Wissenschaftsschiff in Bonn

Was Digitalisierung für die Arbeitswelt bedeutet

Im Wissenschaftsschiff erläutert Arnul S. Schüffler (rechts) von der Ruhr-Universität in Bochum, warum es hilfreich ist, vergessen zu können. Nachwuchswissenschaftler stehen in blauen T-Shirts 
Besuchern Rede und Antwort.

Im Wissenschaftsschiff erläutert Arnul S. Schüffler (rechts) von der Ruhr-Universität in Bochum, warum es hilfreich ist, vergessen zu können. Nachwuchswissenschaftler stehen in blauen T-Shirts 
Besuchern Rede und Antwort.

Bonn. Wie verändert digitale Technik das Arbeitsleben in Büros und Fabrikhallen? Welche Berufe wird es in Zukunft geben? Fragen, für die das Wissenschaftsschiff, das am Donnerstag vor dem ehemaligen Bundeshaus angelegt hat, einige Antworten bereithält.

Das Ausstellungsschiff versucht im Wissenschaftsjahr 2018 Einblicke in die Arbeitswelten von morgen zu geben. Unterwegs im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), tourt das ehemalige Frachtschiff seit Mai durch Deutschland und kann noch bis Sonntag am Bonner Stresemannufer besucht werden, bevor es über Koblenz (14. bis 16. August 2018) und weitere 13 deutsche Städte seine Flussfahrt im Oktober in Österreich (Wien, Tulln und Krems) beendet.

„Man muss für die Zukunft der Arbeit nicht schwarzsehen“, sagte Otto Bode, Leiter der Projektgruppe „Wissenschaftsjahr Arbeitswelten der Zukunft“ im BMBF, zur Eröffnung der Ausstellung. Es gehe vielmehr bei der Zukunft der Arbeit darum, die Menschen auf Digitalisierung oder Automatisierung vorzubereiten. Die entscheidende Frage sei, wie man das Zusammenspiel von Mensch und Roboter gestalte. „Wir haben ein sozialpartnerschaftlich geprägtes System“, betonte Bode, „und politische Bereiche, die diese Prozesse gestalten.“

Forderung nach „selbstbestimmter Arbeit“

Man brauche, und dafür sei das Wissenschaftsschiff auf ideale Weise geeignet, eine Auseinandersetzung mit dem, was die Leute beschäftige. Auf den vorangegangenen Stationen des Schiffes haben die Besucher bereits ihre Meinungen an einem „Wunschbaum“ zurückgelassen. „Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!“, hat eine Undine, 24, auf einen der vorbereiteten Zettel geschrieben. „Habt keine Angst vor dem Fortschritt – nur deswegen geht es uns so gut“, hat jemand namenlos hinterlassen. Die Forderung nach „selbstbestimmter Arbeit“ taucht genauso häufig auf wie der Wunsch, dass Arbeit Spaß machen solle.

„Die wissenschaftlichen Inhalte sind spielerisch und unterhaltsam aufbereitet, sodass die Ausstellung für Erwachsene und Kinder gleichermaßen interessant sein kann“, betont Markus Weißkopf, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog (WiD). An 26 Stationen können sich die Besucher unter dem Motto „Erleben, Erlernen, Gestalten“ selber ein Bild von der Zukunft der Arbeit machen.

Sogar praktische Hilfen sind an Bord: Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung empfiehlt nach kurzer Anamnese mittels einer App persönliche Strategien gegen Stress. Wirtschaftspsychologen erklären, warum es hilfreich sein kann, vergessen zu können. Und das Kunsthistorische Institut des Max-Planck-Instituts in Florenz zeigt die Verflechtungen von Kunst und Arbeit auf, die durch ein interaktives Memospiel erfahrbar werden. Man kann sich per Audioführer durch die Ausstellung begeben oder auch die fünf Nachwuchswissenschaftler (erkennbar am blauen T-Shirt) ansprechen, die nicht nur an den Mitmachstationen hilfreich zur Seite stehen.