Bonner Wälder

Waldwege in Bonn sind nach Sturm Friederike bald wieder frei

Bonn. Das Forstamt zieht Bilanz: Bis zu 1000 Bäume sind dem Orkan „Friederike“ im Bonner Stadtwald zum Opfer gefallen. Viele Wege sind mittlerweile wieder begehbar. Trotzdem sollten Spaziergänger, Sportler und Wanderer vorsichtig sein.

Stadtförster Sebastian Korintenberg ist optimistisch. Er geht davon aus, dass in wenigen Tagen die Gefahr in den Bonner Wäldern gebannt ist, für die Orkantief „Friederike“ vor knapp zwei Wochen gesorgt hat. Und doch bittet er die Spaziergänger, Wanderer und Läufer um erhöhte Vorsicht.

„Ein quer über oder an einem Weg liegender Baum sollte nicht überstiegen oder umgangen werden, sondern ist ein Zeichen umzukehren“, warnt der Förster und empfiehlt den Waldbesuchern auch, die Absperrbänder ernst zu nehmen. Selbst auf dem Boden liegende Bänder seien eher ein Zeichen dafür, dass jemand sie durchtrennt habe, als dass der Weg dort wieder freigegeben wäre. Denn: „Wir lassen keine Absperrbänder auf dem Waldboden liegen.“

500 Festmeter Holz, die in etwa 750 bis 1000 Bäumen entsprechen, hat „Friederike“ in dem 600 Hektar großen Bonner Stadtwald umgelegt oder beschädigt. Jeder geworfene oder geschädigte Baum im Bereich Venusberg, Kaiserpark, Melbtal, Derletal und in Bad Godesberg ist inzwischen kartografiert und in einer Prioritätenliste für die Bearbeitung erfasst. Kaum zwei Wochen vor „Friederike“ hatte der Sturm „Burglind“ ganze Vorarbeit geleistet, die der Orkan dann neben vieler neuer Schädigungen schnell vollendete.

„Jeder stärkere Wind wird jetzt auch wieder neue Schädigungen hervorrufen“, so der Förster. Er habe sich schon einen guten Überblick verschafft, sei aber noch nicht in die letzten Winkel vorgedrungen. Wege, Häuser, Straßen, Gärten, das sei inzwischen alles überprüft. Ohne sich festlegen zu wollen, geht Korintenberg von gut 100 Kilometern Wegenetz aus, die von seinen zehn Waldarbeitern kontrolliert und bereits gesichert sind.

Fällarbeiten sind gefährlich

„Die haben schon einen super Job gemacht“, freut er sich über die Leistung seiner Waldarbeiter, die unter „teilweise sehr hoher Gefahr im Windbruch arbeiten“. Er geht davon aus, dass die Sturmschadenbeseitigung in etwa zwei Monaten abgeschlossen sein wird. Das reguläre Aufarbeiten abseits der Waldwege beginnt bereits wieder um die Karnevalstage herum.

Aus Gründen des Artenschutzes sind zunächst alle Natur- und Landschaftsschutzbereiche in bevorzugter Bearbeitung. Er bittet um Verständnis, dass es auch jetzt so sein kann, dass der ein oder andere Weg zeitweise gesperrt werden muss, wenn dort gearbeitet wird oder Bäume nachzukippen drohen. Größtenteils konnten Tannen und Fichten dem Orkan nicht standhalten. Nur wenige Laubbäume wie Buchen und Eichen sind dazwischen. „Die Fichten sind in unseren Wäldern auch nicht heimisch“, erklärt der Förster deren nun vielfach bewiesene Nichtstandfestigkeit auf den stauwassergeprägten Böden (Pseudogley) des Stadtwalds.

Die Flachwurzler bilden kompakte, kaum 30 Zentimeter dicke Wurzelballen, die in den extrem feuchten Böden keinen Halt finden. Vor allem dann, wenn die Baumkronen über die umstehenden Gehölze hinausragen und dem Wind eine ungeschützte Angriffsfläche bieten.

Die in etwa 60 Zentimetern Tiefe vorhandene Lehmschicht lässt von unten kein Grundwasser durch und staut das Regenwasser im Bereich der Wurzeln. „Das haut dann auch den dicksten Baum um“, sagt Korintenberg im Angesicht einer bereits gefällten, etwa 200 Jahre alten Buche. Sie zählt er nun dank einer Naturschutzzertifizierung des Waldes zu den darin vorgeschriebenen zehn Prozent Totholz, das wieder zum Lebensraum für Flora und Fauna des Waldes werden soll.

Es landet nicht als Brennholz in den Kaminen und Öfen seiner Kunden, die sich allerdings ab dem 19. Februar wieder unter stadtfoersterei@bonn.de zu Kauf und Abholung des heimischen Brennstoffs bei Korintenberg melden können.