gestoppt. Der Kran war vom Baufeld der Südüberbauung gekippt, offenbar weil ein Abbruchteil in eine Schutzmatte gefallen war, die der Kran hielt. Verletzt wurde niemand. Der Straßenbahnverkehr kam zeitweilig zum Erliegen.

Christian van de Loo, Bauleiter des Bauherrn Ten Brinke, konnte am Montag noch nicht sagen, wann es mit den Arbeiten weitergehen wird. Unterdessen hat die Polizei in Absprache mit der Bonner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Verdachts auf Baugefährdung aufgenommen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Kran-
unfall am Hauptbahnhof wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr. Wie Sprecher Robin Faßbender sagte, werde der Verdacht der Baugefährdung derzeit nicht weiter verfolgt. „Als die Bauarbeiter merkten, dass etwas schieflaufen könnte, haben sie mit der Sperrung der Straße reagiert“, so Faßbender. Von einer Gefahr für Leib und Leben gehe man deshalb nicht aus.

Polizeisprecher Robert Scholten wollte mit Blick auf die laufenden Untersuchungen nichts zum genauen Unfallhergang sagen: „Wir untersuchen, warum der Kran gekippt ist und vernehmen dazu Zeugen“, sagte er dem GA. Die Polizei hat zudem die Kölner Bezirksregierung informiert. Das dort angesiedelte Dezernat Betrieblicher Arbeitsschutz werde sich an den weiteren Untersuchungen allerdings nicht beteiligen, weil kein Arbeitnehmer verletzt worden sei, so Sprecher Dirk Schneemann.

Der Kran der Bornheimer Schwertransportfirma Baumann war am Samstag gegen 14.30 Uhr vom Baufeld der Südüberbauung Richtung Hauptbahnhof gefallen, der Ausleger schlug ins Bahnhofsdach ein. Verletzt wurde niemand, auch weil die Straße zu diesem Zeitpunkt nach Angaben der Polizei wegen der Bauarbeiten kurz vorher für Autos, Räder und Fußgänger gesperrt worden war. Der Unfall sorgte allerdings bis in die späten Abendstunden für Verkehrsprobleme.

Drei Tonnen schwere Matten brachte Kran aus Balance

Auf die Frage nach dem Warum erklärte van de Loo: „Wir sind noch in der Prüfung.“ Weiter sagte er, Ten Brinke habe den Auftrag für den Abriss mit dem niederländischen Unternehmen Hofstede abgeschlossen, das auf Fragen des GA bis Redaktionsschluss nicht antwortete. Bei der Firma Baumann schilderte Geschäftsführerin Sabine Baumann das Geschehene nach Rücksprache mit dem Kranführer: „Wir haben den Auftrag erhalten, mit einer Staubschutzmatte den Außenbereich des Bauwerks abzuschirmen“, sagte die Unternehmerin.

Ihr Mitarbeiter habe die mehr als drei Tonnen schwere Matte aus einem Kunststoff-Stahl-Gemisch außerhalb der Fahrerkabine per Fernsteuerung in die richtige Position gebracht. Dann sei ein Betonteil von dem Abbruchbagger, der nicht der Firma Baumann gehöre, ab- und in die Staubschürze gefallen. Das tonnenschwere Stück habe den 36 Meter hohen und 48 Tonnen schweren mobilen Transportkran aus der Balance gebracht, der daraufhin kippte. Diese Darstellung deckt sich mit der Aussage eines DB-Mitarbeiters, der gegenüber dem GA angegeben hatte, der Abrissbagger habe unvermittelt die Kralle geöffnet und ein Baustück fallen lassen.

Höhe des Schadens steht noch nicht fest

Die Sicherung der Unglücksstelle dauerte bis zum Samstagabend. Der mobile Kran konnte nach der Bergung selbstständig auf den Bornheimer Betriebshof fahren und wird dort laut Baumann von einem Monteur auf seine Funktionsfähigkeit hin überprüft. Eine Bahnsprecherin sprach von „nicht gravierenden Schäden“. Der Ausleger habe lediglich Dachplatten und darunter liegende Holzlatten auf einer Fläche von schätzungsweise zwei Mal zwei Metern beschädigt.

Da die schweren, aber stumpfen Matten sich im Fall quer über die Straße Am Hauptbahnhof legten, sind die Straßenbahnleitungen für die Linien 61 und 62 nicht gerissen, sondern wurden lediglich nach unten gedrückt. „Wir werden die vier Drähte – zwei für jede Fahrtrichtung – dennoch vorsorglich austauschen“, sagte am Montag Stadtwerke-Sprecher Werner Schui. Ab nächsten Sonntag ersetzen Techniker die Leitungen auf einer Fahrbahnlänge von 500 Metern an vier aufeinanderfolgenden Nächten in der verkehrsruhigen Zeit, so Schui. Wie hoch der Schaden ist und wer dafür aufzukommen hat, war am Montag nicht zu erfahren.