G20-Treffen der Außenminister in Bonn

WG blickt vom Balkon auf die Weltpolitik

Beim Kaffee das Geschehen im Blick: Philipp Spelten (v.l.), Johannes Niemann, Felix Stache uns Jacqueline Kobert.

Beim Kaffee das Geschehen im Blick: Philipp Spelten (v.l.), Johannes Niemann, Felix Stache uns Jacqueline Kobert.

Bonn. Die Bonner Bürger erleben das Treffen der Außenminister der G20-Staaten vor der Haustür – eine Wohngemeinschaft kann das Geschehen allerdings vom eigenen Balkon aus beobachten. Die Studenten wohnen mitten in der Sicherheitszone am WCCB.

Entspannt, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, stehen Philipp Spelten, Johannes Niemann, Felix Stache, Jacqueline Kobert und Sarah Klandt auf ihrer weitläufigen Terrasse direkt am Bonner Rheinufer mit Blick auf die Promenade und die vorbeiziehenden Schiffe. Eigentlich ein Tag wie immer, wären da nicht die Polizisten und Absperrungen direkt unter ihnen. Anlass: das G20-Treffen der Außenminister im WCCB in Bonn.

Gruppen von Journalisten ziehen an ihnen vorbei ins Pressezentrum. Nur ein paar Meter weiter rollen die Limousinen vor dem Marriott Hotel an. Die Wohngemeinschaft liegt somit mitten im Herzen des Konferenzareals – und der Sperrzone.

„Rauskommen geht schnell, reinkommen dauert dafür umso länger. Aber man gewöhnt sich daran“, sagt Spelten. Ausweis- und Taschenkontrollen gehören seit ein paar Tagen zum Alltag der Studenten. Mit dem Auto eine Erledigung machen? Abends mal schnell eine Pizza bestellen? Nicht möglich. Von der Polizei haben sie genaue Sicherheitsregeln für die Konferenztage mitgeteilt bekommen. So mussten auch Freunde, die zu Besuch kommen wollten, vorher angemeldet werden.

Auch der im Gebäude ansässige Akademische Ruderclub Rhenus Bonn muss pausieren. Wegen der gesperrten Rheinpromenade fallen Training und Wartungsarbeiten an den Booten aus. Die meisten der WG-Bewohner sind Mitglied im Ruderclub. „Das einzig Schwierige war die Logistik. Wer kann raus, wer darf rein? Was darf man nicht mitnehmen?“, so Spelten.

Zwei Monate vor dem G20-Treffen wurden sie über die bevorstehende Veranstaltung informiert. Da hatten sie noch befürchtet, für die Zeit des Treffens ganz aus ihrer Wohnung ausziehen zu müssen. Eine Woche vor dem internationalen Treffen folgten die genauen Instruktionen. „Die Polizei war auf einen Kaffee da“, erzählt Jacqueline Kobert. „Wir sind super informiert worden“, sagt auch Johannes Niemann.

 

Nur von dem eigentlichen politischen Geschehen bekommen sie nichts mit. Dafür konnten sie die Landungsversuche der Greenpeace-Aktivisten und den Einsatz der Polizei direkt von ihrer Terrasse aus mitverfolgen. Die Wartezeit bei den Kontrollen nutzen sie mittlerweile für einen Plausch mit den Einsatzkräften – um zu fragen „woher sie kommen und was sie beispielsweise nach ihrer Schicht machen“, so Felix Stache.

Den Umgang mit den Beamten erlebten sie als angenehm. Tür an Tür mit den Weltpolitikern - für die Studenten der Reiz ihrer WG-Lage. „Wohnen im ehemaligen Regierungsviertel - das hat schon was“, sagt Spelten. Und das nächste Großereignis lässt mit der UN-Klimakonferenz nicht lange auf sich warten.