Anhaltende Trockenheit

Waldbrandgefahr in Bonn und Region sehr hoch

Löscharbeiten am Höhenfelder See.

Am Höhenfelder See in Köln hat es am Sonntag gebrannt.

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Die Waldbrandgefahr in Bonn und der Region wächst durch die Hitze zunehmend. Förster warnen bereits. Falls sich ein Brand ausbreiten sollte, steht NRW vor großen Problemen.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist die Waldbrandgefahr weiterhin groß. In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis herrscht bereits Warnstufe vier von fünf, "mit zunehmender Tendenz zu Warnstufe fünf", wie Thomas-Hans Deckert vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft auf GA-Anfrage mitteilte.

Für landwirtschaftliche Nutzflächen gelte bereits die höchste Warnstufe, so der Fachgebietsleiter für hoheitliche Angelegenheiten. Gerade in Waldnähe herrsche auf diesen Flächen eine ganz große Gefahr, sagt Deckert. "Brände können dort wie eine Zündschnur wirken und sich rasend schnell in Richtung Wald ausbreiten". Die Förster im Bereich des Regionalforstamtes sind aufgrund der Waldbrandgefahr in ständiger Alarmbereitschaft.

Der Fachgebietsleiter macht noch einmal auf die geltenden Gesetze aufmerksam. Das Rauchen im Wald ist generell in den Sommermonaten vom 1. März bis zum 31. Oktober verboten. Auch offene Feuer im Wald sind nicht erlaubt. Und dennoch stellen sie immer wieder fest, dass an der Sieg oder im Siebengebirge gegrillt wird, berichtet Deckert.

Große Teile der Uferbereiche der Sieg seien FFH-Flächen (Fauna-Flora-Habitat), wo dies ebenfalls verboten ist. Er habe "völliges Unverständnis für das Verhalten vieler Leute in der Bevölkerung", so Deckert. Wer in diesen Tagen grillend oder rauchend erwischt werde, müsse nicht nur mit einer hohen Geldbuße rechnen. Es drohe eine Strafanzeige. Von einem Betretungsverbot sieht das Regionalforstamt vorerst ab.

Scherbe wird zum Brennglas

Gefahr könne auch von liegengelassenem Glas und Scherben ausgehen, sagt Achim Urmes vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser. "Unter so extremen Sonnenstrahlen kann eine Glasscherbe eine Brennglaswirkung entfachen", erklärt er. Daher sollte Glas immer wieder mitgenommen werden. Dies gelte generell für alles, was in den Wald mitgebracht werde, meint Urmes mit Blick auf liegengelassenen Müll.

Besondere Vorsicht gilt auch für die Wahner Heide. "Wenn es brennt, ist es dort noch brisanter", sagt Urmes und erklärt: "Die Wahner Heide ist eine der ältesten Truppenübungsplätze in Deutschland. Es gibt dort immer noch Hinterlassenschaften von diesen Nutzungsepochen. Bei einem Brand kann dies theoretisch Auswirkungen haben", so der stellvertretene Leiter. Heißt: Dort liegende Munition könne bei einem Feuer möglicherweise hochgehen. Geschehen sei dies bislang aber noch nicht, sagt Urmes. Aufgrund der vergangenen Nutzung gilt in der Wahner Heide eine Gefahrenabwehrverordnung. Flächen abseits der abgesuchten und freigegebenen Wege dürfen nicht betreten werden, erklärt der Experte.

Ausrüstung und Spezialisten fehlen

Bricht tatsächlich mal ein großer Waldbrand aus, fehlen allerdings die entsprechende Ausrüstung und Experten zur Bekämpfung. „Es ist tatsächlich so, dass die Länder und der Bund über kein einziges Löschflugzeug verfügen“, sagt Marianne Suntrup, Sprecherin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Um Waldbrände aus der Luft zu bekämpfen, setzt man in Deutschland eher auf Hubschrauber. Aber auch an diesen mangelt es offenbar beträchtlich, sagt der renommierte Waldbrandexperte und Branddirektor Ulrich Cimolino, der auch Mitglied des Verbandes der Feuerwehren ist. In Deutschland verfügten demnach nur die Bundeswehr, die Bundespolizei und vereinzelt die Länderpolizei (etwa Bayern) und einzelne private Anbieter über für solche Einsätze benötigten Hubschrauber. „Und von den rund 40 größeren Hubschraubern der Bundeswehr sind meist rund die Hälfte im Einsatz und die andere Hälfte entweder kaputt, bei Ausbildungsflügen  oder Wartungsarbeiten“, betont Cimolino, der zum Thema Waldbrand promoviert hat.

Große Probleme bei ausbreitendem Feuer

Insgesamt sei die steigende Waldbrandgefahr in den vergangenen Jahren von vielen unterschätzt worden, meint er. Waldbesitzer und Gefahrenabwehr müssten mehr Hand in Hand arbeiten. Denn es fehle nicht nur häufig an vorbeugenden Maßnahmen, wie nutzbare Wege oder Wasserentnahmestellen, sondern oft auch an spezialisierter Ausrüstung und qualifiziertem Personal dafür. „Wir haben viel zu wenig Spezialisten für die Waldbrandbekämpfung“, sagt Cimolino. Ein Versäumnis, das nicht kurzfristig korrigiert werden könnte.

Anders als Schweden oder Bundesländer wie Brandenburg verfügt NRW in weiten Teilen über Mischwälder mit hohem Laubwaldanteil. „Das ist gut, denn etwa Eichen oder Buchen fangen nicht so schnell Feuer wie Kiefern und Fichten, die bei der Trockenheit in Windeseile wie Zunder brennen“, sagt Cimolino. Aber auch bei dieser Vegetation sei ein großflächiger Waldbrand nicht zu verhindern. „Solange ein Waldbrand klein bleibt, ist die Lage zu kontrollieren. Breitet sich das Feuer aber aus, können auch wir in NRW große Probleme bekommen, und die Lage wird dann sehr schwer zu kontrollieren“, sagt der Branddirektor.

Brandbekämpfung ist Ländersache

Brandbekämpfung ist in Deutschland Ländersache. Und die Länder geben die Verantwortung dafür an die Städte und Gemeinden weiter. Das ist auch bei der Waldbrandbekämpfung nicht anders. „Und die Gemeinden entscheiden im Rahmen bestimmter Richtlinien selbst, wie sie eine Feuerwehr aufstellen und ausstatten“, sagt Schöneborn. Anders als in Schweden gebe es in NRW allerdings ein sehr enges Netz an Feuerwehren, die im Ernstfall schnell zur Stelle sein könnten. Zudem seien die Wege wesentlich kürzer. Außerdem verfüge die Feuerwehr in NRW als einziges Bundesland über 20 sogenannte überörtliche Hilfseinheiten, die jeweils aus 120 Mann bestehen und über das ganze Land verteilt seien. „Diese werden bei einem großen Waldbrand alarmiert“, sagt Schöneborn.

Sollte ein Waldbrand eine Dimension erreichen, die über Ländergrenzen hinaus geht, schaltet sich das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ein. Dort befindet sich das „Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern“ (GMLZ), das ganzjährig rund um die Uhr besetzt ist und bevölkerungsschutzrelevante Lagen auf Bundesebene beobachtet und analysiert. Darüber hinaus vermittelt das GMLZ bei besonderen Ereignissen Engpassressourcen – wie aktuell bei den Waldbränden in Schweden Feuerwehrleute und Hubschrauber. „Das GMLZ prüft dann, welche Stelle die gesuchte Ressource zur Verfügung stellen kann“, erklärt Suntrup.