Bonner Kirschblüte

Warnschild zu Kirschblüten-Fotografen gestohlen

Bonn. Kirschblüten-Touristen aus aller Welt bevölkern seit Tagen die Bonner Altstadt, auf der Suche nach der perfekten Kulisse für ein schönes Foto. Sogar ein Verkehrsschild machte auf sie aufmerksam - das ist nun jedoch verschwunden.

Dieser Tage streckt die ganze Welt ihre Köpfe wieder aus den Häusern und genießt das schöne Wetter und die blühenden Frühlingslandschaften. Besonders beliebt ist aber vor allem die Kirschblüte in der Bonner Altstadt – und das nicht nur bei den Einheimischen.

Zum Beispiel Allessia und Jessica Qiu aus Belgien. Sie besuchen Bonn nur für einen Tag und wollen vor allem die rosafarbene Pracht mit eigenen Augen bewundern. Die vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Bonn wollen sie sich zwar auch kurz ansehen, aber das muss warten. Zuerst ist ein Fotoshooting angesagt. Auch für Ying Cih ist die Kirschblüte in Bonn zum inoffiziellen Wahrzeichen Bonns geworden. Sie lebt für sechs Monate als Austauschstudentin aus Taiwan in Bonn und hat schon viel gesehen. Aber „die Kirschblüte ist bis jetzt am schönsten“, sagt sie.

Mit den Touristen aus aller Welt steigt auch der Umsatz für die Geschäfte in der Altstadt. In der Altstadtinitiative Bonn haben sich viele der ansässigen Ladeninhaber zusammengetan und ein Programm für die Zeit der Bonner Kirschblüte auf die Beine gestellt. Im gesamten April bieten die kleinen Lädchen rund um die Heerstraße Veranstaltungen an, die nicht nur die Touristen anlocken, sondern auch den Anwohnern Freude bereiten sollen. Victoria Harlos, stellvertretende Vorsitzende der Altstadtinitiative, beschäftigt sich auch außerhalb der Blütezeit mit dem Thema – nicht nur, weil sich das Motiv in ihrer Leinwanddruckerei das ganze Jahr über gut verkauft.

"Liveticker" zur Bonner Kirschblüte

Sie hat außerdem einen Blog ins Leben gerufen, der alle Altstadttouristen über den neuesten Stand der Kirschblüte informiert. Wie in einem Liveticker schreibt sie dort von jeder Neuigkeit rund um die rosa Wölkchen: Wann sie endlich austreiben, wie lange sie noch zu bewundern sind, und was sonst noch auf dem Programm steht. So zum Beispiel das „Walk-In“ im Tattoo-Studio „Cross my Heart“: Hier werden Tattoos ohne Termin gestochen. Motiv ist – natürlich – die Bonner Kirschblüte. Auch Thomas Gimbel vom „Platzhirsch Bonn“ hat sein Sortiment den Besuchern angepasst. Seit diesem Jahr bietet er eine eigens entworfene Klappkarte an, die die Front der Heerstraße zeigt. Über ein Jahr hat die Planung dafür gedauert, aber „sie ist der Verkaufsschlager geworden“, erzählt er stolz. Zur Kirschblütenzeit macht sein Geschäft drei Mal so viel Umsatz wie vor Weihnachten. Daher ist die Kirschblüte mitsamt ihrem Begleitprogramm seiner Meinung nach für die Nordstadt unerlässlich. „Die Altstadt braucht das, viele Geschäfte müssten hier wahrscheinlich sonst schließen.“

Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.

Die Aktionen rund um die Kirschblüte kommen jedes Jahr gut an, sowohl bei Bonnern, als auch bei den Touristen. Aber der ganze Trubel hat auch seine Schattenseiten. Anwohner der Altstadt kommen in diesen Wochen kaum noch mit dem Auto zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Kindergarten, wie Elisabeth und Hans-Dieter Braselmann berichten, die gerade ihre Kinder im Viertel besuchen wollen. Und manch ein Anlieger scheint von den Menschenansammlungen so genervt, dass er nur noch hastig und gestresst durch die Altstadt läuft, ohne ein Auge für das Naturphänomen übrig zu haben.

 

Es wird oft gefordert, die Straßen in dieser Zeit nur für Anlieger freizugeben. Der Verkehr sei ja auch schon für Busse gesperrt worden. Aber stattdessen schleichen die Autos aus Köln und der Umgebung durch die Straßen, und ihre Insassen machen aus dem Wagen heraus ihre Fotos und Instagram-Stories. Als lauerten nicht schon genug Gefahren: Viele Touristen nehmen wenig Rücksicht auf die Autofahrer und haben oft nur ihre Fotos im Kopf. Die Bonner Altstadtinitiative hat kürzlich sogar ein Schild aufstellen lassen mit der Aufschrift „Kirschblütenfotografen – Bitte Schritttempo fahren“. Was eigentlich als ernst zu nehmender Warnhinweis gedacht war, verbreitete sich im Rekordtempo im Internet. Anscheinend wurden auch Diebe auf das Schild aufmerksam, denn wie jetzt bekannt wurde, wurde es am Sonntag  – nur zwei Tage nach dem Aufstellen – gestohlen.

Das ganze Treiben habe „fast schon etwas Südländisches“, findet Karina Racetin. „Außerdem dauert es ja auch nur zwei Wochen.“, fügt sie hinzu. Trotz allen Aufwands freuen sich auch die Anwohner über die Kirschblüte und sind stolz, ein Teil davon zu sein.