Interview mit Thomas Terfrüchte

Warum der Kreis Ahrweiler für Bonn interessant ist

Thomas Terfrüchte von der TU Dortmund.

Thomas Terfrüchte von der TU Dortmund.

AHRWEILER. Bonn ist sowohl zum Leben als auch zum Arbeiten attraktiv, und deshalb wird es in der Stadt immer voller. Thomas Terfrüchte von der Technischen Universität Dortmund erklärt im Interview, was Städte wie Bonn tun können.

Bonn ist sowohl zum Leben als auch zum Arbeiten attraktiv, und deshalb wird es in der Stadt immer voller. Weil Unternehmen keine Flächen finden, ziehen sie weg. Thomas Terfrüchte von der Technischen Universität Dortmund beschäftigt sich mit Raumplanung und erklärt, was Städte wie Bonn tun können. Mit ihm sprach Nadine Klees.

Bonn hat ein großes Problem, es fehlt an Gewerbeflächen in der Stadt. Ist das in anderen Städten ähnlich?

Thomas Terfrüchte: Bonn liegt da im Trend mit anderen Städten. Die Urbanisierung betrifft nicht nur die Menschen, die wieder verstärkt in die Städte drängen, sondern auch die Unternehmen. Es gab mal Zeiten, da hat sich das Gewerbe, oft auch wegen der Preise, eher woanders angesiedelt. Jetzt ist es offensichtlich wieder wichtiger, in die Stadt selbst zu ziehen. Das ist derzeit ein Schwarmphänomen. Es gibt einige Städte, die eine besondere Anziehungskraft haben.

Welche sind das?

Terfrüchte: Das sind zum einen natürlich große Städte wie Hamburg, Berlin, München, aber auch Bonn oder Düsseldorf. Man weiß allerdings nicht ganz genau, woran das liegt. In Bonn suchen die Unternehmen sicher auch die Nähe zu Institutionen und Ministerien. Wenn man die Kriterien, die diese Anziehungskraft genauer kennen würde, könnte man versuchen, auch andere Städte attraktiver zu machen. Gerade nach der Wende hat sich auch anhand der neuen Bundesländer gezeigt: Eine gute Anbindung an die Autobahn reicht eben allein nicht aus.

Was können Städte tun, wenn es zu wenig Platz für Gewerbe gibt?

Terfrüchte: Das Umland muss mitgedacht werden. Es gilt, Gewerbe, das ansonsten wegziehen würde, wenigstens in der Region zu halten – allein schon für die Arbeitnehmer. Städte und Kreise müssen sich zusammentun. In Baden-Württemberg gibt es viele Beispiele dafür, aber auch in NRW. Das heißt, Kommunen entwickeln gemeinsam Gewerbeflächen und teilen später auch den Ertrag. Genau solche Zusammenarbeiten sollen ja auch in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis entstehen. Allerdings sollte auch der Kreis Ahrweiler mit einbezogen werden. Allerdings ist das nicht so einfach.

Warum nicht?

Terfrüchte: Weil Ahrweiler in Rheinland-Pfalz liegt und solche interkommunalen Kooperationen über Bundesländergrenzen hinweg schwieriger sind. Da müssten mitunter auch Landesgesetze angepasst werden. Im Rahmen des Projekts Neila („Nachhaltige Entwicklung durch Interkommunales Landmanagement in der Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler“) prüft die Region in den nächsten drei Jahren aber genau solche Möglichkeiten.

Aber wieso sollten Kommunen, die Flächen haben, diese nicht alleine entwickeln? Dann bliebe auch der Erlös in ihrer Kommune?

Terfrüchte: Weil die Kommunen nur so viele Gewerbeflächen ausweisen dürfen, wie es Bedarf gibt. Dieser wird für Bonn und die Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis von der Regionalplanungsbehörde in Köln ermittelt. Hat die Kommune also keinen Bedarf, kann sie auch keine weiteren Flächen weiterentwickeln. Arbeitet aber eine Kommune im Rhein-Sieg-Kreis mit Bonn zusammen, kann sie dann deren nicht gedeckten Bedarf ausweisen. So haben beide Seiten etwas davon. Bonn könnte zum Beispiel Gewerbe vermitteln und dadurch einen Teil Gewerbesteuer zurück bekommen

Allerdings braucht Bonn nicht nur Flächen für Gewerbe, sondern auch für Wohnraum. Beide Bedarfe stehen in Konkurrenz zueinander...

Terfrüchte: Und nicht nur das. Auch Freiräume braucht es weiterhin. Es brauch Frischluftschneisen zur Be- und Entlüftung der Stadt, an Hochwasser muss gedacht werden und auch an die Landwirtschaft.

Aber ist es nicht gerade auch die Landwirtschaft, die das Nachsehen hat, wenn neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden?

Terfrüchte: Sicher sind es meistens landwirtschaftliche Flächen, die umgewandelt werden. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es natürlich auch wichtig, dass ein gewisser Anteil Landwirtschaft beibehalten wird. Aber das schafft NRW eigentlich ganz gut. Gerade in Bonn und dem westlichen Rhein-Sieg-Kreis, deren Böden zu den fruchtbarsten in Deutschland zählen.