VHS-Vortrag zur Innenstadtentwicklung

Was eine interessante Innenstadt ausmacht

Zum Viktoriakarree wollte sich Claus-Christian Wiegandt explizit nicht äußern. FOTO: FROMMANN

Zum Viktoriakarree wollte sich Claus-Christian Wiegandt explizit nicht äußern.

BONN. Über das Viktoriakarree wollte Claus-Christian Wiegandt bei seinem VHS-Vortrag über Innenstadtentwicklung bewusst nicht reden. Dem Professor am Geografischen Institut der Bonner Universität ging es bei der Veranstaltung in der Reihe "Uni im Rathaus" darum, Entwicklungslinien in deutschen Innenstädten und Anforderungen an diese zu erläutern.

Aber das Reizthema schwang am Mittwoch im Gobelinsaal des Alten Rathauses mit.

Zunächst stellte Wiegandt für Bonn klar, dass die Innenstadt prosperiere verglichen mit NRW-Städten wie Wuppertal, Solingen und anderen im Ruhrgebiet. "Wenn wir hier jammern, tun wir das auf hohem Niveau", so der Professor, der schon mehrere Städte planerisch beraten hat.

Natürlich hätten auch die Bonner Einzelhändler mit der Konkurrenz durch den Online-Handel zu kämpfen. Der Trend gehe zur Vermischung von Vertriebswegen sowohl klassisch als auch im Internet. Zudem suchten Onlinehändler inzwischen auch Geschäfte, in denen sie ihre Waren präsentieren könnten. Ein zweiter Konkurrent für die Innenstädte seien Shoppingcenter im Grünen wie Günthersdorf bei Leipzig . "Aber denen geht es teils nicht mehr so gut."

Wiegandt stellte Konsum, Tourismus, Kultur, Wissen und Kreativwirtschaft als die fünf wichtigsten Eckpunkte im "urbanen Pentagon" vor und führte Punkte auf, die eine Innenstadt attraktiv machen können: ästhetisches Design der baulichen Gestaltung, funktionale Mischung, der Balanceakt zwischen Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität, Wohlfühlfaktor sowie Atmosphäre.

"Eine Innenstadt zeichnet sich durch Multifunktionalität aus", so Wiegandt. Wichtigster Faktor sei aber der Konsum, und da habe die Zahl innerstädtischer Einkaufszentren in den letzten Jahren zugenommen. Lage und Größe spielten eine wichtige Rolle: Je näher an der Innenstadt und je kleiner, desto besser, so Wiegandt.

Ideal sei, wenn das Angebot im Zentrum das der Stadt ergänze, nicht dupliziere. Die Architektur solle an den Bestand angepasst werden. Stadtplanerisch sei es sinnvoll, wenn Planungsverwaltung, Rat, Einzelhändler und Öffentlichkeit "gemeinsam mit konsistentem Zielsystem" dem Gewinnmaximierungsinteresse der Investoren entgegenträten, mahnte Wiegandt. Das Viktoriakarree erwähnte er nicht, aber der Hinweis war deutlich.