Fragen und Antworten

Was Sie zum Niedrigwasser des Rheins wissen sollten

Die Fähre bei Nonnenwerth kann aufgrund des Niedrigwassers im Rhein nicht mehr fahren.

Die Fähre bei Nonnenwerth kann aufgrund des Niedrigwassers im Rhein nicht mehr fahren.

BONN. Der Rheinpegel steht auf einem Rekordtief. Müll und Sprengkörper tauchen auf, Fähren stellen Betrieb ein, Stadtbäume leiden: Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Niedrigwasser im Rhein.

Der Rheinpegel liegt in Bonn nur noch bei rund 80 Zentimetern - das ist ein rekordverdächtiger Wert und ein ungewohnter, fast schon gespenstischer Anblick. Fragen und Antworten rund um das Niedrigwasser.

Kann man den Rhein zu Fuß durchqueren?

Die Wasserschutzpolizei warnt davor. Der Pegel in Bonn lag zwar am Montagmittag bei 81 Zentimetern. Doch ist da noch die Fahrrinne der Schiffe. Sie ist 1,90 Meter tief. Laut Wasser- und Schifffahrtsamt ist der Wasserstand dort immer um 1,09 Meter höher als der Tagespegel. Zudem lauern im Flussbett Gefahren - etwa explosive Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Kampfmittelräumdienst sammelte allein am Sonntag sieben Blindgänger am Bonner Rheinufer auf und barg am Montag eine Sprenggranate. In Köln-Poll musste vergangene Woche eine 50-Kilo-Fliegerbombe gesprengt werden. Schieben die Kampfmittelräumer am Rhein derzeit Überstunden? "Wir haben den Eindruck, dass es ein erhöhtes Aufkommen dadurch gibt, dass nun Bereiche freiliegen, die sonst nicht zugänglich sind", so eine Sprecherin der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf. Es gebe aber keine Statistik über Fundstellen.

Fördert das Niedrigwasser weitere Dinge zutage?

Ja - zum Beispiel 25 Fahrräder, sieben Einkaufswagen, drei Verkehrsschilder, zwei große Eisenregale und drei Ventilatoren. Bei einer Müll-Sammelaktion der Stadt Köln am linken Rheinufer nahe der Hohenzollernbrücke wurden einige unschöne Dinge zutage gefördert. Die Helfer holten insgesamt 2,5 Tonnen Müll aus dem Rhein. Weitere Aktionen sind geplant, so Sprecherin Sabine Wotzlaw.

Wurden auch noch größere Gegenstände gefunden?

Immer, wenn ein Schifffahrtshindernis vorliegt, wird das Wasser- und Schifffahrtsamt tätig. Die Mitarbeiter des Außenbezirks Niederkassel haben in der vergangenen Woche im Uferbereich bei Lülsdorf eine Lore aus Eisen im Rheinbett entdeckt und gehoben, sagt Wasserbaumeister Markus Müller. Diese sei bestimmt drei mal ein Meter groß gewesen. Außerdem haben sie die aus Aluminium gefertigte Laufplanke eines Schiffes aus dem Fluss gehoben.

Wie sieht es mit dem Personenverkehr aus?

Einige Personenfähren haben ihren Betrieb eingestellt, in Lülsdorf, in Bad Honnef oder an der Insel Nonnenwerth, die schon zu Rheinland-Pfalz gehört. Auf der Insel befindet sich ein Gymnasium - der Unterricht fällt dort aus. Andere Fähren sind weiter in Betrieb, in Königswinter etwa oder in Mondorf. Dort mussten allerdings die Rampen zum Ufer verlängert werden. Die Köln-Düsseldorfer verzeichnete nur drei Ausfälle durch Niedrigwasser. Die Saison sei seit dem Wochenende beendet und insgesamt gut gelaufen, so Sprecherin Nicole Becker.

Gibt es weitere Folgen des Wasserstands?

In der größten Sommerhitze waren Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün in Bonn unterwegs, um die Bäume zu wässern - jetzt sind sie es wieder. Wenn der Rheinpegel und damit auch der Grundwasserspiegel sinke, kämen die Pflanzen schlechter an das dringend benötigte Wasser, so Andrea Schulte vom Presseamt. In den zwölf Gartenbezirken gebe es jeweils mindestens einen Wasserwagen, der punktuell unterwegs sei.

Hat das Niedrigwasser Folgen für die Trinkwassergewinnung?

Nein. In Köln wird das Trinkwasser links- wie rechtsrheinisch zwar aus dem Grundwasser gewonnen. Und es gebe eine gewisse Korrespondenz zwischen Rheinpegel und Grundwasserspiegel, wie Christoph Preuß erläutert, Sprecher der Rheinenergie, die für die Trinkwassergewinnung zuständig ist. Allerdings handele es sich in der Kölner Bucht um mächtige Grundwasserströme, so dass keine Probleme zu befürchten seien - auch nicht bei mehreren trockenen Sommern in Folge.