Kostenloses Internet in Bonn

WLAN-Wüste Bonner City?

Johannes Mirus (rechts) und GA-Volontär Andreas Dyck sind in der Innenstadt auf der Suche nach einem offenen Internet-Zugang.

Johannes Mirus (rechts) und GA-Volontär Andreas Dyck sind in der Innenstadt auf der Suche nach einem offenen Internet-Zugang.

Bonn. Die Abschaffung der Störerhaftung soll für mehr freies WLAN sorgen. Doch wer in der Bonner Innenstadt nach kostenlosem Internet sucht, sucht meist vergeblich.

Wer dennoch freie Netzzugänge nutzen will, muss dafür viel Geduld und noch mehr Nerven mitbringen. „Hier steht Bonn noch ganz am Anfang“, sagt Johannes Mirus, der als Digitalberater arbeitet und über Digitalisierung und Bonn bloggt. Mit Laptop und Smartphone geht es zum Praxistest in die Innenstadt.

Los geht es auf dem Marktplatz. In der Liste der verfügbaren WLAN-Netze tauchen rund ein Dutzend Netzwerke auf. Zur freien Verfügung stehen die wenigsten davon, die meisten Netzwerke sind passwortgeschützt. Wir versuchen es zunächst mit dem kostenlosen Angebot der Postbank. Nach zehn Minuten und mehreren gescheiterten Versuchen, uns einzuwählen, geben wir auf. „Das ist leider etwas, das ich öfter erlebe“, sagt Mirus.

Auch die Versuche, Verbindungen mit dem Netz der Telekom, das für 30 Minuten am Tag kostenfrei zur Verfügung stehen soll, und dem von Unitymedia zu knüpfen, gelingen nicht oder nur kurzzeitig. „Das sind meine typischen Erfahrungen“, sagt der Blogger. „Normalerweise gebe ich es jetzt schon auf.“ Viele andere Netze wie das von Tee Gschwendner oder vom Sudhaus am Friedensplatz erlauben die Einwahl nur per Passwort als Kunde.

Das Telemediengesetz

Mit einem neuen Telemediengesetz brachten Union und SPD im Mai ihr Vorhaben auf den Weg, freies WLAN zu stärken. Die Neuregelung der sogenannten Störerhaftung, dank der Anbieter freier WLAN-Hotspots nicht mehr für illegales Surfverhalten Dritter haften sollen, bringt aber nach Auffassung von Aktivisten wie dem Verein Digitale Gesellschaft keine echte Rechtssicherheit. Das hatte zuletzt sogar der Bundesrat kritisiert.

Auch Sven Hense, Leiter der IT-Anwendungen im Personal- und Organisationsamt, bleibt skeptisch: Die Neuregelung zur Störerhaftung sei zwar ein wichtiger Schritt. „Allerdings darf man nicht außer acht lassen, dass die Neuregelung auch künftig keine umfassende Rechtssicherheit für die Betreiber beispielsweise vor möglichen Abmahnungen bietet.“ Allerdings sieht Hense auch positive Auswirkungen, etwa die Erprobung von WLAN in Bussen der Bonner Stadtwerke. Allerdings sollte die Gesetzesnovelle auch dafür sorgen, dass mehr Privatleute sowie Betreiber von Cafés, Geschäften und Restaurants ihre Netze zur Verfügung stellen würden.

 

„Davon kann ich zurzeit nur abraten“, sagt Simon Müller. Der 35-jährige Informatiker engagiert sich in der Freifunk-Initiative. Diese macht sich das sogenannte Providerprivileg zunutze, wonach der Überbringer einer Nachricht nicht für deren Inhalt haften muss. Provider sind Netzanbieter wie die Deutsche Telekom. Für 450 Euro im Quartal registriert sich der Verein Freifunk Rheinland als Provider. Wer nun einen Router mit der Software der Freifunker betreibt, dessen Daten werden – vereinfacht gesagt – verschlüsselt zu den Freifunkern geschickt und von ihnen als Provider ins weltweite Netz eingespeist. Das lässt keine Rückschlüsse auf den ursprünglichen Anbieter des WLAN zu, die Frage der Haftung wird dadurch umgangen.

Kein Geld für flächendeckendes WLAN

Freifunker stellen also ihren Internetanschluss zur Verfügung, ohne das Risiko einzugehen, für illegales Verhalten anderer abgemahnt zu werden. Trotzdem bleibt Müller skeptisch: „Ich glaube, Bonn ist eine ziemliche WLAN-Wüste, und das wird sich nicht so schnell ändern.“ Als er vor zwei Jahren in Kneipen für freie Hotspots geworben habe, sei er auf Ablehnung gestoßen.

„Meine Nachbarn rufen die Polizei, warum sollte ich ihnen mein WLAN bereitstellen“, hätten die Gastwirte argumentiert. Oder: „Ich will, dass die Gäste essen und trinken, die Plätze rechnen sich nicht, wenn die Gäste lange bleiben.“

„Der Stadt fehlt für flächendeckendes WLAN das Geld, deshalb ist sie auf Angebote wie die der Telekom oder der Freifunker angewiesen“, sagt Mirus. Die Investitionskosten sind nämlich hoch und betragen laut Hense ab 1500 Euro aufwärts – pro Standort. Dazu kämen Betriebs- und Wartungskosten.

 

Auf dem Marktplatz ist die Situation kaum besser. Zwar gibt es dort ein Netz der Freifunker, und wir können uns einwählen. Surfen können wir dennoch nicht, die Testseite baut sich nicht auf. „Das ist der Nachteil von Freifunk, man ist abhängig von Privatleuten, die ihr Internet zur Verfügung stellen“, sagt Mirus.

Die würden ihre Soft- und Hardware aber nicht immer richtig konfigurieren. Am Beethovenhaus fragen wir die 20-jährige Sijia, zu Besuch aus Kanada, nach ihrer Erfahrung mit freiem WLAN. „Einfach nur schrecklich, wenn es welches gibt, funktioniert es nicht“, sagt sie. Dabei sei man als Tourist in einer fremden Stadt darauf angewiesen. „Ich bin wieder vollkommen ernüchtert“, sagt Mirus. „Ich hätte schon gedacht, dass wir 2016 weiter sind.“